Werder-Sportchef räumt Fehler ein

„Es macht was mit mir“: Werders Fußball-Chef Clemens Fritz über Kritik an seiner Person und Fehler beim Transfer von Victor Boniface

Clemens Fritz, Sportchef des SV Werder Bremen, spricht über die anhaltende Kritik an seiner Person - und räumt nicht nur beim Transfer von Victor Boniface Fehler ein!

Nach zwei Jahren, in denen der SV Werder Bremen vorsichtig ans europäische Geschäft angeklopft hat, geht es in dieser Saison einzig und allein noch um den Klassenerhalt. Sechs Spieltage vor Schluss ist eine Rettung aus eigener Kraft weiterhin möglich, aber keineswegs selbstverständlich. Hinter dem Verein liegen turbulente Monate, im Fan-Lager richtet sich der Groll immer wieder vor allem gegen Clemens Fritz, Werders Geschäftsführer Fußball. Im Interview mit der „FAZ“ hat der 45-Jährige nun nicht nur Fehler beim Transfer von Stürmer Victor Boniface eingeräumt, sondern auch über die anhaltende Kritik an seiner Person gesprochen.

Clemens Fritz, Sportchef des SV Werder Bremen, spricht über die anhaltende Kritik an seiner Person - und räumt nicht nur beim Transfer von Victor Boniface Fehler ein!

Clemens Fritz: „Werder Bremen ist nicht irgendein Verein für mich; ich habe eine enge emotionale Bindung“

„Es macht was mit mir. Ich bin im 20. Jahr bei Werder. Werder ist nicht irgendein Verein für mich; ich habe eine enge emotionale Bindung“, sagte Clemens Fritz. „Auf der Sachebene ist alles an Kritik okay. Doch sollte es niemals persönlich werden. Vor allem das Verstecken hinter Pseudonymen im Internet stört mich.“ Der öffentliche Unmut hatte auch an Dynamik dazugewonnen, als das Leihspieler-Versäumnis beim SV Werder Bremen publik geworden war. Zur Erinnerung: Fritz übernahm öffentlich die Verantwortung dafür, dass innerhalb des Clubs nicht bekannt war, dass im Winter laut Statuten doch weitere Spieler geliehen werden konnten. „Es gab ein internes Missverständnis. Dann war das Thema in der Welt, und wir haben Fehler in der Kommunikation nach außen gemacht“, blickte der Ex-Profi auf die Versäumnisse zurück. „Es lief sportlich nicht bei uns; auch deswegen wurde das Thema groß und größer. Wäre uns im Winter dadurch etwas weggebrochen an Möglichkeiten auf dem Transfermarkt, weil wir auf dem falschen Pfad unterwegs waren, hätte ich die harte Kritik eingesteckt. Das war aber nicht der Fall. Wir konnten agieren und reagieren. Nur hat das niemand mehr hören wollen.“

Werder Bremens Clemens Fritz: „Wir mussten den Kader verjüngen, um Werte zu schaffen“

Die Personalpolitik des SV Werder Bremen sorgt insgesamt für stetigen Gesprächsstoff, die Entscheidungen des vergangenen Sommers werden regelmäßig diskutiert – jüngst auch öffentlich von Profi Mitchell Weiser. „Wir hatten eine stabile Mannschaft, die sehr von ihren Abläufen gelebt hat. Es war aber auch eine alte Mannschaft. Wir mussten also den Kader verjüngen, um Werte zu schaffen“, erklärte Clemens Fritz rückblickend. „Ich habe vorausgesagt, dass es holprig werden kann. Ich habe gesagt: Wenn wir Werte schaffen und als 14. einlaufen, dann haben wir Entwicklungsschritte gemacht, und alles ist okay. Wir haben Spieler vorausschauend entwickelt. Patrice Covic, Wesley Adeh, Salim Musah, Karim Coulibaly, Mick Schmetgens: Sie könnten fast alle noch in der U19 spielen, haben aber bei den Profis debütiert. Coulibaly hat sich sogar festgespielt. Wir haben also Werte geschaffen. Und wir sind 14. in der Tabelle.“

Bleibt noch die Personalie Victor Boniface, wegen der sich die Gemüter erhitzen. Sportliche Impulse gab es kaum, zudem musste der Stürmer am Knie operiert werden. Inzwischen ist der Nigerianer zwar zurück in Bremen, doch die ganzheitliche körperliche Verfassung erfüllt wie schon während der Hinrunde nicht die eigentlichen Erwartungen. Noch immer rätseln viele Fans des SV Werder Bremen, warum der Verein dennoch im Sommer ein Leihgeschäft mit Bayer 04 Leverkusen vereinbarte. „Victor würde keine 34 Spiele machen, das war uns klar. Deswegen war unser Gedanke: Wenn wir Keke Topp entwickeln, aber in Victor die Qualität haben, dass wir die Spielzeit teilen können – dann kann das klappen. Aus heutiger Sicht war das eine Fehleinschätzung“, räumte Clemens Fritz jetzt ein. (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/nordphoto/Tauchnitz

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