Werder-Sportchef zieht Bilanz
Mut ja – aber mit Fallschirm: Clemens Fritz über Werders Transfer-Sommer, den Ducksch-Verkauf und sein Saisonziel
Clemens Fritz, Sportchef des SV Werder Bremen, zieht eine Bilanz des Transfer-Sommers, ordnet die Transfers von Marvin Ducksch und Victor Boniface ein und spricht über das Saisonziel.
Bremen – Wenn in den vergangenen Monaten ein Wort beim SV Werder Bremen exorbitant häufig zu hören war, dann war es dieses: Geduld. Und diese wurde aus Sicht vieler Fans des Clubs bis zum Überborden strapaziert, ehe endgültig feststand, wie der Bundesliga-Kader für die laufende Saison aussehen sollte. Seit drei Wochen herrscht nun Klarheit über das Personal, mit späten Leihtransfers haben die Verantwortlichen personell noch einmal ordentlich nachgebessert. In einem dreiteiligen Interview mit dem Portal „transfermarkt.de“ hat Werders Fußball-Chef Clemens Fritz nun eine große Bilanz des Sommers gezogen.
Werder Bremen-Sportchef Clemens Fritz ordnet Transfers von Marvin Ducksch und Victor Boniface ein
Da ist zum Beispiel der Abgang von Marvin Ducksch. Der Angreifer hatte in den vergangenen Jahren einen enormen Anteil am Aufschwung der Norddeutschen, wurde nun aber für eine Ablösesumme von zwei Millionen Euro von Werder Bremen zum englischen Zweitligisten Birmingham City verkauft. Ein Betrag, der bei vielen Beobachtern als zu gering eingestuft wurde. „Wir sprechen über einen Stürmer, der hier in den letzten vier Jahren einen sehr guten Job gemacht hat. Irgendwann bist du an dem Punkt angelangt, an dem du dich fragst, ob du noch einmal verlängerst oder für andere Spieler Raum schaffst. Und es ist sicher keine Selbstverständlichkeit, noch zwei Millionen für einen 31-Jährigen zu bekommen“, betont Fritz. „Auf der anderen Seite regeln Angebot und Nachfrage den Preis, und es war auch Marvins Wunsch, zu wechseln. Ich glaube, in Summe haben wir für alle Beteiligten ein gutes Konstrukt gefunden.“
Davon ist er im Gegenzug auch bei Victor Boniface überzeugt. Der Torjäger wurde auf den allerletzten Drücker von Liga-Konkurrent Bayer 04 Leverkusen ausgeliehen – auch dank der guten Kontakte zum dortigen Geschäftsführer Sport Simon Rolfes. Allerdings kam Werder nur zum Zuge, weil der nigerianische Nationalstürmer zuvor beim italienischen Topverein AC Mailand durch den Medizincheck gefallen war und ein geplanter Transfer platzte. „Es ist kein Geheimnis, dass Victor auch bei einem anderen Verein im Gespräch war, wo wir vielleicht von einer anderen Kategorie sprechen. Als Werder Bremen möchtest du natürlich von ihm wissen: Kannst du dir das gut vorstellen, hier bei uns im Weserstadion zu spielen? Kannst du dich mit unserem Verein, unserem Weg und unseren Zielen identifizieren?“, schildert Fritz die Anbahnung der Verpflichtung. „Und so entstand ein beidseitiges Gefühl. Wir waren schnell auf einem Nenner.“
Werder Bremen-Sportchef Clemens Fritz spricht über Probleme des Transfer-Sommers und das Saisonziel
Kurz darauf wurde die Unterschrift gesetzt, Werder Bremen hatte seinen dringend benötigten weiteren Offensivakteur gefunden. Es war das versöhnliche Ende einer Transferphase, die aus Sicht des Ex-Profis aber auch Nackenschläge parat hielt. „Mitchell Weiser riss sich das Kreuzband und am gleichen Tag hat sich auch Isaac Schmidt, den wir dazuholen wollten, verletzt. Ich dachte mir: Das kann doch nicht sein?!“, sagt Clemens Fritz. „In dem Moment wusste ich noch nicht, ob das eine längerfristige Geschichte ist und dass sich der Transfer noch ein wenig länger hinziehen würde. Das sind Tage, an denen du dich mal ganz kurz schütteln und durchatmen musst.“
Und das taten die Verantwortlichen, schoben die anfängliche Frustration zur Seite und blickten wieder optimistisch nach vorne - immer unter der Prämisse, kein zu hohes Risiko einzugehen. „Ich neige schon zum Mut. Trotzdem bin ich nicht der Typ, der alles auf eine Karte setzt“, meint der frühere Nationalspieler. „Ich versuche immer, einen Fallschirm zu tragen, um eine gute Landung hinzubekommen.“ Und dieses Sicherheitsdenken verfolgt der 44-Jährige auch im jetzigen Ligabetrieb, wenn es mit Werder Bremen um das oberste Saisonziel geht: „Unterm Strich sollen so schnell wie möglich 40 Punkte stehen. Wir wollen Erstliga-Fußball spielen, ganz klar – und dann einfach gucken, wohin wir uns entwickeln können.“ (mbü)
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