Oldie hat Rolle als Mentor
Pizarro macht es wie einst Julio Cesar
Bremen - Man muss sich das mal vorstellen: Der Mann wird Anfang Oktober 40 Jahre alt, und steht dann immer noch bei einem Fußball-Bundesligisten unter Vertrag.
Die lange, lange Karriere von Claudio Pizarro will einfach kein Ende nehmen. Zum insgesamt fünften Mal wechselt der Stürmer nun zu Werder Bremen. Was genau vom ihm sportlich noch zu erwarten ist, hat Sportchef Frank Baumann im Gespräch mit der DeichStube erklärt.
Der Manager weiß, dass Pizarros abermalige Werder-Rückkehr eine mehr als kuriose Geschichte ist. „Die dritte Rückkehr dürfte schon ein Rekord gewesen sein“, schmunzelt Baumann. „Es ist eine tolle Sache für uns und unsere Fans, aber nur deswegen haben wir es nicht gemacht. Der sportliche Aspekt stand im Vordergrund.“
Es dürfte klar sein, dass der knapp 40-jährige Profi kein Startelf-Kandidat mehr ist, aber das soll Pizarro bei Werder auch gar nicht sein. Ähnlich wie Back-up-Torhüter Jaroslav Drobny (38) soll er seinen Teamkollegen vor allem abseits des Platzes helfen. „Man kann ihre Rollen gut miteinander vergleichen“, sagt Baumann. „Wir können Jaro jederzeit ins Tor und Claudio jederzeit in den Sturm stellen, aber genauso wichtig ist, dass sie ihre Erfahrung weitergeben.“
Julio Cesar half einst Pizarro, Baumann und Co.
Baumann weiß, wovon er spricht, schließlich hat er selbst schon einmal davon profitiert. 1999 war es, da holte Werder den 36-jährigen Innenverteidiger Julio Cesar, der damals - wie Pizarro jetzt - ebenfalls einen stark leistungsbezogenen Vertrag erhielt. Cesar hatte zwei Jahre zuvor mit Borussia Dortmund die Champions League gewonnen und befand sich im Spätherbst seiner Karriere. In Bremen kassierte der Brasilianer damals kein Grundgehalt, sondern nur Prämien für Einsätze und Siege. Es war ein Modell, das funktionierte. Cesar entwickelte sich schnell zum Stabilisator der Bremer Viererkette - und half dabei auch seinem damals noch unerfahrenen, 23-jährigen Nebenmann: Frank Baumann.
„Von solchen Spielern kann man sich viele Dinge abschauen. Fußballerisch, aber auch neben dem Platz, was Einstellung und Ausstrahlung betrifft“, erklärt der Manager. Cesar half damals übrigens auch dabei mit, dass sich zwei andere junge Profis aus dem Ausland bei Werder gut zurechtfanden: Claudio Pizarro und Ailton.
Pizarro wollte Karriere nicht mit einem Abstieg beenden
Nun nimmt Pizarro bei Werder selbst die Rolle des Mentors ein. Neben einem vergleichsweise sehr niedrigen Grundgehalt kassiert er Prämien für Leistungen. „Claudio ging es bei der Sache nicht ums Geld. Er will einfach weiter spielen und möchte seine Karriere nicht mit einem Abstieg beenden“, sagte Baumann über den Angreifer, der die Vorsaison mit dem 1. FC Köln auf Platz 18 abgeschlossen hatte.
Nach seinem allerletzten Jahr bei Werder soll im Sommer 2019 für Pizarro endgültig Schluss sein. Es wird ein großes Abschiedsspiel geben, es werden viele Tränen fließen - den Verein verlassen wird der Rekordtorjäger aber auch dann nicht zwangsläufig. Werder möchte Pizarro weiter als Stürmertrainer behalten, die Ikone langfristig in den Trainerstab einbauen. Gedanken darüber, wie eine weitere Zusammenarbeit aussehen könnte, „haben wir schon einmal ausgetauscht“, berichtete Baumann. Aktuell sei es aber nur um Pizarros letztes Jahr als Profi gegangen. Und das ist ja auch erstmal gut so.
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