Tageskarten nur noch für Mitglieder vorbestellbar
Neue Ticketvergabe sorgt für Irritationen: Was hinter der Änderung beim SV Werder Bremen steckt
Tageskarten für Heimspiele des SV Werder Bremen können künftig nur noch von Mitgliedern vorbestellt werden. Gegenüber der DeichStube hat der Verein diese Änderung jetzt erklärt.
Bremen - Eintrittskarten für die Heimspiele des SV Werder Bremen sind ein rares Gut. Das weiß jeder, sich sich bereits vergeblich um Tickets bemüht hat. Seit vielen Jahren schon wollen mehr Menschen die Auftritte des Bundesligisten sehen als das Wohninvest Weserstadion Plätze hergibt. Während die hohe Nachfrage für den Verein eine komfortable Situation darstellt, sorgt sie unter den Fans, die leer ausgehen, wenig überraschend für Frust. Das muss man wissen, um zu verstehen, warum eine offizielle Mitteilung des SV Werder am Donnerstagmorgen für Irritationen gesorgt hat. Tageskarten, so wird in dem kurzen Text erklärt, können künftig nur noch von Vereinsmitgliedern vorbestellt werden, die Vorbestellphase für Nicht-Mitglieder fällt weg. Muss ich künftig also Mitglied sein (und Jahresbeitrag bezahlen), um eine Chance auf Werder-Karten zu haben? Die Antwort, in Kurzfassung: nein. Auf Nachfrage der DeichStube hat Werder Bremens Ticketing-Chef Nico Hruby erklärt, was hinter der Änderung steckt.
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Im Sozialen Netzwerk Twitter dauerte es nach Erscheinen der Werder-Mitteilung nicht lange, bis sich verärgerte Fans zu Wort meldeten. „Eine sehr bedenkliche Entwicklung, wie mit dem einfachen Fan umgegangen wird.“ „Clever, Werder. Noch mehr Anreiz, die (überteuerte) Mitgliedschaft abschließen zu müssen“ oder „Schade, wollte nächste Saison mal wieder ins Stadion, war zum letzten Mal 2019 da, aber sieht so aus, als ob ich so schnell nicht wieder komme.“ So lauten einige der kritischen Kommentare, die auch dem Verein nicht entgangen sind.
Werder Bremens Ticketing-Chef: „Ich kann den Aufschrei einiger Fans ein Stück weit nachvollziehen“
„Ich kann den Aufschrei einiger Fans ein Stück weit nachvollziehen, weil es vielleicht auf den ersten Blick so aussieht, als wenn mit der Neuerung irgendwelche Exklusivitätsrechte einhergehen. Das ist aber weiterhin nicht der Fall“, betont Hruby. Vielmehr gehe es dem SV Werder Bremen mit der angepassten Ticket-Vergabe darum, „den Bestellprozess bei uns zu vereinfachen und die Bearbeitungszeit zu verkürzen“.
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Bisher gab es beim SV Werder Bremen zwei Vorbestellphasen für die Heimspiele. Eine erste für die Vereinsmitglieder, die bei der Kartenvergabe bevorzugt behandelt wurden, und danach eine zweite für Nicht-Mitglieder, die sich für das noch vorhandene Kontingent bewerben konnten, um in der Regel an einer Verlosung teilzunehmen. Diese zweite Phase fällt nun weg. Alle Tagestickets, die von den Mitgliedern nicht abgefragt werden, gehen künftig in den freien Verkauf, „auf den natürlich auch die Nicht-Mitglieder Zugriff haben“, wie Hruby betont.
Werder Bremen: „Gehen davon aus, dass wir bei nahezu allen Heimspielen einen Restkartenverkauf haben werden“
Gelost wird hier nicht mehr, es gilt das Prinzip „first come, first serve“, wodurch Werder Bremen Bearbeitungszeit einspare. Auch die Karten, die von ihren Besitzern für einzelne Spiele über die offizielle Ticketbörse des Vereins angeboten werden, fließen in den Restverkauf mit ein. „Es war in der Vergangenheit ja auch schon so, dass die Mitglieder beim Kartenkauf bevorzugt wurden“, erinnert Hruby – und erklärt, dass es auch mit dem neuen Modell Tageskarten für Nicht-Mitglieder geben wird: „Wir gehen davon aus, dass wir bei nahezu allen Heimspielen einen Restkartenverkauf haben werden.“ Da Werder bis zu 27.000 der insgesamt rund 42.000 Tickets für das Weserstadion als Dauerkarten verkauft und pro Spiel zudem bis zu 4200 Tickets an Gästefans gehen, schrumpft die Anzahl der Tageskarten doch deutlich ein, was in den meisten Fällen dazu führt, dass im Restkartenverkauf für die Heimspiele nicht mehr allzu viele Tickets angeboten werden können.
Auswärtsspiele sind von der Neuerung übrigens nicht betroffen. „Da verändert sich erstmal nichts“, sagt Hruby. Auch mache Werder Bremen in der neuen, exklusiven Vorbestellphase für Mitglieder keinen Unterschied zwischen Voll- und Fördermitgliedschaft: „Alle Mitglieder werden gleich behandelt.“ Über die gängigen Vorverkaufsstellen, wie beispielsweise beim WESER KURIER, werde es zudem weiterhin wie gewohnt Tageskarten für alle Fans geben. Denn eine geschlossene Gesellschaft, auch das einer der Vorwürfe seitens einiger Anhänger, wolle der Verein auf keinen Fall.
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Durch Ticket-Änderung mehr Mitglieder für Werder Bremen? „Unser Grundgedanke war das nicht“
„Wir wollen Werder weiterhin einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und es allen Fans ermöglichen, ins Stadion zu kommen. Deswegen wollen wir explizit keine Exklusivität nur für Mitglieder, denn das halten wir nicht für den richten Weg“, beteuert Hruby. Auch wenn dieser Weg durchaus funktionieren kann, wie das Beispiel des SC Freiburg zeigt.
Der Club aus dem Breisgau konnte die Zahl seiner Mitglieder zwischen August 2019 und Februar 2023 von 20.000 auf 50.000 steigern, weil die Vereinsangehörigen auch dort ein Vorkaufsrecht für Heimtickets besitzen. Hruby: „Es kann natürlich dazu führen, dass die Mitgliedschaft durch die Neuerung bei der Kartenvergabe attraktiver wird und sich noch mehr Menschen dazu entschließen, Werder-Mitglied zu werden. Unser Grundgedanke für die Änderung war das aber nicht“. (dco)