Angespannte Lage in der Krise

Geburtstag ohne Partystimmung: Das sagt Fritz zu Werder Bremens Trainersuche und den ausgebliebenen Transfers

Fehlender Trainer, fehlende Transfers: Sportchef Clemens Fritz spricht über die Suche nach einem neuen Coach bei Werder Bremen und die am Deadline Day ausgebliebenen Neuzugänge.

Es ist ungemütlich am Osterdeich. Das liegt zwar auch, aber keineswegs allein an den eisigen Temperaturen, die rund ums Weserstadion zittern lassen. Vornehmlich ist dafür der SV Werder Bremen verantwortlich. Sportlich stürzte der Bundesligist zuletzt in die Niederungen der Tabelle ab, auf dem Transfermarkt blieb der Verein im Endspurt untätig. Und dann ist da natürlich der vakante Trainerposten, der dringend nachbesetzt werden muss. Doch das ist schwieriger als gedacht. Am Dienstag stellte sich heraus, dass Wunschkandidat Bo Svensson keine Lust auf ein Engagement bei den Hanseaten hat und nach DeichStube-Informationen lieber auf sportlich attraktivere Offerten wartet. Dabei ist der 46-Jährige nun schon seit mehr als einem Jahr ohne Job – auch das sagt viel über die Anziehungskraft des SVW im Februar 2026 aus. Am Mittwoch hat der Verein mal wieder Geburtstag, 127 Jahre wird er alt. Doch in Feierstimmung dürften nur die Wenigsten sein.

Der Deadline Day, der ohne Transfer-Neuzugänge endete, dazu die Trainersuche: Werder-Bremen-Sportchef Clemens Fritz hat viel zu tun.

Werder Bremen sucht weiter neuen Trainer: Stehen Raphael Duarte und Christian Groß in Freiburg an der Seitenlinie?

Als die Profis am Dienstagnachmittag zu ihrer ersten Trainingseinheit der Woche antraten, war alles wie immer in der jüngeren Vergangenheit. Also fast. Horst Steffen war zwar nicht mehr da, doch auch während der Amtszeit seines bisherigen Chefs hatte Assistent Raphael Duarte stets den Großteil der Übungen auf dem Platz angeleitet. Auch jetzt gab der 29-Jährige lautstark die Kommandos und somit vor, wie sich die Profis über das winterliche Grün zu bewegen hatten. Christian Groß zeigte sich nicht minder engagiert, auch er schaltete sich immer wieder ein. Unrealistisch ist es aktuell nicht, dass dieses Gespann tatsächlich auch am Wochenende im Breisgau das Sagen hat, denn Werder Bremen rennt mit Blick auf die nächste Pflichtspiel-Herausforderungen die Zeit davon. Es ehrt die Bosse, dass sie nicht schon hinter dem Rücken von Horst Steffen Nägel mit Köpfen gemacht und einen Ersatz unterschriftsreif nach Bremen gelotst haben – doch trotz eines ersten Abklopfens im Vorfeld der späteren Entlassung lassen sich dann eben auch Rückschläge wie im Fall Svensson nicht komplett vermeiden.

Martin Demichelis und Stefan Ruthenbeck als Kandidaten: Werder Bremen-Sportchef Clemens Fritz gibt keine Trainer-Garantien ab

Clemens Fritz lässt sich aber nicht treiben. „Ich werde weiterhin keine Namen oder Wasserstände kommentieren, aber es gab keinen Rückschlag bei der Trainersuche“, betont der Geschäftsführer Fußball des SV Werder Bremen auf Nachfrage der DeichStube. „Wir haben unseren Kandidatenkreis und führen weiter gute Gespräche.“ Ein Bo – also weder Svensson noch der ebenfalls gehandelte Henriksen – wird es also nicht, was wiederum die spannende Frage aufwirft, wer sonst in Frage kommen könnte und zum erlauchten Bremer Zirkel gehört. Nach Informationen der DeichStube gab es zumindest Überlegungen bezüglich der Personalie Martin Demichelis. Der Ex-Profi des FC Bayern München ist aktuell ohne Job, arbeitete unter anderem beim Nachwuchs des Rekordmeisters als Coach und wurde vor knapp drei Jahren Meister in Südamerika mit River Plate. Der Bezahlsender Sky wiederum bringt Stefan Ruthenbeck ins Spiel, der 2017/18 mit überschaubarem Erfolg den 1. FC Köln coachte, zuletzt in der Domstadt jedoch die U19 des „Effzeh“ zum deutschen Meistertitel führte. Wer auch immer es letztlich wird - ob schon im Vorfeld des kommenden Liga-Auftritts Vollzug beim SVW gemeldet werden kann? „Es gibt keine Garantie, aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass beim Freiburg-Spiel ein neuer Trainer auf der Bank sitzt“, sagt Fritz nur.

Clemens Fritz über fehlende Neuzugänge bei Werder Bremen: „Waren handlungsfähig, aber haben genug Vertrauen in den Kader“

Der 45-Jährige steht in diesen Tagen ganz besonders im Fokus des Interesses. Es wird ganz genau hingeschaut, was an der Franz-Böhmert-Straße passiert. Die Stimmung im Fanlager in dieser Gemengelager als angespannt zu bezeichnen, wäre untertrieben. Auch medial wird der Ton rauer. Inzwischen bundesweit. Nicht überall existiert Verständnis dafür, dass Horst Steffen als Trainer gehen musste. Auch die Transfer-Aktivitäten – nicht nur aus diesem Winter – sorgen für reichlich Gegenwind. Für das just geschlossene Wechselfenster hält Clemens Fritz fest: „Wir haben mögliche Neuzugänge geprüft, einige Gespräche geführt. Bei unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten war aber nicht das Passende dabei.“ Schon in den Wochen zuvor hatte Werder Bremens Ehrenspielführer beinahe gebetsmühlenartig betont, dass es keinen Zuwachs in der Breite benötige, sondern in der Spitze. Aber Qualität habe eben ihren Preis. Das fehlende Geld sei aber kein grundsätzliches Problem gewesen, unterstrich Fritz: „Wir waren handlungsfähig, haben aber genug Vertrauen in unseren Kader.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia (Archiv)

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