Nach Skandal in der Champions League

Kompanys emotionale Rassismus-Rede: Werder-Trainer Thioune springt Kollegen zur Seite

Vincent Kompany hat eine emotionale Rede zum Rassismus-Skandal um Vinicius Junior gehalten - Werder-Coach Daniel Thioune unterstützt den Trainer des FC Bayern!

Es war ein mehr als nur bemerkenswerter Auftritt, für den Vincent Kompany am Freitagvormittag gesorgt hat. Während der Pressekonferenz des FC Bayern München vor dessen Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt nahm der Trainer in einem emotionalen Monolog zum mutmaßlichen Rassismus-Vorfall während des Champions-League-Spiels zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid Stellung – und kritisierte dabei unter anderem das Verhalten von Benfica-Trainer José Mourinho scharf. Es waren Sätze, die beinahe augenblicklich um die Welt gingen und die auch in Bremen vernommen wurden. Daniel Thioune, Chefcoach des SV Werder Bremen, sprang Kompany daraufhin zur Seite.

Vincent Kompany (zweiter von links) hat eine emotionale Rede zum Rassismus-Skandal um Vinicius Junior gehalten und Star-Trainer Jose Mourinho (zweiter von rechts) scharf kritisiert - Werder-Bremen-Coach Daniel Thioune (links) unterstützt den Trainer des FC Bayern München!

FC-Bayern-Coach Vincent Kompany: „Wenn man die Aktion sieht, kann die Reaktion von Vinicius Junior nicht gefaked sein“

Der Auslöser als dessen: Während des Duells zwischen Benfica und Real Madrid soll Real-Superstar Vinicius Junior von Gianluca Prestianni wegen seiner Hautfarbe beleidigt worden sein, was die Gemüter auf dem Platz zum überkochen brachte. Nach seinem Treffer zum 1:0 (50.) sah Vinicius Junior für seinen etwas zu ausschweifendem Torjubel zunächst die Gelbe Karte, ehe er sich bei Schiedsrichter Francois Letexier über die mutmaßliche rassistische Beleidung beschwerte. Die Partie wurde daraufhin zehn Minuten lang unterbrochen, Letexier beließ es bei Ermahnungen für die Spieler. Vincent Kompany verfolgte das ganze Geschehen am TV – und konnte es nicht fassen. Für den Trainer des FC Bayern München steht außer Frage, dass es eine rassistische Beleidigung gab.

„Ich habe es live gesehen. Wenn man die Aktion sieht, kann die Reaktion von Vinicius Junior nicht gefaked sein. Seine Reaktion ist emotional“, sagte der Belgier mit kongolesischen Wurzeln. Als der Coach des FC Bayern München am Freitag auf das Thema angesprochen wurde, kündigte er an, danach keine sportlichen Fragen mehr beantworten zu wollen, weil es dafür zu wichtig sei. Das Verhalten von Benfica-Trainer Mourinho brachte Vincent Kompany sichtbar in Rage. „José Mourinho hat den Charakter von Vinicius Junior attackiert, indem er die Art seines Torjubels thematisiert hat. In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler. Und das ist etwas, was wir nicht akzeptieren sollten.“

Dass José Mourinho den Namen von Benfica-Legende Eusebio anführte, um zu belegen, dass der Club nicht rassistisch sein könne, kommentierte Vincent Kompany so: „Weiß er, was schwarze Spieler in den 1960er Jahren durchmachen mussten? War er da, um mit Eusebio zu jedem Auswärtsspiel zu reisen? Mein Vater ist eine schwarze Person aus den 1960ern, der damals seinen Weg gegangen ist. Damals war ihre einzige Option, still zu sein, nichts zu sagen, darüberzustehen und zehnmal besser zu sein, um ein bisschen Anerkennung zu bekommen.“

Werder Bremens Daniel Thioune: „Es gibt Dinge, die weder in den Fußball gehören noch gesellschaftlich eine Relevanz haben sollten“

Eindringliche Aussagen, die auch Daniel Thioune in Bremen berührt haben. Erst in der vergangenen Woche hatte Werders Trainer Vincent Kompany beim Heimspiel gegen den FC Bayern München (0:3) kennengelernt. „Vincent ist zum einen ein sehr, sehr guter Trainer, aber auch ein richtig cooler Mensch“, sagte der Deutsche mit senegalesischen Wurzeln – und der Trainer des SV Werder Bremen hielt fest: „Es gibt Dinge in unserer Gesellschaft, die weder in den Fußball gehören noch gesellschaftlich eine Relevanz haben sollten. Es hat immer etwas mit Respekt, Wertschätzung und Haltung zu tun, wenn man miteinander umgeht. Das ist dem einen oder anderen am Dienstag nicht gelungen.“ (dco)

Rubriklistenbild: © Imago/Nordphoto/HMB-Media

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