Meinung aus der DeichStube
Kommentar zum Klassenerhalt: Werder Bremen braucht Veränderungen
Der SV Werder Bremen hat den Klassenerhalt geschafft, doch jetzt muss alles auf den Prüfstand - ergebnisoffen. Ein Kommentar von DeichStube-Chefreporter Daniel Cottäus.
Am Samstagabend, um 20.25 Uhr, war die Rettung perfekt, der Klassenerhalt geschafft – der Spuk endlich vorbei. Der SV Werder Bremen wird auch in der Saison 2026/27 Mitglied der Fußball-Bundesliga sein, was für den Verein natürlich eine sehr gute Nachricht, deshalb aber noch lange kein Grund für Zufriedenheit oder gar Partystimmung ist.
Werder Bremen schafft Klassenerhalt, weil andere noch schlechter waren: Alles muss auf den Prüfstand - ergebnisoffen
In einer völlig verkorksten Saison, die mit Europa-Träumen begann und nackter Abstiegsangst endete, haben die Bremer gerade noch so das kleinstmögliche Ziel erreicht, das ein Bundesligist erreichen kann – und das nicht einmal aus eigener Kraft, sondern weil drei andere Vereine unter dem Strich noch schlechter waren. Ein Umstand, über den kein Verantwortlicher bei der Aufarbeitung hinwegsehen darf. Dort, wo die sportliche Spielzeit endet, muss die Ursachenforschung am Osterdeich nun erst so richtig beginnen. Kritisch und schonungslos. Denn Werder Bremen braucht Veränderungen.
Ob nun die bis zuletzt unzureichend besetzte Mittelstürmer-Position, der Leihspieler-Fauxpas, die Boniface-Farce, die fast schon mysteriöse Häufung muskulärer Verletzungen oder das Missverständnis mit Trainer Horst Steffen – die Liste der Fehleinschätzungen ist lang. Nach wie vor haftet sie fest an der Sportlichen Leitung um Geschäftsführer Fußball Clemens Fritz. Vor dem Aufsichtsrat wird es gute Erklärungen dafür brauchen, wie eine Mannschaft, die zwei Saisons in Folge ernsthaft am internationalen Geschäft gekratzt hat, plötzlich dermaßen abstürzen konnte. Fest steht: Ein einfaches „Weiter-so“ darf es nicht geben, wenn sich derlei nicht wiederholen soll. Sowohl strukturell als auch personell muss bei Werder Bremen alles auf den Prüfstand, ergebnisoffen. Alles andere wäre unprofessionell und nach außen hin nicht zu erklären.
Kommentar zum Klassenerhalt von Werder Bremen: Werteentwicklung und Daniel Thioune als positive Faktoren
Zum Trumpf für Clemens Fritz und Co. könnte dabei vor allem ein Name werden: Karim Coulibaly. Und zwar in doppelter Hinsicht. Der 18-jährige Senkrechtstarter, den Werder 2024 als Schnäppchen aus der U19 des Hamburger SV geholt hat, hat sich als Volltreffer entpuppt. Nun verspricht Coulibaly nicht nur, im Sommer zum teuersten Spielerverkauf der Werder-Historie zu werden und den Verein damit wirtschaftlich zu sanieren – nein, darüber hinaus steht er stellvertretend für die Werteentwicklung, die den Bremern mit gleich mehreren jungen Spielern in dieser Saison gelungen ist (Backhaus, Covic, Musah). Diese Tatsache als von vornherein ausgeheckten Masterplan zu verkaufen, dem der sportliche Erfolg bewusst untergeordnet wurde, greift als Narrativ zwar zu kurz, und doch ist die Werteentwicklung unbestreitbar da. Als mit Abstand positivster Faktor der Spielzeit.
Auch die Wahl von Daniel Thioune als Steffen-Nachfolger muss in der Gesamtbetrachtung als guter Griff beschrieben werden. Der 51-Jährige hat seine Mission erfüllt, hat dem großen Druck Stand gehalten und Werder Bremen mit seiner Art neue Energie verschafft. Fußballerisch sah es zwar auch unter ihm nicht besonders ansprechend aus, dennoch hat er sich das Vertrauen verdient, im Sommer den dringend benötigten Neuaufbau als Chefcoach voranzutreiben. (dco)
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