Leiter Profifußball doppelt gefordert

Clemens Fritz im Fokus: Es geht um die Zukunft von Werder und um seine eigene

Stammgast beim Training des SV Werder Bremen: Clemens Fritz schaut fast täglich bei den Profis zu.
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Stammgast beim Training des SV Werder Bremen: Clemens Fritz schaut fast täglich bei den Profis zu.

Clemens Fritz steht bei Werder Bremen aktuell doppelt im Fokus - weil er ein möglicher Nachfolger von Sportchef Frank Baumann ist und weil er eine spezielle Transferphase meistern muss.

Bremen – Wie bei fast jedem Training des SV Werder Bremen steht Clemens Fritz am Spielfeldrand, sein Blick wandert hin und her – mal schaut er den Profis zu, dann blickt er auf sein Smartphone, telefoniert auch mal kurz und spricht wenig später mit Frank Baumann. Der Noch-Geschäftsführer Sport ist dazugekommen. Fritz gilt als Favorit auf dessen Nachfolge. Doch noch ist alles offen. In den Medien wird über andere Namen spekuliert. Und der Aufsichtsrat intensiviert gerade sein Auswahlverfahren, bereitet Gespräche mit anderen Kandidaten vor – und wird dabei auch einen Blick auf Fritz werfen. Der Leiter Profifußball muss nämlich eine ganz spezielle Transferperiode meistern und den Kader durch das Angebot für Rafael Borré möglicherweise mehr umbauen als geplant. Und das mitten im Kampf um den Klassenerhalt. Fritz steht mehr denn je im Fokus.

Der 43-Jährige demonstriert dabei nach außen vor allem eines: Gelassenheit. „Es ist ein offener Prozess, den ich auch sehr begrüße. Ich hatte die Möglichkeit, mich zu präsentieren, aber wir sind ganz klar so verblieben, dass wir das intern belassen und keine Inhalte nach außen geben“, betont Clemens Fritz. Sein Auftritt vor dem Kontrollgremium Ende November hat zumindest nicht dafür gesorgt, dass die Suche nach einem Nachfolger für den im Sommer ausscheidenden Sportchef Frank Baumann aus Begeisterung vorzeitig abgebrochen wurde. Das war auch nicht erwartet worden. Der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen wollte ein Auswahlverfahren, um „die bestmögliche Lösung“ zu finden, wie es Hubertus Hess-Grunewald als Werder-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender betont hat. Er selbst ist allerdings ein wenig abgetaucht und nicht persönlich zu sprechen.

Sportchef-Suche bei Werder Bremen: Clemens Fritz lassen Spekulationen um andere Kandidaten angeblich kalt

Namen würde Hess-Grunewald wahrscheinlich ohnehin nicht kommentieren. Davon kursieren in den Medien inzwischen einige. Die Ex-Bremer Simon Rolfes (Bayer Leverkusen) und Markus Krösche (Eintracht Frankfurt) sind allerdings bei Werder Bremen kein Thema mehr, weil sie nicht zu haben sind. Auch der von der „Bild“ ins Spiel gebrachte Oliver Ruhnert soll nicht zum engen Kandidatenkreis gehören. Das gilt wohl auch für Carsten Wehlmann, der gerade bei Darmstadt 98 gekündigt hat. Andreas Schicker (Sturm Graz) und Christoph Spycher (Young Boys Bern) werden da schon bessere Chancen eingeräumt – genauso wie auch Alain Sutter, von dem sich der FC St. Gallen am Mittwoch völlig überraschend getrennt hat.

Clemens Fritz lassen diese Spekulationen angeblich kalt. „Das ist völlig okay und macht gar nichts mit mir. Mir ist wichtig, wie die Kommunikation mit dem Aufsichtsrat und mir verläuft“, sagt der Ex-Profi und betont: „Es geht vorrangig um den SV Werder Bremen und nicht um mich oder um einzelne Personen. Es muss die bestmögliche Entscheidung für den Verein getroffen werden. Dass da dann auch andere Namen auftauchen, ist völlig normal. Ich bewege mich ja auch schon ein paar Tage in dieser Branche und weiß ganz gut, damit umzugehen.“ Fritz konzentriert sich lieber auf seine aktuelle Aufgabe und merkt dazu an: „Das Entscheidende ist, dass wir als Mannschaft gut ins neue Jahr starten, eine gute Rückrunde spielen und den Klassenerhalt erreichen. Alles andere kommt danach.“

Noch ist Frank Baumann der Boss bei Werder Bremen, aber Clemens Fritz‘ rückt diese Transferphase noch stärker in den Fokus

Weit davor gilt es allerdings, die Hausaufgaben auf dem Transfermarkt zu erledigen. Werder Bremen möchte wegen des längerfristigen Ausfalls von Amos Pieper (Knöchelbruch) einen Innenverteidiger verpflichten. Auch ein Mittelfeldspieler steht nach Informationen der DeichStube auf der Wunschliste. Gerne hätte Werder diese beiden Baustellen schon vor dem Trainingsstart ins neue Jahr geschlossen, aber da ist wie schon so oft in der Vergangenheit Geduld gefragt. Fritz verweist darauf, dass Wechsel im Winter schwieriger sind. Clubs würden sich nicht so gerne von Spielern trennen. Werder selbst ist da ein gutes Beispiel: Nicolai Rapp und Rafael Borré werden von anderen Vereinen heftig umworben. Zweitligist Karlsruher SC will Rapp verpflichten, der brasilianische Erstligist SC Internacional Porto Alegre ist sich mit Borré sogar schon einig. Werder will die Spieler nur ziehen lassen, wenn es dafür ordentlich in der eigenen Kasse klingelt und Ersatz parat steht.

Da rückt Clemens Fritz in den Fokus. Bei Werder Bremen entscheidet so etwas natürlich niemand alleine und noch ist Frank Baumann in diesem Bereich auch der Boss. Allerdings dürfte nun das Wort von Fritz noch mehr Gewicht haben als vorher, schließlich könnte er bald der ganz starke Mann bei Werder sein. Es wäre sicherlich nicht von Nachteil, wenn der Ehrenspielführer in den nächsten Wochen gute Lösungen präsentieren könnte. Vor Ende der Transferperiode am 1. Februar ist jedenfalls keine Entscheidung des Aufsichtsrats zu erwarten. Dann folgt die große 125-Jahr-Feier des Vereins, so dass wohl frühestens Ende Februar Klarheit herrschen dürfte. Bis dahin wird Clemens Fritz weiter fast täglich am Trainingsplatz stehen und seinen Job machen. (kni/mwi)

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