Nur Remis gegen den 1. FC Nürnberg
Bremer Frust im Frankenland
Nürnberg - Frank Baumann hatte sich sehr gefreut auf dieses Spiel, schließlich hatte er während seiner Karriere acht Jahre lang das Trikot des 1. FC Nürnberg getragen.
Eine schöne Rückkehr an die alte Wirkungsstätte sollte es für den 43-Jährigen werden - das wurde es aber ganz und gar nicht. Und so stand Werders Sportchef nach dem enttäuschenden 1:1 (0:0) beim bis dato Tabellenletzten mit finsterer Miene vor den Journalisten. „Die Enttäuschung ist groß, sowohl über das Ergebnis als auch über die Leistung“, sagte Baumann, „wir haben Zielstrebigkeit und Entschlossenheit vermissen lassen.“ Das konnte man getrost so stehen lassen.
Kontrastprogramm zu Frankfurt-Spiel
Eine Woche nach dem phasenweise begeisternden Auftritt gegen Frankfurt lieferte Werder in Nürnberg das komplette Kontrastprogramm, nämlich einen überraschend schwachen Auftritt ab, für den Abwehrchef Niklas Moisander hinterher sogar das Wort „peinlich“ fand. Die Bremer kamen im Max-Morlock-Stadion im ersten Durchgang überhaupt nicht ins Spiel, nennenswerte Torchancen gab es auf beiden Seiten nicht. „So schlecht wie vor der Pause habe ich uns noch nie spielen sehen“, sagte Davy Klaassen. Eine Erklärung dafür, warum das so war, hatte er kurz nach dem Schlusspfiff nicht.
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Trainer Florian Kohfeldt reagierte in der Pause, nahm die schwachen Flügelstürmer Milot Rashica und Martin Harnik raus (Kohfeldt: „Es hätte noch viele andere erwischen können“) und brachte in Josh Sargent und Johannes Eggestein zwei frische Kräfte. Viel besser wurde Werder dadurch nicht, aber trotzdem hatte Kohfeldt ein glückliches Händchen bewiesen, denn Joker Eggestein stach: Nach artistischer Vorlage von Ludwig Augustinsson erzielte er die Bremer Führung (64.). Wie schon im Hinspiel reichte Werder dieser knappe Vorsprung aber nicht, um am Ende als Sieger gegen den Club vom Platz zu gehen. „Nach dem 1:0 müssen wir das Spiel tot machen“, sagte Klaassen - und betonte: „Es darf dann nicht mehr ums Spielen und Kombinieren gehen, sondern nur noch ums Gewinnen!“
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Später Ausgleich „verdient“
Eine Chance, den knappen Vorsprung auszubauen, hatten die Bremer höchstens durch Kapitän Max Kruse, dessen abgerutschte Flanke zum Torschuss wurde und knapp über den Kasten flog (74.). Kurz zuvor hatte Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens eine große Gelegenheit zum Ausgleich liegen gelassen, als er einen von Werder-Keeper Jiri Pavlenka nach vorne abgewehrten Ball neben das Tor schoss (73.). „Sie hatten ihre Chancen“, räumte Kohfeldt ein, der das späte 1:1 der Hausherren auch deshalb als „verdient“ bezeichnete. Passiert war es so: Nach Zuspiel von Matheus Pereira brachte der eingewechselte Mikael Ishak den Ball im langen Eck unter - 1:1 (87.).
„Wir verlieren einen Ball und verteidigen dann nicht aufmerksam“, analysierte Kohfeldt, der trotz aller Enttäuschung über den Auftritt seiner Mannschaft weit davon entfernt war, die Spieler zu drastisch zu kritisieren. „Wir haben es heute als Gruppe nicht geschafft. Da beziehe ich mich mit ein“, sagte er. „Das ist aber kein Grund, jetzt alles in Frage zu stellen.“
Von Europa will kein Bremer mehr sprechen
Werder ist durch den Punktgewinn nun Tabellenzehnter, vier Zähler Rückstand sind es derzeit auf die internationalen Ränge. Vom Thema Europa wollte am frühen Samstagabend in Nürnberg aber kein Bremer mehr sprechen. „Bitte nicht jede Woche“, sagte Klaassen. Auch Baumann wich aus. „Es ist das Ziel, das wir vor der Saison ausgegeben haben, aber es bringt nichts, dass immer wieder zu betonen. Heute bewerten wir nur das Spiel.“
Die Bremer hatten damit direkt nach dem Abpfiff auch genug zu tun, denn bis zum Pokal-Achtelfinale in Dortmund (Dienstag, 20.45 Uhr) bleibt nicht viel Zeit. „Das ist schön für die Spieler. Dann müssen sie sich nicht so viele Szenen aus Nürnberg auf Video ansehen“, sagte Baumann und lächelte kurz. Viel Gelegenheit hatte er dazu während seiner Rückkehr nach Nürnberg zuvor nicht gehabt.
