Werder-Coach gibt Versprechen ab

Werder-Trainer Daniel Thioune kündigt Umbruch an: „Wir werfen uns nicht für Spieler in den Sand“

Trainer Daniel Thioune hat bei Werder Bremen einen schwächeren Punkteschnitt als Vorgänger Horst Steffen – und gibt für die Zukunft ein Versprechen ab.

Es dauerte nach dem letzten Saisonspiel des SV Werder Bremen gegen Borussia Dortmund nicht lange – die Mannschaften waren noch nicht mal in den Kabinen verschwunden –, da machten im Weserstadion zwei Werte die Runde, die interessiert miteinander verglichen wurden, zunächst auf dem Handy-Display, danach dann im Gespräch. Die Werte lauteten: 0,95 und 0,93 und beschreiben den jeweiligen Punkteschnitt, den die Trainer Horst Steffen und Daniel Thioune in der Saison 2025/26 pro Spiel mit Werder eingefahren haben. Dass der im Februar entlassene Steffen (19 Zähler aus 20 Partien) mit 0,95 etwas besser abschneidet als Nachfolger Thioune (13 aus 14) ist ein statistischer Fakt, der die Begleitumstände jedoch nicht abzubilden vermag. Während der eine Trainer im Sommer Einfluss auf Kaderplanung und Saisonvorbereitung hatte, kam der andere in allerhöchster Not – mit dem Auftrag, einen Scherbenhaufen zu kitten.

Daniel Thioune hat beim SV Werder Bremen einen schwächeren Punkteschnitt als Vorgänger Horst Steffen - der Trainer gibt für die neue Saison ein Versprechen ab.

Werder Bremens Daniel Thioune: „Wir haben das Ganze gerade so über die Linie gedrückt“

Das ist Daniel Thioune mit dem Klassenerhalt gelungen, Mission erfüllt. Schön sieht das Ergebnis, der gefixte Krug Werder Bremen, Mitte Mai 2026 allerdings nicht aus – instabil und weiterhin stark reparaturbedürftig trifft es besser. Daraus macht auch Thioune keinen Hehl. In den kommenden Wochen und Monaten wartet sehr viel Arbeit auf den 51-Jährigen, der am Osterdeich keinen Niedergang mehr aufhalten, sondern einen sportlichen Aufschwung ankurbeln muss.

„Wir haben das Ganze gerade so über die Linie gedrückt“, sagt Daniel Thioune, der nach dem finalen 0:2 des SV Werder Bremen gegen den BVB nicht nur Erleichterung verspürt. Sondern auch Ärger. „Ich bin schon noch etwas angefressen, denn wir hatten die Möglichkeit, noch ein bisschen was zu reparieren, wenn auch nicht viel. Ich hätte mir gewünscht, dass wir mit einer vernünftigen Vorstellung etwas Positives mit in die neue Saison nehmen.“ Funktioniert hat es nicht. Stattdessen prägen drei Liga-Pleiten in Serie (gegen Augsburg, Hoffenheim und eben Dortmund) den letzten Werder-Eindruck der Serie 25/26.

Werder Bremens Daniel Thioune: „Ich habe gedacht, dass wir schon weiter sind und mehr Konstanz reinbringen können“

Hinzu kommt eine nur hauchdünn bessere Punktausbeute als im Abstiegsjahr 2021 (32 gegenüber 31 Zählern). „Ich glaube nicht, dass es häufig vorkommt, dass man mit 32 Punkten noch drei andere Mannschaften hinter sich lässt“, mahnt Daniel Thioune – und der Cheftrainer des SV Werder Bremen hält unmissverständlich fest: „Wir haben das Minimalziel erreicht. Darüber freuen kann ich mich nicht, denn ich habe hohe Ansprüche an mich selbst. Ich habe gedacht, dass wir schon weiter sind und mehr Konstanz reinbringen können.“

Daran will Daniel Thioune arbeiten, ab sofort. Seine Prognose für die kommenden Monate klingt dabei eher nach Großbaustelle als nach Stellschrauben-Dreherei: „Ich bin gewillt, vieles in der neuen Saison zu verändern. Wir werden alle Bereiche hinterfragen.“ Damit will sich Thioune die Vorfreude auf die Serie 2026/27 selbst erarbeiten: „Die Freude kommt nach der Analyse in der Saisonvorbereitung“, sagt der Coach des SV Werder Bremen, „wenn wir es geschafft haben, der Mannschaft ein besseres Gesicht zu geben“. Folgendes Lob möchte Thioune ab dem Pflichtspielstart nämlich nicht mehr bekommen.

Daniel Thioune: „Jeder muss eine klare Überzeugung haben, ob er für Werder Bremen spielen möchte. Da gibt es Fragezeichen“

„Ich habe relativ häufig gehört, dass unsere Spiele in Ordnung waren, aber sie waren eben nie gut. Daran müssen wir uns messen lassen.“ Der Trainer genauso sehr wie die Mannschaft. Daniel Thioune hofft darauf, dass sich die Wackelkandidaten im Kader möglichst frühzeitig zu Werder bekennen – und erwartet es auch. „Wir werden uns nicht für Spieler in den Sand werfen“, betont er. Vielmehr müsse jeder Profi „eine klare Überzeugung haben, ob er für Werder Bremen spielen möchte. Da gibt es Fragezeichen.“ Wie etwa bei Mitchell Weiser, dem seit Längerem ein unterschriftsreifes Angebot vorliegt, der mit der Unterschrift aber nach wie vor zögert. Um nur eines von etlichen personellen Fragezeichen zu benennen, die derzeit über dem Weserstadion hängen.

Daniel Thioune ist sich sicher, dass sie sich positiv auflösen werden. Kurz nach dem Ende der Saison 2025/26 gab der Coach des SV Werder Bremen sogar schon ein Versprechen für die Spielzeit 2026/27 ab: „So wie ich versprochen habe, dass wir nicht runtergehen, sage ich, dass im neuen Jahr vieles besser sein wird als in dieser Saison.“ Ein Satz zur Wiedervorlage. (dco)

Rubriklistenbild: © IMAGO/DeFodi.de

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