Ducksch und Friedl werden deutlich
Transfers, Taktik, Wechsel: Uneinigkeit bei Werder Bremen trotz eines guten Spiels gegen den BVB
Nach dem Spiel gegen den BVB (0:0) herrscht bei Werder Bremen große Uneinigkeit. Es geht dabei vor allem um die Transfer-Phase sowie Wechsel und Taktik am Samstag.
Bremen – Als der Abpfiff ertönte, blieb es am Samstagnachmittag ungewohnt still im Weserstadion. Mit dem 0:0 zwischen dem SV Werder Bremen und Borussia Dortmund war keiner zufrieden – weder bei Grün-Weiß noch bei Schwarz-Gelb. Bei den Gastgebern herrschte sogar großer Frust, weil eine 20-minütige Überzahl nicht zum Sieg genutzt worden war. Marco Friedl und Co. kritisierten sich und das Verhalten ihres Trainers Ole Werner – und in Sachen Transferpolitik bekamen die sportlich Verantwortlichen um Sportchef Clemens Fritz ihr Fett weg. Es herrscht Uneinigkeit bei Werder, die aber auch demonstriert: Gerade die Spieler wollen mehr, als nur diese berühmten 40 Punkte für den sicheren Klassenerhalt zu erreichen, um dann weiterzuschauen, wie die offizielle Zielsetzung des Clubs lautet.
Werder Bremens Marco Friedl kritisch über die Transfer-Phase: „Hätte mir in der Breite etwas mehr gewünscht“
„Ich habe am Freitag schon gehofft, dass wir vielleicht noch ein bisschen was machen“, blickte Kapitän Marco Friedl nach dem BVB-Spiel noch einmal auf den Deadline Day, den letzten Tag der Transferperiode: „Ich bin nicht unzufrieden mit unserem Kader. Clemens hat Recht, dass wir keinen Stammspieler verloren haben, aber ich hätte mir in der Breite etwas mehr gewünscht. Letztes Jahr hat man gesehen, dass es eng wird, wenn zwei, drei, vier Spieler ausfallen. Vielleicht passiert nochmal was im Winter.“ Werder Bremen hatte im Transfer-Endspurt nur noch Derrick Köhn von Galatasaray Istanbul ausgeliehen und damit die Baustelle auf der Außenbahn geschlossen. Schon Monate zuvor waren die Stürmer Marco Grüll, Keke Topp und Keeper Markus Kolke verpflichtet worden. Erwähnenswert sind auch noch Torwart Mio Backhaus als Leih-Rückkehrer und der nun fest engagierte Skelly Alvero. Fritz und Co. hätten dem Kader – wie von Werner gewünscht – gerne noch mehr frischen Wind verpasst, doch dafür wären Abgänge nötig gewesen. Da geht Werder trotz der Investoren-Millionen kein finanzielles Risiko ein. Doch für die Wechselkandidaten Naby Keita, Oliver Burke, Milos Veljkovic und Leonardo Bittencourt wurden keine Lösungen gefunden – und für die Leistungsträger gab es keine passenden Angebote.
Werder Bremens Marvin Ducksch zwiegespalten wegen Transfer-Phase
„Der Kader ist auch dieses Mal nicht allzu groß. Wir wissen also wieder, dass wir jeden einzelnen Spieler in dieser Saison brauchen werden“, meinte Marvin Ducksch mit durchaus kritischem Unterton, betonte aber auch: „Ich traue den Jungs einiges zu. Was möglich ist, hat man heute gesehen.“ Ähnlich sah es auch Peter Niemeyer, der angesprochen auf Friedls Kritik meinte: „Wir haben einen hohen Konkurrenzkampf und sind nominell nicht überbesetzt, was uns auch stark macht. Wir müssen aus einer mannschaftlichen Geschlossenheit kommen – da hilft ein nicht zu großer Kader extrem. Von daher: Wir müssen ja nicht immer einer Meinung sein.“
Einigkeit herrschte immerhin bei der Bewertung der ersten 70 Minuten gegen den BVB: Werder Bremen hatte eine richtig gute Leistung gezeigt. Die Taktik, die Dortmunder schon im eigenen Strafraum zu attackieren, ging voll auf. Die Gäste kamen gehörig ins Schwimmen. Und bei der richtigen Einordnung dieses Auftritts hilft auch ein Blick auf die Marktwerte des Branchenportals transfermarkt.de. Die Bremer Startelf weist einen Marktwert von knapp 70 Millionen Euro auf – mit einem Romano Schmid (zehn Millionen Euro) an der Spitze. Beim BVB sind es dagegen etwas über 300 Millionen Euro, wobei allein Julian Brandt und Gregor Kobel jeweils 40 Millionen Euro wert sein sollen. Aber Geld allein schießt eben keine Tore.
Werder Bremen ärgert sich über Schlussphase: „Hatten die schlechtesten Minuten nach dem Platzverweis“
Werder Bremen profitierte am 2. Spieltag sicherlich auch von Abstimmungsproblemen der neu zusammengestellten BVB-Mannschaft sowie dem Fehlen von Top-Neuzugang Serhou Guirassy. Doch es passte bei Werder – wie schon in der Rückrunde – vieles gut zusammen. Allerdings reichte auch eine gravierende Änderung beim Gegner, um die Bremer Stärken schwinden zu lassen. Beim 2:2 in Augsburg war es eine taktische Umstellung des gegnerischen Trainers gewesen, gegen Dortmund ein Platzverweis. Nico Schlotterbeck hatte in der 73. Minute nach einem Foul an Justin Njinmah die Ampelkarte gesehen. „Wir hatten die schlechtesten Minuten nach dem Platzverweis“, monierte Friedl und hielt kritisch fest: „Wir hatten nicht viele Ideen und wussten auf dem Platz nicht so richtig, was wir jetzt machen müssen. Wir Spieler sind normalerweise in der Verantwortung, dass wir das selbst hinkriegen, aber auch von draußen müssen wir das mehr kommunizieren.“ So sah es auch Ducksch, der „Hilfestellungen“ vermisste und zudem seine eigene Auswechslung in der 90. Minute nicht verstehen konnte: „Ich muss ein bisschen aufpassen, was ich sage. Wenn du in Überzahl spielst und man merkt, dass eigentlich nur noch wir den Ball haben, hätte man vielleicht auch einen anderen Spieler auswechseln und alles noch ein Stück offensiver machen können.“ Werner entschied sich anders, brachte lediglich Stürmer für Stürmer – erst Keke Topp für Njinmah (82.), dann Marco Grüll für Ducksch (90.). Er konnte die Kritik nicht nachvollziehen und sah die Probleme in der Schlussphase ganz woanders: „Ich glaube schon, dass wir eingewirkt haben. Das Grundproblem war, dass wir mit den Innenverteidigern nicht wirklich mal die Räume angegangen sind, die sich nun geboten haben. Das haben wir schon besprochen, haben es aber leider nicht umgesetzt bekommen – warum auch immer.“
Da besteht – wie bei der Einordnung der Transferphase – also durchaus Redebedarf. Zeit dafür ist genug, denn wegen der Länderspielpause geht es erst am 15. September mit dem Gastspiel in Mainz weiter. Die Marschroute für diese Partie und die hohe Erwartungshaltung der Mannschaft an die Saison gab dann Friedl schon mal preis: „Wir brauchen jetzt einen Sieg, dann ist es ein guter Start. Wenn wir so spielen wie heute, dann ist in der Saison einiges möglich – auch wenn es weit in die Zukunft gedacht ist.“ (kni)