Werder-Neuzugang
Beijmo - stolzer Schwede im WM-Fieber
Bremen - Irgendwie ja blöd: Da befindet sich ganz Schweden gerade im Fußball-Fieber, und Felix Beijmo ist nicht dabei, sondern sitzt in Deutschland, dem Land der großen Fußball-Depression fest.
Schlechtes Timing könnte man ihm jetzt attestieren. Doch das sieht der 20 Jahre alte Profi ganz anders. Er ist rundum glücklich, dass er in Deutschland und bei Werder Bremen sein darf. Dem schwedischen Nationalteam kann der Neuzugang des SV Werder auch von hier aus die Daumen drücken. Denn noch wichtiger als das Abschneiden der schwedischen Helden in Russland ist ihm, dass er sich möglichst schnell einfindet bei Werder.
Der Wechsel von Djurgardens IF aus der ersten schwedischen Liga nach Bremen und in die Bundesliga sei „ein großer Schritt für mich“, sagt Beijmo. Wie groß, das zeigte sich schon in der ersten Trainingseinheit auf dem Platz am Mittwoch. Die abschließenden Tempoläufe brachte er nicht zu Ende, sondern musste an den Zaun gelehnt nach Luft schnappen. Das sah nach Schlappmachen aus, aber Beijmo erklärte: „Ich war vorher eineinhalb Wochen krank, hatte Fieber und Magenprobleme. Mir ging es noch nicht so gut.“
Das geht als Entschuldigung durch. Und sowieso wird es wohl nur eine Anekdote sein in einer Geschichte, die erst noch geschrieben werden muss. Felix Beijmo in Bremen – wird es eine Erfolgsstory? Der Rechtsverteidiger weiß, dass er sich mit dem Wechsel etwas zumutet, dass er quasi zwei Sprossen auf einmal nimmt auf seiner persönlichen Karriereleiter: „Viele Schweden wechseln erst in die Niederlande oder nach Dänemark, bevor sie in eine der größeren Ligen gehen. Ich mache es jetzt direkt, und ich freue mich auf diese Reise. Ich habe keine Angst davor.“
Zukunft soll Beijmo gehören
Keine Angst vor der Konkurrenz, die als Rechtsverteidiger auf ihn wartet und die den Namen Theodor Gebre Selassie (31/Vertrag bis 2019) trägt. Der Tscheche gilt auf der Position als gesetzt, an ihm vorbeizukommen, wird schwer. Aktuell jedenfalls. Die Zukunft soll aber Beijmo gehören. Das ist der Plan. Der Betroffene weiß das, Trainer Florian Kohfeldt hat es ihm bei einem gemeinsamen Frühstück intensiv erklärt. Und den Spieler damit überzeugt, obwohl der auch „andere Optionen“ vorliegen hatte: „Aber darüber müssen wir nicht mehr reden. Werder ist das Beste für mich. Am Ende entscheidest du dich für den Club, von dem du das Gefühl hast, dass er dich am meisten will. Und ich hatte einen sehr guten Eindruck vom Trainer. Er hat mir klar gemacht, was er mit mir plant, wie er meine Entwicklungschancen sieht. Ich habe mich darin wiedergefunden“, so Beijmo.
Den Rest hat dann Landsmann Ludwig Augustinsson erledigt. Bevor er mit der Nationalmannschaft die bisher so erfolgreiche WM-Reise begonnen hat, hat er Beijmo nur Gutes über Werder und die Stadt Bremen berichtet. Das und die Tatsache, „dass Augustinsson ein bisschen auf mich aufpassen und mir alles zeigen kann“, war dann das letzte Mosaiksteinchen, das zu Beijmos Ja-Wort fehlte. Nun ist er da, bereit, Theo Gebre Selassie die Stirn zu bieten: „Leicht wird es nicht, an ihm vorbeizukommen. Aber ich freue mich auf den Konkurrenzkampf“, meint der Herausforderer und schiebt selbstbewusst hinterher: „Es ist doch schön, zwei gute Spieler für eine Position zu haben.“
Nationalmannschaft möglich
Beijmo sagt, er sei ein Verteidiger, der immer versuche, „so offensiv wie möglich“ zu spielen. Er sei schnell, verfüge über „ein gutes Passspiel“. Möglich, dass er das in nicht allzu ferner Zukunft auch mal im schwedischen Nationalteam zeigen kann. In jener Truppe, die aktuell an der Tür zum Salon der Legenden klopft. Im Viertelfinale der WM steht das Team schon, der nächste Gegner heißt am Samstag England. Und Felix Beijmo ist wie alle Schweden schon ganz aufgeregt: „Im Moment erleben wir die größte Begeisterung seit dem Viertelfinaleinzug 1994 in den USA. Die Spieler von damals sind bei uns alle Legenden. Und mit der aktuellen Mannschaft wird es genauso sein - erst recht, wenn wir das Halbfinale erreichen sollten. Es ist der Wahnsinn, was sie schon erreicht hat.“
Die Chance auf den Einzug in die Runde der letzten Vier sei da, glaubt Beijmo: „Es wird natürlich hart, aber unsere Statistik gegen England ist nicht so schlecht. Und wenn wir erstmal im Halbfinale stehen, ist alles möglich.“ Sogar der Titel. Sagt einer, der sich gerade von deutschen WM-Muffeln umringt sieht, es deshalb vielleicht aber auch doppelt genießt, zu sagen. „Im Moment bin ich sehr stolz, Schwede zu sein.“

