Dämpfer vor dem Derby
Wie Werder Bremen das 1:3 in Köln einordnet – und es gegen den HSV besser machen will
Werder Bremen hat beim 1. FC Köln eine bittere Pleite kassiert: Wie die Bremer das Spiel einordnen - und es gegen den HSV besser machen wollen!
Der Begriff „Schadenfreude“ geht als Beschreibung sicher etwas zu weit, und doch fand Clemens Fritz sichtbar Gefallen an dem, was da direkt vor ihm über den Bildschirm flimmerte: die Live-Übertragung des Bundesligaspiels zwischen Stuttgart und dem Hamburger SV. Als der Sportchef des SV Werder Bremen in den Katakomben des Kölner RheinEnergie-Stadions gerade dabei war, die bittere 1:3-Pleite seiner Mannschaft gegen den Effzeh zu erklären, erzielte Chris Führich das zwischenzeitliche 2:0 für die Schwaben, worauf Fritz die umstehenden Journalisten sogleich aufmerksam machte. Immerhin etwas schien an diesem Sonntag also doch noch für Werder zu laufen, ganz ohne eigenes Zutun, wohlgemerkt – denn damit war es in den 90 Minuten zuvor nicht weit her gewesen.
Werder Bremens Daniel Thioune: „All das, was in Köln nicht da war, ist das, was wir am Wochenende im Derby brauchen“
Nach ebenso frühen wie erheblichen Widerständen – erst Rückstand durch Foulelfmeter (7.), dann Platzverweis gegen Kapitän Marco Friedl (24.) – hatte der SV Werder Bremen beim 1. FC Köln einen erschreckend dürftigen Auftritt abgeliefert, nicht nur spielerisch, auch in Sachen Intensität und Entschlossenheit, sodass für sie am Ende des Tages die 0:4-Pleite des HSV in Stuttgart noch als die beste Nachricht herhalten musste. Mit ihr verbunden allerdings die Frage, wie es Werder gelingen will, sich in den kommenden Tagen vor dem direkten Vergleich mit dem Erzrivalen in eine halbwegs nordderby-taugliche Verfassung zu bringen. Die Suche nach Antworten darauf begann für Cheftrainer Daniel Thioune noch am Sonntagabend im Bus zurück nach Bremen.
„Wir haben uns das Spiel gegen Köln schon auf der Rückfahrt nochmal geschaut, mehrfach sogar“, berichtete der 51-jährige Cheftrainer des SV Werder Bremen am Montag. Zeit verlieren wollte Thioune offenbar nicht. Schließlich ist ihm Folgendes mehr als bewusst: „All das, was in Köln nicht da war, ist das, was wir am Wochenende im Derby brauchen: diese Energie, die Klarheit in den Bällen, die Körpersprache. Da kommt vieles zusammen.“ Über das 1:3 beim 1. FC Köln wollte Daniel Thioune deshalb auch nicht mehr allzu viele Worte verlieren. „Man kann mit zehn Leuten verlieren, aber nicht so“, lautete sein Fazit, das erahnen lässt, dass die Woche für Werders Profis schon vor dem Anstoß gegen den HSV hitzig werden könnte.
Werder Bremen steht nach der zweiten Niederlage in Folge vor dem Nordderby gegen den HSV unter Druck
Nach der zweiten Niederlage in Folge beträgt der Vorsprung des SV Werder Bremen auf den Relegationsplatz vor dem 30. Spieltag nur noch drei Punkte. Die günstigen Ergebnisse der Konkurrenz – Wolfsburg, Union Berlin, St. Pauli und eben der HSV haben ihre Spiele am Wochenende allesamt verloren –, ließ Werder ungenutzt liegen. Die Hoffnung, bestenfalls punktgleich ins Nordduell gehen zu können, verpuffte deshalb. Was den Druck auf Bremer Seite deutlich erhöht. Zwar ist auch beim Hamburger SV die Laune nach dem 0:4 nicht eben glänzend, und doch ist die Lage an der Elbe halbwegs entspannt.
Dass Miro Muheim nach abgesessener Sperre gegen Werder Bremen zurückkehrt und der HSV in Luka Vuskovic und Albert Sambi Lokonga gegen Stuttgart auf zwei weitere Leistungsträger verzichten musste, deren Einsätze in Bremen möglich sind, relativiert das Ergebnis. Zumal das Team als Aufsteiger ohnehin eine ordentliche Saison spielt. Anders als Werder, das in den beiden vorangegangen Jahren jeweils knapp das europäische Geschäft verpasste und plötzlich zum Abstiegskandidaten zusammenschrumpfte. Inzwischen geht es am Osterdeich längst nur noch um Schadensbegrenzung.
Werder Bremens Clemens Fritz: „Jeder Einzelne weiß, worauf es am Samstag ankommt. Das muss uns auch allen bewusst sein“
„Jeder Einzelne weiß, worauf es am Samstag ankommt. Das muss uns auch allen bewusst sein“, forderte Sportchef Clemens Fritz bereits in Köln. „Das muss man dann auch von der ersten Minute an auf dem Platz sehen: Wir sind im Abstiegskampf.“ Gegen den 1. FC Köln hatte Werder Bremen diese tabellarische Tatsache nicht mit sportlichem Einsatz unterstrichen, weshalb ein maximal ordentlich spielender Gegner nach dem Abpfiff Grund zum Feiern hatte. Selbsterklärend, dass sich das aus Bremer Sicht im Nordderby gegen den HSV nicht wiederholen soll.
„Am Wochenende heißt es: Messer zwischen die Zähne und rauf auf den Platz“, hielt Leonardo Bittencourt martialisch fest, während Thioune zu Protokoll gab: „Ab jetzt ist Derbyzeit. Dabei geht es um deutlich mehr als um drei Punkte.“ Klar ist: Fährt Werder Bremen sie gegen den HSV ein, dürfte sich Sportchef Clemens Fritz nach dem Schlusspfiff deutlich weniger für die Ergebnisse der Konkurrenz interessieren, als es in Köln der Fall war. (dco)
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