„Das ,SV‘ in SV Werder steht auch für ‚soziale Verantwortung‘“

Spielraum, Common Goal und Co.: Warum Werder sich sozial engagiert und welche Chancen das auch nach 125 Jahren noch mit sich bringt

Werder Bremens Ex-Aufsichtsratschef Marco Bode hebt im Rahmen der Veranstaltung „Unser Common Goal: Gemeinsam Spielräume gestalten“ die Wichtigkeit von sozialem Engagement hervor.
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Werder Bremens Ex-Aufsichtsratschef Marco Bode hebt im Rahmen der Veranstaltung „Unser Common Goal: Gemeinsam Spielräume gestalten“ die Wichtigkeit von sozialem Engagement hervor.

Für den SV Werder Bremen ist soziales Engagement auch nach 125 Jahren noch immens wichtig. Ex-Aufsichtsratschef Marco Bode und Co. erklärt, warum und welche Chancen sich daraus ergeben.

Bremen - „Das ,SV‘ in SV Werder steht auch für ‚soziale Verantwortung‘“, zitiert Marco Bode den ehemaligen Vereinspräsidenten Klaus-Dieter Fischer. Und es ist bei weitem nicht das einzige Bekenntnis, das der Ex-Profi als ehemaliger Aufsichtsratschef gemeinsam mit früheren Werder-Kollegen sowie aktuellen Akteuren der Männer- und Frauen-Mannschaft Ende Januar in der „Grünen Bude“ an der Weser äußert. Dort hatte Werder Bremen zur Veranstaltung „Unser Common Goal: Gemeinsam Spielräume gestalten“ geladen. Das Ziel: Anregungen geben, um Kindern und Jugendlichen das Fußballspielen näherzubringen und so dafür zu sorgen, dass soziales Engagement und Profifußball zusammenspielen und direkt voneinander profitieren. Wie soll das gehen?

Beispielhaft zeigt das kurioserweise der Basketball-Bundesligist Alba Berlin. Igor Ryabinin, Leiter Nachhaltigkeit und Soziales bei den Berlinern, erklärt dazu auf Einladung die Ursprünge des mittlerweile deutschlandweiten Projekts „Sport vernetzt“, dem sich der SV Werder Bremen 2021 angeschlossen hatte: „Die Idee war, für den Leistungssport Basketball früh an Kitas und Schulen zu gehen, um Menschen aus der eigenen Stadt zum Club zu bringen.“ Schließlich sind Vereinswechsel im Basketball noch häufiger als im Fußball, eine Identifikation zwischen dem Spieler auf der einen und der Stadt, dem Club sowie seinen Fans auf der anderen Seite sei da schwierig, so Ryabinin. Die ursprüngliche Leistungssportidee hinter „Sport vernetzt“ sei zwar immer noch da, „aber man macht viel mehr: Man fixt Kinder für Ballsportarten an“, erklärt der Berliner und führt aus: „Besonders Sinn macht es, wenn man in sozial herausfordernde Räume geht, wo Kinder nicht von ihren Eltern in den Sportverein geführt werden. Da muss der Sportverein erstmal den Schritt in Richtung der Kinder machen.“

Werder Bremen ist als bisher einziger Bundesliga-Verein Verein bei Common Goal dabei

Genau das macht der SV Werder Bremen mit seinem „Spielraum“-Programm an mehreren Standorten in Bremen und Niedersachsen, wobei auch die Profis eingebunden werden. So waren auch Werder-Kapitän Marco Friedl, Amos Pieper, Kapitänin Lina Hausicke, Reena Wichmann und Saskia Matheis sowie die „Spielraum“-Botschafter Nick Woltemade, Michael Zetterer, Ricarda Walkling und Juliane Wirtz in der „Grünen Bude“ dabei. „Als Fußballer hat man eine gewisse Kraft“, hebt Marco Bode das Engagement der Werder-Profis hervor: „Wenn du als Werder-Spieler in die Grundschule kommst und sagst ‚Lesen ist cool‘, hat das fast eine stärkere Wirkung, als wenn Eltern das sagen.“ Aus diesem Potenzial heraus hat der SV Werder Bremen für sich eine Vorreiter-Rolle im deutschen Fußball eingenommen, die einmal mehr auch durch die Kooperation mit Common Goal deutlich wird.

Was ist Common Goal?

Common Goal ist eine Initiative, die von Jürgen Griesbeck und dem spanischen Fußballprofi Juan Mata gegründet wurde. Fußballprofis und Trainer geben dabei ein Prozent ihres Gehaltes an die Organisation Streetfootballworld ab. Diese unterstützt weltweit soziale Projekte mit Bezug zum Fußball. Jedes Mitglied, dazu zählen unter anderem namhafte Profis wie Serge Gnabry, Timo Werner und Paulo Dybala, kann selbst entscheiden, für welche der angebotenen Projekte es spenden möchte. Mittlerweile haben sich vereinzelt auch Vereine Common Goal angeschlossen.

Seit Mai 2022 sind die Grün-Weißen Mitglied bei Common Goal – als erster und bisher einziger deutscher Profi-Club. Dabei gibt der SV Werder Bremen ein Prozent der Sponsoring- und Ticket-Einnahmen an Common Goal ab, womit wiederum das „Spielraum“-Konzept sowie Projekte, die sich an den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung orientieren, gefördert werden können. „Das eine Prozent hat viel Symbolwert“, erklärt Common-Goal-CEO Jürgen Griesbeck. „Das Wichtige daran, dass sich Werder Common Goal angeschlossen hat, ist viel mehr die Inspiration: Es zu leben, darüber zu reden und sich einzubringen. Das ist auch diese Führungsaufgabe, die so einem wertebasierten Club wie Werder zukommt. Deshalb ist es nicht hoch genug einzuschätzen, dass Werder diesen Schritt gemacht hat.“

Von den männlichen Profis des SV Werder Bremen hat sich bisher noch kein Profi Common Goal angeschlossen

Das gilt insbesondere auch für die Spielerinnen des SV Werder Bremen Reena Wichmann und Saskia Matheis, die ebenfalls Mitglied bei Common Goal sind, obwohl im Frauen-Fußball bekanntermaßen längst nicht so viel Geld verdient wird wie bei den Männern. „Ich habe relativ früh entschieden, dass ich der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte“, erklärt Matheis ihr Engagement im Gespräch mit der DeichStube: „Deshalb war für mich klar, mit diesem einen Prozent – so klein es im Frauen-Fußball auch sein mag – trotzdem etwas weiterzugeben.“ Ihr Prozent fließt dabei in verschiedene Projekte zur Gleichberechtigung von jungen Frauen in Übersee, aber auch in Deutschland. Bei den Mannschaftskolleginnen sei Interesse an einer Common-Goal-Mitgliedschaft ebenfalls vorhanden, verrät Matheis. „Aber häufig ist die Hemmschwelle groß, weil man denkt, man sei nicht unbedingt der Großverdiener und da macht dieses Prozent nicht viel aus.“ Wichtig sei es daher, die Augen zu öffnen, dass jede noch so kleine Summe hilft.

Größere Beträge kämen da bei den Männern des SV Werder Bremen zusammen, von denen sich bisher aber noch kein Spieler Common Goal angeschlossen hat. „Ich glaube, wir können viel voneinander lernen“, sagt Saskia Matheis und ergänzt: „Allerdings ist der Kontakt zu den Männer-Mannschaften oder von ihnen zu uns sehr beschränkt. So wirklich in die Tiefe und zu wichtigen Themen kommt man dabei leider nicht. Deshalb freue ich mich darauf, mit ihnen in den Austausch zu kommen.“

Werder Bremen-Ex Marco Bode: „Zum Sport gehört gesellschaftliches Engagement dazu“

In genau diesem Austausch in der „Grünen Bude“ wurde an einer besseren Verknüpfung von Profi-Fußball und sozialem Engagement gearbeitet. „Man muss diesen Gedanken bekämpfen, dass das etwas ist, was man neben dem Kerngeschäft macht, sondern muss begreifen, dass das eine Chance ist, besser zu werden. Zum Sport gehört gesellschaftliches Engagement dazu“, betont Marco Bode, der in seiner Zeit im Werder-Aufsichtsrat die Common-Goal-Mitgliedschaft mit eingeleitet hatte, und erinnert passend zum jüngsten Vereinsjubiläum des SV Werder Bremen: „Die Vereine, die sich vor 125 Jahren gegründet haben, haben das genau aus so einer Bewegung heraus getan: Etwas für Jugendliche, Menschen und Stadtteile machen. Das ist lange her, aber bis heute kann man diesen Gedanken mitnehmen. Man sollte das Soziale nicht als Klimbim bezeichnen, sondern als Chance.“

Denn der Fußball selbst – und damit wären wir wieder am Anfang – kann eben auch von seinem sozialen Engagement profitieren. Michael Arends, Corporate-Social-Responsibility und Nachhaltigkeits-Manager beim SV Werder Bremen, untermauert diesen Perspektivwechsel mit Blick auf das „Spielraum“-Konzept und dessen Auswirkung auf den SVW in ferner Zukunft: „Mein Traum ist es, dass irgendwann in der Startelf von Werder sechs Bremer stehen. Ich glaube fest daran, dass das möglich ist.“ (tos)

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