Ex-Bremer im DeichStube-Gespräch

„Mein Zenit ist noch nicht erreicht“: Viktoria Kölns David Philipp spricht im DeichStube-Interview über seine Zeit bei Werder und das Pokalduell

Im DeichStube-Interview spricht Viktoria Kölns David Philipp über das DFB-Pokal-Spiel gegen Werder Bremen, seine Karrierepläne und ein besonderes Erlebnis.
+
Im DeichStube-Interview spricht Viktoria Kölns David Philipp über das DFB-Pokal-Spiel gegen Werder Bremen, seine Karrierepläne und ein besonderes Erlebnis.

Am Samstag (15.30 Uhr) trifft David Philipp im DFB-Pokal mit dem FC Viktoria Köln auf seinen Ex-Club, den SV Werder Bremen. Im DeichStube-Interview spricht der 23-Jährige zuvor über seine Zeit am Osterdeich, seine Karrierepläne und ein besonderes Erlebnis mit Ex-Werder-Profi Naldo.

Köln – Bei seinem Herzensverein Werder Bremen ist David Philipp (23) nach erfolgreichen Jahren als Jugendspieler einst der große Durchbruch verwehrt geblieben. Deshalb zog er weiter und steht inzwischen seit 2021 bei Drittligist Viktoria Köln unter Vertrag – mit dem er am Samstag die Bremer in der ersten Runde des DFB-Pokals empfängt (Anstoß: 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker). Mit der DeichStube hat Philipp vorab ausführlich über seine Zeit am Osterdeich, seine Karrierepläne und ein ganz besonderes Erlebnis mit Ex-Werder-Star Naldo gesprochen.

David Philipp, am Samstag spielen Sie im DFB-Pokal mit Viktoria Köln gegen Werder Bremen. Ist das für Sie eines dieser ganz besonderen „Ausgerechnet gegen…“-Spiele?

Auf jeden Fall. Ich habe ja mal in grün-weißer Bettwäsche geschlafen. Ich war mein ganzes Leben lang Werder-Fan, konnte dann auch selber für Werder spielen. Letztes Jahr hatten wir ja schon das coole Los mit Bayern, aber da habe ich schon zu jedem gesagt, dass es für mich sogar noch ein cooleres Los geben würde. Dass das dann ein Jahr darauf wirklich passiert, ist natürlich sehr besonders. Ich freue mich mega drauf.

Was war nach der Auslosung auf Ihrem Handy los?

Ich war gerade im Urlaub – und hatte direkt erst mal hundert Nachrichten von alten Freunden.

Und was haben die gesagt?

Es war eine sehr positive Resonanz, es haben sich alle für mich gefreut. Ich habe noch viele Freunde, die Werder sehr nahe sind, da kam ab und zu mal: „Bau keine Scheiße“ oder „Vielleicht nimmst du dich dieses Spiel mal zurück“. Aber es gab auch andere, die gesagt haben: „Jetzt kannst du es denen erst recht zeigen.“

David Philipp über Werder Bremen: „Wenn ich zurückblicke, war das gerade in der Jugend eine sehr erfolgreiche Zeit“

Haben Sie auch das Gefühl, es Werder Bremen nochmal zeigen zu wollen?

Wenn ich auf meine Zeit in Bremen zurückblicke, dann war das gerade in der Jugend eine sehr erfolgreiche Zeit. Dass es dann nicht so geendet ist, wie ich mir das erträumt hatte, das ist auch klar. Aber da muss man sich in erster Linie an die eigene Nase fassen. Im Endeffekt ist es natürlich eine Chance, zu zeigen: „Ey, ihr habt mich ziehen lassen, vielleicht habt ihr einen Fehler begangen.“ So gehst du natürlich auch in ein solches Spiel rein, aber das ist nicht negativ gemeint, sondern Vorfreude. Es ist einfach cool – und es wäre für mich noch cooler gewesen, wenn wir sogar im Weserstadion gespielt hätten.

Warum hat bei Werder Bremen damals der Sprung aus der U23 in den Bundesliga-Kader nicht geklappt?

Ich war ja schon relativ früh erstmals bei den Profis dabei, da war ich vom Kopf her noch nicht weit genug, war zum Teil auch ängstlich in den Trainingseinheiten und habe nicht das auf die Kette bekommen, was ich bei der U 23 auf die Kette bekommen habe. Deshalb habe ich mich ausleihen lassen, dann kam Corona, dann war ich in Holland leider ein bisschen vom Verletzungspech verfolgt. Ich hatte die Hoffnung, wiederzukommen, um nochmal neu zu starten. Aber mir wurde bei Werder schnell signalisiert, dass ich weder für die U 23 noch für oben wirklich vorgesehen bin. Deshalb habe ich mich entschieden, den Verein zu verlassen. Dass es im Endeffekt nicht geklappt hat, da haben sicherlich mehrere Faktoren mit hineingespielt. Hier und da hätte ich mir vielleicht auch mal etwas mehr Unterstützung gewünscht, aber vorneweg muss ich mir wie bereits gesagt an die eigene Nase fassen – und da hat es letztlich an der Leistung gehapert.

Wo und von wem haben Sie Unterstützung vermisst?

Das müssen wir jetzt nicht mehr vertiefen, ich spiele bei Viktoria Köln und fühle mich hier pudelwohl.

David Philipp über verpassten Durchbruch bei Werder Bremen: „Vielleicht hätte ich mir selber mehr Zeit geben müssen“

Trotzdem: Bereuen Sie etwas oder hätten im Nachhinein etwas lieber anders gemacht?

Vielleicht hätte ich mir selber mehr Zeit geben müssen. Dadurch, dass es in der Jugend immer nur steil nach oben ging, habe ich mit den ersten Steinen, die mir in den Weg gelegt wurden, doch mehr zu kämpfen gehabt, als ich es früher für möglich gehalten hätte.

Wo lagen diese Steine?

Ich glaube, ich habe von der U15 bis zur U19 jedes Spiel gemacht und auch in der U23 gespielt. Wenn du dann merkst, oben klappt es noch nicht, da reicht die Leistung noch nicht für einen Kaderplatz, ist das eine neue Situation, und ich glaube, dass ich damit noch nicht so gut umgehen konnte.

Sie haben sich 2020 zu ADO Den Haag ausleihen lassen. Wie sehen Sie im Rückblick das Jahr, das eigentlich zwei Jahre hätten sein sollen?

Die Leihe ist sehr gut gestartet, ich habe bei meinem Debüt getroffen, habe dann auch die ersten Spiele gemacht. Aber wir waren damals Tabellenletzter, haben fast jedes Spiel verloren. Deswegen war es schwierig für mich. Dann habe ich mich auch länger verletzt und bin nicht mehr so richtig in Tritt gekommen. Dadurch, dass wir abgestiegen sind, ging die Leihe auch nur ein Jahr statt zwei. Im Nachhinein war es fußballerisch vielleicht nicht die allerbeste Zeit, aber ich habe mich mega entwickelt. Ich habe die Zeit in Holland, wo ich alleine war, auch gebraucht. Ich habe mich charakterlich gefunden. Deswegen bin ich auch nach allem, was passiert ist, mega happy, dass es passiert ist, weil ich glaube, dass mir das persönlich gutgetan hat.

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen im DFB-Pokal gegen Viktoria Köln aussehen!

Ex-Werder-Bremen-Spieler David Philipp über Wechsel zu Viktoria Köln: „Ich bereue es keine Sekunde“

Dann sind Sie zu Viktoria Köln gegangen. Wieso?

Der Kontakt kam natürlich über meinen Berater, dann habe ich mit Trainer Olaf Jansen ein paar Gespräche geführt und hatte direkt das Gefühl, dass die Art von Fußball bei Viktoria auch zu meinem Spiel passt. Das waren sehr angenehme Gespräche. Mir war relativ schnell klar, dass ich einen kompletten Schritt und keine Leihe machen möchte, dass ich irgendwo nochmal komplett von vorne anfange – auch wenn es damals vermeintlich ein Schritt zurück war. Ich hatte in Köln dann auch meine Anlaufschwierigkeiten, war lange verletzt, aber habe dann in der Rückrunde Fuß gefasst. Ich bin jetzt das dritte Jahr hier und bereue es keine Sekunde. Wir haben einen super Zusammenhalt, eine super Truppe, eine super Stadt und Ambitionen, die sich mit meinen decken.

Welche sind das?

Wenn ich jetzt in der 3. Liga spiele, denke ich, dass mein Zenit noch nicht erreicht ist, und ich schon gerne nochmal höher gehen würde. Das hängt aber von vielen Faktoren ab. Unser Ziel für diese Saison ist, dass wir eine noch bessere als die letzte spielen wollen. Da haben wir schon einen Vereinsrekord aufgestellt (mit 55 Punkten wurde der Club Neunter, Anm., d. Red.). Alles, was darüber hinaus gehen kann, werden wir sehen.

Lebt der Traum von der Bundesliga insgeheim noch?

Ich habe mich in den letzten Jahren sehr gut selbst reflektieren können. Natürlich ist das noch ein Traum. Natürlich ist es auch noch ein Traum, mal im Weserstadion zu spielen. Oder – ich bin gebürtiger Hamburger – im Millerntor oder im Volkspark. Aber dass da unfassbar viel dazugehört, das weiß ich auch.

So seht Ihr das DFB-Pokalspiel zwischen Werder Bremen und Viktoria Köln live im TV und im Livestream!

Viktoria Kölns David Philipp über Werder Bremen: „Ich war ein Riesen-Diego-Fan“

Apropos Hamburg: Wie kommt es eigentlich, dass jemand, der aus Hamburg stammt, in Werder-Bettwäsche geschlafen hat?

Meine Eltern haben sich damals in Bremen kennengelernt, und mein Vater ist noch jahrelang nach Bremen gependelt. Er hat mich damals ein paar Mal mit ins Stadion genommen. Ich bin auch 2007 mal in der Champions League gegen Lazio Rom mit Naldo eingelaufen – da war es um mich geschehen. Ich war ein Riesen-Diego-Fan. In Hamburg war ich in meiner Klasse wahrscheinlich der Einzige, da war es nicht ganz einfach, sich gegen die ganzen HSV-Fans durchzusetzen.

Wie intensiv verfolgen Sie Werder Bremen noch?

Dadurch, dass ich so eine lange Zeit beim Verein war, ist das Interesse natürlich immer noch da. Ich habe auch relativ viele Freunde, die Werder-Fans sind, die das nochmal deutlich intensiver verfolgen als ich. Ich habe natürlich auch noch Kontakt zu ein paar Leuten von früher, die es dann bei Werder auch geschafft haben. Ich finde, der Verein hat in den letzten Jahren nochmal richtig Schritte gemacht und sich auch wieder zu einer richtig guten Bundesligamannschaft entwickelt. Ich glaube auch, dass diese Saison etwas Gutes möglich ist. Von dem ausgehend, was ich gesehen habe, muss auf jeden Fall ein einstelliger Tabellenplatz her – mit Luft nach oben. Der Kader ist einfach gut. Ich habe das Gefühl, dass sich da wieder richtig was gebildet hat. (han)

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare