Fritz beerbt Baumann als Sportchef

Von Werder befördert: Fritz startet mit Europa-Botschaft

Clemens Fritz möchte, dass der Blick bei Werder Bremen künftig nach oben Richtung Europa geht.
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Clemens Fritz möchte, dass der Blick bei Werder Bremen künftig nach oben Richtung Europa geht.

Clemens Fritz wird ab Sommer 2024 der neue Sportchef des SV Werder Bremen. Der 43-Jährige hat am Donnerstag erstmals nach seiner Ernennung gemeinsam mit Aufsichtsratschef Hubertus Hess-Grunewald über die Ziele, den Entscheidungsprozess sowie seinen Nachfolger gesprochen.

Bremen – Bei der ersten Frage zu seiner Vision blieb Clemens Fritz noch ein bisschen vage, doch dann präsentierte der künftige Geschäftsführer Fußball des SV Werder Bremen eine klare und mutige Zielsetzung: „Wir wollen perspektivisch wieder eine Rolle spielen im Windschatten der internationalen Plätze. Sportlicher Erfolg wäre für mich, mal wieder in Europa vertreten zu sein, daran lasse ich mich gerne messen. Aber wir werden auch keine wilden Sachen machen.“ Ab dem 1. Juli ist der 43-Jährige offiziell Nachfolger von Frank Baumann (48), der sich nach acht Jahren freiwillig aus diesem Amt zurückziehen wird.

Das gab Werder Bremen am Donnerstagmittag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt, nachdem die Entscheidung des Aufsichtsrats am Abend zuvor für Clemens Fritz via „Bild“ durchgesickert war. So ist nach Informationen der DeichStube der Vertrag mit dem neuen Geschäftsführer noch gar nicht bis ins letzte Detail ausgehandelt. Geklärt werden muss auch die Frage, wer künftig die Aufgaben von Fritz als Leiter Profifußball übernimmt. Dafür soll sich der gebürtige Erfurter dem Vernehmen nach mit einigen Ex-Profis beschäftigen. Öffentlich wollte er sich noch nicht in die Karten schauen lassen: „Ich habe meine Gedanken im Kopf, möchte mich da aber auch erst mit meinen künftigen Geschäftsführer-Kollegen abstimmen.“

Werder Bremen entscheidet sich für Clemens Fritz als Nachfolger von Frank Baumann: „Das war kein Scheinprozess“

Die kennt Clemens Fritz freilich bestens. Als Ex-Spieler, Ehrenspielführer, Trainee und nun leitender Angestellter ist er länger im Club als alle anderen in dem Führungsgremium – seit 2006 schon. Sukzessive wurde Fritz in den letzten Jahren als Kandidat für den Posten des Geschäftsführers bei Werder Bremen aufgebaut. Und so stand er im November nach Baumanns Ankündigung vom Rückzug auch gleich in der Pole Position. „Wir hatten den Vorteil, dass wir Clemens schon sehr lange kennen und schätzen“, berichtete Hubertus Hess-Grunewald als Aufsichtsratsvorsitzender. Fritz habe dem Kontrollgremium seine Arbeit und seine Ideen ausführlich präsentiert. „Clemens war die Benchmark – und wir sind in den Markt gegangen, um zu gucken, ob wir jemanden finden, der besser ist“, so Hess-Grunewald.

Geholfen hat dabei die Agentur „High Performance Sports Institute“ des ehemaligen Hockey-Bundestrainers und Ex-Sportdirektors des Hamburger SV Bernhard Peters. Fünf Kandidaten standen dann auf einer Shortlist, sie wurden genau unter die Lupe genommen und zu Gesprächen eingeladen. In dieser Woche waren nach Informationen der DeichStube neben Clemens Fritz nur noch drei Bewerber im Rennen – darunter auch Andreas Schicker von Sturm Graz. Am Mittwochabend tagte dann der Aufsichtsrat, der nach dem Einstieg des regionalen Investors von sieben auf neun Personen angewachsen ist. Nach mehrstündiger Diskussion fiel die Wahl auf Fritz – einstimmig, wie Hess-Grunewald betonte. „Wir haben eine große Überzeugung in Clemens – in seine Person, in seine Handlungsfähigkeit und seine Strategie.“ Den Vorwurf gerade in den Sozialen Medien, Fritz habe schon von Anfang an als neuer Geschäftsführer festgestanden, wies der Aufsichtsratsvorsitzende vehement zurück: „Das war kein Scheinprozess!“ Ansonsten hätte sich Werder Bremen viel Geld und Zeit sparen können.

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Werder Bremens Clemens Fritz: „Ich werde keinen fundamentalen Umbau einleiten“

Allerdings soll sich am Ende auch die etwas vorsichtigere Fraktion in der Werder-Welt durchgesetzt haben. Der Club hat sich gerade erst stabilisiert – sportlich wie wirtschaftlich. Das ist auch ein Verdienst von Baumann und damit auch von Clemens Fritz. Diesen Weg nun durch einen neuen Geschäftsführer möglicherweise zu verlassen, weil der natürlich eigene Akzente setzen möchte, erschien vielen als zu riskant. Auch die beiden Vertreter des neuen strategischen Partners, die dem Kontrollgremium angehören, sollen da eher für das Bekannte als das Unbekannte eingetreten sein, um den Club bei allem Wunsch nach Erneuerung und Modernisierung mit Veränderungen nicht zu überfordern.

„Ich werde keinen fundamentalen Umbau einleiten, sonst hätte ich in den letzten Jahren etwas falsch gemacht“, sagte Clemens Fritz ganz passend dazu. Er möchte nicht als ein Baumann 2.0 wirken, „sondern als Clemens Fritz wahrgenommen werden“. Aber der 43-Jährige weiß natürlich, dass nun noch mehr auf ihn geschaut wird. „Für mich war dieser Auswahlprozess ganz wichtig“, sagte Fritz: „Ich wollte nicht, dass rüberkommt, dass die einfachste Lösung gefunden wurde.“ Die Kritik an seiner Person ist ihm nicht verborgen geblieben, immer mal wieder wird seine Kompetenz in Frage gestellt. „In der heutigen Zeit ist es doch völlig normal, dass du es nicht allen recht machen kannst und nicht jeder Fan von dir ist“, sagte Fritz und setzte sein typisches Lächeln auf: „Ich habe sicherlich den kleinen Vorteil, dass ich das ein Stück weit gewohnt bin. Als Spieler mochte mich auch nicht jeder. Das ist völlig okay und beschäftigt mich nicht. Mir ist nur wichtig: Ich will meinem Anspruch und dem von Werder Bremen und den Fans gerecht werden. Dafür werde ich alles tun, damit wir alle gemeinsam eine tolle Zukunft vor uns haben!“ (kni)

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