Stärken und Schwächen
Offensiv forsch, defensiv ineffizient: Werders neuer Linksaußen Köhn in der Daten-Analyse
Der SV Werder Bremen hat mit Derrick Köhn einen neuen Außenverteidiger verpflichtet. Eine ausführliche Analyse des Neuzugangs von Createfootball.
Bremen – Die ersten Schritte sind gemacht, Derrick Köhn findet sich seit seinem Leih-Wechsel von Galatasaray Istanbul an die Weser peu à peu beim SV Werder Bremen zurecht. Schon im nächsten Pflichtspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 (15. September, 17.30 Uhr) winkt dem sprintstarken Profi der Sprung in die Startelf. Vorher dürfte der Linksaußen aber in der Testpartie gegen Zweitliga-Aufsteiger Preußen Münster (Donnerstag, 18 Uhr im DeichStube-Liveticker) erstmals so richtig zeigen, was er kann und mit den neuen Teamkollegen den Ernstfall proben. Im Auftrag der DeichStube haben die Datenexperten von „Createfootball“ Köhns Spielweise einmal ganz genau unter die Lupe genommen.
Werder Bremens Neuzugang Derrick Köhn in der Analyse: Große offensive Spielfreude - defensiv ist aber noch Luft nach oben
Köhns Defensivarbeit: Das Timing ist ausbaufähig, um eine bessere Zweikampfeffizienz zu erzielen. Der frühere Hannoveraner gewinnt im Schnitt lediglich 55 Prozent seiner Defensiv-Zweikämpfe. Während der vergangenen Saison erlebte er bei den Niedersachsen allerdings einen positiven Ausreißer in dieser Statistik, in einer für ihn sehr guten Hinrunde brachte er es auf eine Quote von 77 Prozent. Durch seine hohe Positionierung und eine rege Beteiligung am Offensivspiel hat Derrick Köhn Schwierigkeiten, wieder auf seine defensive Position in der Kette zu rücken. Daraus ergibt sich ein schwaches Stellungsspiel mit vielen vermeidbaren Fouls und recht wenigen abgefangenen Pässen. Im Gegenzug profitiert der Außenbahnspieler des SV Werder Bremen in Laufduellen von seiner Schnelligkeit, kann Gegner abdrängen und dadurch einen Großteil gegnerischer Dribblings stoppen. Er forciert solche Duelle aber nicht aktiv, da er im Bodenzweikampf insgesamt zu ineffizient agiert.
Das Spiel mit dem Ball: Offensiv präsentiert sich Derrick Köhn mit viel Spielfreude, kann sowohl in einer Vierer- als auch einer Fünferkette agieren. Er beteiligt sich an sehr vielen Angriffen (10+ Angriffsaktionen/90 Minuten) und brachte es so während der vergangenen Saison auf starke elf Scorer (vier Tore, sieben Assists). Dank eines sehr guten ersten Kontakts verspringen dem gebürtigen Hamburger kaum einmal die Bälle. Allerdings: Sobald Köhn unter Druck gesetzt wird, neigt er zu Fehlern. Die Ballbehauptung in gegnerischen Pressingsituationen ist schwach. Im eigenen Ballbesitz fällt der Linksaußen mit einer sehr offensiven Positionierung auf, kaum ein Außenverteidiger kam in der abgelaufenen Spielzeit in der türkischen Süper Lig auf einen höheren Anteil an Ballaktionen im letzten Drittel (31 Prozent). Seine Spielweise ist dabei mutig und ziemlich vertikal. Sowohl per Pass als auch per Lauf erzielt Köhn viel Raumgewinn, erhöht zudem mit seinen vielen Sprints das Tempo der Angriffe und gelangt in gute Flankenpositionen.
Analyse: Werder Bremens Derrick Köhn ist sehr stark im offensiven Eins-gegen-eins
Die Chancenkreierung: Derrick Köhn ist sehr dribbelstark, geht durchschnittlich in fünf Eins-gegen-Eins-Duelle pro 90 Minuten – und davon gewinnt er überragende 60 Prozent. Der Ex-Profi von Galatasaray Istanbul dringt gern mit dem Ball am Fuß tief in die gegnerische Hälfte und häufig sogar in den Strafraum ein. Er spielt einen Großteil, nämlich 71 Prozent, aller angebotenen torgefährlichen Läufe an, lässt mitunter durch ungenaue Zuspiele aber auch viel potenzielle Torgefahr seiner Mannschaft ungenutzt. So erreichen bislang lediglich 29 Prozent aller Flanken auch ihr Ziel. Durch ein enorm hohes Volumen an Offensivaktionen mit sehr vielen eingeleiteten Abschlussmöglichkeiten kreiert Köhn durchschnittlich knapp drei Torchancen pro Partie und setzt mehr als sechs Mal während einer Begegnung zur Flanke an – beides waren absolute Top-Werte in der 2. Bundesliga 2022/23. Doch der Neuzugang des SV Werder Bremen sorgt nicht nur aus dem Spiel heraus für viel Torgefahr, sondern schlägt auch präzise Standards.
Analyse-Fazit: Derrick Köhn kann Werder Bremens Offensivspiel deutlich variabler machen
Fazit: Mit dem Linksfuß holt sich der SV Werder Bremen einen spannenden und weiterhin entwicklungsfähigen Außenverteidiger an Bord. Derrick Köhn bringt vor allem offensiv viele Qualitäten mit, besonders seine Dribbelstärke und vielen Flanken machen ihn zum idealen Counterpart für Mitchell Weiser. Dazu überzeugt Köhn mit einer starken Athletik und einer hohen Lauf- wie Zweikampfintensität. Doch sein ausgeprägter Offensivdrang ist gleichzeitig auch seine Schwäche, denn aufgrund seiner hohen Positionierung und seines frühen Anlaufens vernachlässigt er oftmals die Defensivaufgaben und weist im Zweikampf Defizite auf. Dadurch wird er häufig überspielt und reißt so Lücken in den Abwehrverbund, die vermeidbar wären.
Mit seinen jeweiligen Stärken und Schwächen scheint Derrick Köhn für die Position des linken Schienenspielers in der Bremer Dreier-/Fünferkette wie gemacht zu sein. Mit viel Tempo und einer hohen Frequenz an Flanken kann Köhn gemeinsam mit Rechtsaußen Mitchell Weiser eine kongeniale Flügelzange bilden. Die Verpflichtung des Ex-Hannoveraners dürfte die Rechtslastigkeit der Bremer Angriffe deutlich minimieren können und dafür sorgen, dass Werder offensiv weniger ausrechenbar ist. Die offensive Ausrichtung Köhns fällt zwar zulasten der defensiven Effizienz, doch mit einer Dreierkette aus Milos Veljkovic, Niklas Stark und Marco Friedl sind Köhns Offensivläufe gut abgesichert.
Zusammenfassung
Stärken: Ballkontrolle, Tempo, Dribbling, Chancenkreation
Potenziale: Pressingresistenz, Timing im Zweikampf, Passgenauigkeit
*Die CREATEFOOTBALL GmbH ist eine Fußball-Consultancy, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät. (mbü)