Bald neue Regeln?

Wer bietet mehr? Wie der SV Werder ungewollt den Schwarzmarkt für Dauerkarten begünstigt

Beim SV Werder Bremen ist es für Fans sehr schwer, an eine Dauerkarte zu kommen. Durch eine Regelung begünstigt der Club ungewollt sogar den Ticket-Schwarzmarkt.
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Beim SV Werder Bremen ist es für Fans sehr schwer, an eine Dauerkarte zu kommen. Durch eine Regelung begünstigt der Club ungewollt sogar den Ticket-Schwarzmarkt.

Eine Dauerkarte bei Werder Bremen bekommen? Für die meisten Fans unmöglich! Der Ticket-Schwarzmarkt blüht daher - und wird durch eine Club-Regelung sogar begünstigt. Bald könnte sich das ändern.

Bremen – Das Angebot kam aus einer kleinen niedersächsischen Gemeinde und dürfte sich für so manchen Fan des SV Werder Bremen durchaus verheißungsvoll gelesen haben – schließlich ist an die offerierte Ware seit vielen Jahren nur noch ganz schwer heranzukommen. „Werder Dauerkarte Ostkurve Stehplatz 2023/2024 inkl. Stammrecht“, war die Offerte überschrieben, die vor wenigen Tagen auf dem Portal kleinanzeigen.de aufgetaucht war. Für den Preis von „4.500 € VB“ bot ein Fan dort sein Jahresticket für das Wohninvest Weserstadion an und ließ die Interessierten etwas weiter unten noch wissen: „Ich verkaufe an den Höchstbietenden. Aktuelles Angebot 3.000 €“. Zum Vergleich: Der Originalpreis, den Werder für eine solche Dauerkarte aufruft, beträgt 202 Euro. Über den Verein sind Jahreskarten ob der großen Nachfrage allerdings so gut wie nicht zu bekommen, weshalb der Schwarzmarkt blüht. „Uns fallen die Schwarzmarktaktivitäten natürlich auch auf, und sie stören uns sehr“, sagt Werders Ticketing-Chef Nico Hruby auf Nachfrage der DeichStube. Allerdings ist es ein Instrument des Vereins, das Angebote wie das von kleinanzeigen.de überhaupt erst möglich macht – womit Werder den Schwarzmarkt ungewollt begünstigt.

Hier gibt es Karten: So können sich DeichClub-Mitglieder Tickets für die Heimspiele des SV Werder Bremen sichern!

Über eine sogenannte „Abtretungserklärung“ erlaubt der Bundesligist seinen Dauerkarteninhabern, ihre Tickets dauerhaft an eine dritte Person zu übertragen, was zwar offiziell bei Werder Bremen beantragt werden muss, ansonsten aber an keine großen Hürden geknüpft ist. Fans, die ihr Jahresticket loswerden möchten, können also praktisch selbst entscheiden, wer es bekommt – und sich den Zuschlag teuer bezahlen lassen. Werder-Anhängern wie Jost Viebrock, die sich bereits seit vielen Jahren auf offiziellem Wege vergeblich um eine Dauerkarte beim Verein bewerben, stößt das sauer auf. „Wie kann es sein, dass auf Werders Website groß steht: ,Zeig dem Ticketschwarzmarkt die Rote Karte’ und gleichzeitig ein Abtretungsformular angeboten wird?“, fragt er in einer E-Mail, die er an die Redaktion der DeichStube geschickt hat.

Abtretung von Dauerkarten „gängige Praxis in der Bundesliga“: Werder Bremen will Abgabe-Modell verändern

„Die Abtretung der Dauerkarten ist immer noch gängige Praxis in der Bundesliga“, erklärt Ticketing-Chef Hruby. Und tatsächlich: Die meisten der 18 Clubs haben den Punkt in ihren „Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen“, kurz: AGTB, festgeschrieben. Beim SC Freiburg ist beispielsweise von „Umtragung“ die Rede, der Aufsteiger 1. FC Heidenheim nennt das Prozedere „Umschreibung“, während Eintracht Frankfurt vom „Inhaberwechsel“ spricht. Gemeint ist jeweils das Gleiche. Und der Gedanke, der auch bei Werder Bremen dahintersteckt, ist durchaus nachvollziehbar – in Zeiten von Internetauktionen und stetig wachsendem Schwarzmarkt aber womöglich nicht mehr zeitgemäß.

„Wir haben beispielsweise Fanclubs, bei denen alle Tickets auf den Vorsitzenden laufen, der die Karten dann unter seinen Mitgliedern verteilt“, erklärt Nico Hruby. Komme es dann eines Tages zur Auflösung des Fanclubs, werde Werder Bremen „immer mal wieder“ darum gebeten, „dass die Tickets auf einzelne Mitglieder übertragen werden“. Ähnlich verhalte es sich mit mehrfachen Dauerkarteninhabern, die seit Jahren Freunde mit ins Stadion nehmen und diesen die Karten irgendwann fest vermachen möchten. Hruby: „Das ist völlig legitim, und so etwas wollen wir auch weiterhin unterstützen.“ Und trotzdem: So bleiben, wie es ist, wird das aktuelle Bremer Abtretungsmodell nicht.

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Nico Hruby ist Ticketing-Chef beim SV Werder Bremen.

Übertragung der Dauerkarte nur noch an Verwandte möglich: Macht es Werder Bremen bald wie der 1. FC Köln?

„Die zunehmenden Aktivitäten auf dem Schwarzmarkt lassen eigentlich nichts anderes zu, als dass wir uns Gedanken darüber machen, wie wir es künftig weiter limitieren und einschränken können“, sagt Hruby. Da die Dauerkarten-Vergabe für die Saison 2023/24 längst in vollem Gange ist, wird sich kurzfristig nichts ändern – im Sommer 2024 könnte es aber sein, dass sich Werder Bremen am Vorgehen des 1. FC Köln orientiert.

Auch bei den Rheinländern können Dauerkarteninhaber ihre Tickets dauerhaft an Dritte übertragen – allerdings ist der Vorgang an eine entscheidende Einschränkung geknüpft. „Die Übertragung einer Dauerkarte ist nur an Verwandte ersten oder zweiten Grades möglich“, schreibt der Effzeh in seinen AGTB. Und weiter: „Als Nachweis ist eine Kopie aus dem Familienstammbuch vorzulegen.“ Auf Nachfrage der DeichStube erklärt der Verein, dass er sich für diesen Weg entschieden habe, weil aktuell rund 25.000 Kölner Fans auf der Warteliste für eine Dauerkarte stünden und diese Liste obsolet werden würde, sollte eine willkürliche Übertragung der Dauerkarte zugelassen werden. Unter anderem Borussia Dortmund regelt es genauso.

Fast alle Dauerkarten bei Werder Bremen werden verlängert: 7.600 Fans stehen auf der Warteliste

„Die Übertragung an Familienangehörige in Verbindung mit einer zunehmenden Personalisierung der Dauerkarten ist ein gangbarer Weg. Das könnte ab der nächsten Saison relevant werden“, sagt Werders Ticketing-Chef Nico Hruby, dessen Club insgesamt 27.000 Jahrestickets pro Saison ausgibt. 2021 hatte Werder Bremen die Anzahl um 2.000 Dauerkarten aufgestockt, verteilt wurden die neuen Tickets über die Warteliste, auf der aktuell noch 7.600 Personen stehen, die insgesamt 11.600 Dauerkarten angefragt haben. Allzu große Hoffnungen sollten sich diese Fans nicht machen.

„Wir gehen davon aus, dass nicht mehr als ein Prozent der Dauerkarteninhabenden ihre Karten nicht verlängern“, erklärt Hruby und spricht von Rückläufern im „maximal niedrigen dreistelligen Bereich“. Nach Informationen der DeichStube lag die Zahl der Nachrücker über die Warteliste in den vergangenen Saisons zwischen 50 und 300. Vom Fanclub „Wamos Werder“ war niemand dabei, weshalb sich auch dessen Vorsitzender Stephan Knapmeyer an die DeichStube gewandt hat, um Werders Abtretungsmodell zu kritisieren. „Wir gehen Saison für Saison leer aus, obwohl es genug Leute gibt, die ihr Stammrecht selbst nicht in Anspruch nehmen und es entweder Freund*innen überlassen oder zu teuren Preisen auf den einschlägigen Plattformen verkaufen“, betont er – und ist sich sicher: „Ohne diese Praxis wäre der Prozentsatz an Leuten, die ihre Dauerkarte nicht verlängern, deutlich höher.“

Werder Bremen prüft verstärkt, wie die Dauerkarten genutzt werden: Seltene Zuschauer sollen Tickets nicht blockieren

Bevor im kommenden Jahr möglicherweise das „Kölner Modell“ bei Werder Bremen Einzug hält, möchte der Club in der Saison 2023/24 ganz genau hinschauen, wer seine Dauerkarte wie häufig in Anspruch nimmt. „Wir werden künftig verstärkt ein Auge darauf haben, wie die Dauerkarten tatsächlich genutzt werden“, kündigt Nico Hruby an: „Was wir nicht wollen, ist, dass Fans Dauerkarten blockieren, sie aber nur bei den drei, vier Highlight-Spielen pro Saison nutzen und zu den restlichen Spielen nicht ins Stadion kommen und auch nicht die Möglichkeit wahrnehmen, unsere offizielle Ticketbörse zu nutzen.“

An der lebenslangen Vergabe der Dauerkarten – wer möchte, kann seine Jahr für Jahr verlängern – will Werder Bremen allerdings nicht rütteln. „Wir haben treue Dauerkarteninhabende, die ihre Karte schon seit vielen Jahren haben und sie glücklicherweise auch regelmäßig nutzen“, sagt Hruby. „Denen die Dauerkarte wegzunehmen, wäre unter Fairness-Gesichtspunkten nicht der richtige Weg.“ (dco)

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