Werder-Sieg in der Taktik-Analyse

Friedl sei Dank: Werder steht stabil und deklassiert Holstein Kiel - die Taktik-Analyse

Trainer Ole Werner (links) konnte gegen Holstein Kiel wieder auf Marco Friedl in der Startelf setzen - die Rückkehr des Kapitäns des SV Werder Bremen sorgte für enorme Stabilität im Spiel der Gäste.
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Trainer Ole Werner (links) konnte gegen Holstein Kiel wieder auf Marco Friedl in der Startelf setzen - die Rückkehr des Kapitäns des SV Werder Bremen sorgte für enorme Stabilität im Spiel der Gäste.

Der SV Werder Bremen feiert einen 3:0 (1:0)-Erfolg gegen Holstein Kiel. Selbst ein früher Dreifachwechsel des Gegners brachte die Bremer nicht aus dem Konzept. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher erklärt in seiner Analyse, warum Werder kaum Chancen zuließ.

Kiel – Manchmal braucht es nur eine kleine Pause, um wieder zu voller Leistungsstärke zurückzufinden. Werder Bremen scheint während der Länderspielpause neue Kraft getankt zu haben. Die zuletzt so erfolglosen Bremer überzeugten bei Holstein Kiel mit Stärken, die verlorengegangen schienen: Werder verteidigte mannorientiert, nutzte klare Muster im Spielaufbau – und verteidigte endlich wieder im Kollektiv. Das verdankten die Grün-Weißen vor allem einem Rückkehrer.

Werder Bremens Auswärtssieg bei Holstein Kiel in der Taktik-Analyse: Beide Teams mit gleicher Formation

Werder-Coach Ole Werner stellte seine Mannschaft nach der 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach auf vier Positionen um. Mit Kapitän Marco Friedl, Routinier Niklas Stark und Rechtsverteidiger Mitchell Weiser kehrten gegen Holstein Kiel gleich drei Abwehrspieler zurück in die Fünferkette. Sie allesamt haben zuletzt gesperrt oder verletzt gefehlt. Zudem begann Marvin Ducksch für Leihgabe André Silva. Taktisch setzte Werner auf die bewährte Mischung aus 5-2-3- und 5-3-2-Formation.

Kiels Trainer Marcel Rapp wählte dieselbe taktische Variante. Die „Störche“ stellten sich häufig in einem 5-3-2-System auf. Alexander Bernhardsson pendelte dabei zwischen Mittelfeld- und Angriffsreihe. Sobald Holstein Kiel zu einem hohen Pressing ansetzte, rückte Bernhardsson nach vorne. Der Schwede sorgte dafür, dass drei Kieler Stürmer die Dreierkette des SV Werder Bremen anlaufen konnten. In anderen Situationen ordnete sich Bernhardsson als dritter Mittelfeldspieler ein; ab und an ließ sich auch Steven Skrzybski zurückfallen.

Bei Werder Bremen übernahm Romano Schmid die Rolle des pendelnden Mittelfeld-Akteurs. Er rückte häufig nach vorne. So konnte Werder den Druck auf die Dreierkette von Holstein Kiel hochhalten. Da beide Teams eine ähnliche Systematik wählten, entstanden auf dem gesamten Feld klare Eins-gegen-Eins-Zuteilungen. Es entstand ein Spiel mit vielen direkten Duellen und zahlreichen Zweikämpfen.

Die Grafik zeigt die Formationen beider Teams. Beide Trainer stellten ihre Mannschaft ähnlich auf - und zwar in einer Mischung aus 5-3-2 und 5-2-3. Bei Kiel pendelte Bernhardsson zwischen den Formationen, bei Werder Schmid. So entstanden zahllose Eins-gegen-Eins-Duelle überall auf dem Feld.

Werder Bremens Auswärtssieg bei Holstein Kiel in der Taktik-Analyse: Werder dominiert, ohne sich Chancen zu erarbeiten

Die Gäste von der Weser setzten ihre Strategie stringenter um. Sie setzten auf ein hohes Angriffspressing. Holstein Kiel hatte große Mühe, sich gegen das mannorientierte Pressing zu befreien. Häufig blieb ihnen nur der lange Ball. Die Abwehrkette des SV Werder Bremen reagierte gedankenschnell: Marco Friedl ordnete rechtzeitig an, ob sich seine Kollegen tief fallen oder auf Abseits spielen sollten.

Der Abstiegskandidat aus Kiel konnte keinen derartigen Druck entfachen. Werder Bremen gelang es häufig, das Pressing von Holstein Kiel über die eigene rechte Seite auszuhebeln. Weiser hielt sich hier etwas stärker zurück, als man dies vom offensivstarken Rechtsverteidiger gewohnt ist. Sein Gegenspieler Finn Porath kam häufig den entscheidenden Schritt zu spät. Weiser leitete den Ball direkt in Richtung der Stürmer weiter. So konnte Werder das Spiel in die gegnerische Hälfte tragen. Von dort verlagerten sie das Spiel auf den linken Flügel.

Werder Bremen konnte sich über diese Angriffe zwar nur selten Chancen herausspielen, dennoch war die Werner-Elf das dominante Team. Die Partie spielte sich praktisch nur in der Hälfte von Holstein Kiel ab. Werder sammelte in der ersten halben Stunde mehr Ballbesitz, gerade einmal zwei Schüsse ließen die Bremer zu. Vorne sorgte ein Geniestreich von Ducksch für den Führungstreffer (25.).

Werder Bremens Auswärtssieg bei Holstein Kiel in der Taktik-Analyse: Marcel Rapps fulminanter Dreifachwechsel

Für Werder Bremen verlief alles nach Plan, für Holstein Kiel nicht. Marcel Rapp wagte eine extreme Lösung: Nach gerade einmal 35 Minuten wechselte der Kieler Chefcoach gleich drei Spieler aus. Im Zuge dieser Wechsel wirbelte er seine halbe Mannschaft durcheinander. Porath wechselte auf den rechten Flügel. Bernhardsson übernahm die Position als Linksverteidiger. Der eingewechselte Lewis Holtby sollte im neu formierten 5-2-1-2-System als Anspielstation hinter den zwei Spitzen fungieren.

Zumindest defensiv verbesserte sich Holstein Kiel durch die Wechsel. Ihnen gelang es wesentlich besser, Druck auf den Spielaufbau des SV Werder Bremen auszuüben. Die Gäste spielten häufig überhastet den Ball in die letzte Linie, dort verloren sie die Kugel dann schnell wieder. Nach Kiels Dreifachwechsel sank der Bremer Ballbesitzwert auf knapp über 40 Prozent.

Der Druck auf das Bremer Tor stieg jedoch nicht. Werder konnte sich weiterhin auf die Defensive verlassen. Das war auch nach der Pause der Fall, als Holstein Kiel auf ein 5-3-2-System umstellte. Werder Bremen verteidigte weiterhin eng am Mann. Die Bälle, die in Richtung letzte Linie flogen, verteidigte die Dreierkette souverän.

Werder Bremens Auswärtssieg bei Holstein Kiel in der Taktik-Analyse: Mit Marco Friedl funktioniert die Defensive

So genügten Werder Bremen einige wenige magische Momente, um das Ergebnis nach oben zu schrauben. Felix Agu zirkelte eine abgefälschte Flanke in den Winkel (59.). Als Holstein Kiel in der Nachspielzeit in einer 3-2-5-Formation alles nach vorne warf, schraubte der eingewechselte Marco Grüll das Ergebnis per Konter auf 3:0 hoch.

Der drei Tore zum Trotz: Die Matchwinner des SV Werder Bremen finden sich in der Abwehr. Besonders die Rückkehr von Marco Friedl gegen Holstein Kiel bewirkte Wunder: Er köpfte Bälle weg, gewann Zweikämpfe, sicherte für seine Kollegen ab. Mit dem Kapitän auf dem Feld kassiert Werder deutlich weniger Gegentore. Wenn Friedl spielt, kassiert Werder im Schnitt alle 70 Minuten ein Tor. Ohne Friedl muss Werder-Keeper Michael Zetterer alle 30 Minuten hinter sich greifen.

So fußte der Sieg gegen Holstein Kiel vor allem auf einer starken Defensivleistung. Der dritte Sieg im Kalenderjahr 2025 schürt die Hoffnung, dass Werders Saison doch nicht vorzeitig beendet ist. Verteidigt Werder Bremen auch gegen stärkere Gegner derart souverän, könnten sie noch einmal zum Angriff auf die Europapokalränge blasen.

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