„Hatte eigenen Kopf“

Als Party-Maus Diego in Bremen Zoff mit Frings und den anderen Werder-Kollegen bekam

Diego war ein Superstar bei Werder Bremen, in der Kabine hat es aber auch Streit gegeben. Wegen seiner Party-Vorliebe hat es mit Torsten Frings und Co. manchmal geknallt.

Bremen – Die Vorfreude ist riesig, Diego ist schon ganz scharf darauf, etliche seiner ehemaligen Weggefährten an diesem Wochenende im Rahmen seines Abschiedsspiels (Samstag, 18 Uhr/DeichStube-Liveticker) endlich wiederzusehen. Auch ein Treffen mit Torsten Frings kann er kaum erwarten, obwohl er mit ihm in der Vergangenheit das eine oder andere Mal aneinandergeraten ist, wie der ehemalige Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen am Donnerstag bei einem Medientermin verraten hat. „Er ist ein sehr intelligenter Profi gewesen, ein echter Führungsspieler. Als solcher muss er dich manchmal auch mit der Wahrheit konfrontieren“, sagte Diego lachend. „In meinem Alter konnte ich damals noch nicht so gut damit umgehen, die Wahrheit zu hören.“

Streit bei Werder Bremen: Torsten Frings und Co. wollten Party-Maus Diego bremsen - mit wenig Erfolg

Der Brasilianer war gerade einmal 21 Jahre alt, als er vom FC Porto an die Weser wechselte. Auf dem Rasen verzauberte der Kreativspieler schnell die Massen, teamintern gab es dennoch den einen oder anderen Streitpunkt. „Es ist nicht einfach für mich gewesen, Torsten Frings, Clemens Fritz, Miroslav Klose und Frank Baumann gegenüberzusitzen, die mich gebeten haben, nicht so viel Party zu machen“, schilderte Diego, der zu seiner aktiven Zeit bei Werder Bremen gern den Samstagabend im Bremer Nachtleben ausklingen ließ – auch wenn am Dienstag möglicherweise schon wieder in der Champions League gespielt wurde. Entsprechend sauer stieß das den Kollegen auf. „Das Erste, was ich gedacht habe, war, dass ich doch auf dem Platz die richtigen Resultate gebracht und meinen Job gemacht habe. Wenn dort etwas anderes passiert wäre, dann hätten sie mich kritisieren können“, erklärte der Südamerikaner.

Und genau an diesem Punkt gingen Torsten Frings und Co. irgendwann die Argumente aus, wie Clemens Fritz noch heute belustigt zu berichten weiß. Der heutige Fußball-Chef des SV Werder Bremen sagt im Gespräch mit der DeichStube über seinen ehemaligen Teamkollegen: „Er war ein super Typ, hatte aber auch seinen eigenen Kopf. Irgendwann kam Thomas Schaaf auf uns zu und meinte, wir sollten mit Diego sprechen, damit er nicht mehr so oft unterwegs ist.“ Und der 44-Jährige ergänzt: „Wir haben mit ihm geredet, er hat das auch akzeptiert – aber nur gemeint, dass wir darüber nochmal sprechen können, wenn er seine Leistung nicht mehr bringt. Da das nie der Fall war, hatten wir als Mannschaft wenig Argumente, und somit war das Thema schnell erledigt.“

Zauberer und Titelsammler: Die Karriere von Werder-Legende Diego in Bildern

Diego
Diegos Laufbahn begann in seiner brasilianischen Heimat beim FC Santos. Dort holte er 2002 und 2004 gemeinsam mit Robinho (li.) die brasilianische Meisterschaft. © imago
Diego
Nach seinem Wechsel zum FC Porto im Sommer 2004 ging die Titeljagd weiter: Im selben Jahr wurde Porto Weltpokalsieger, verteidigte den Titel 2005 und holte 2006 die portugiesische Meisterschaft. © imago
Zur Saison 2006/07 wechselte der kleine Dribbelkünstler an die Weser und wurde bei Werder in kürzester Zeit zum Leistungsträger und Publikumsliebling.
Zur Saison 2006/07 wechselte der kleine Dribbelkünstler an die Weser und wurde bei Werder in kürzester Zeit zum Leistungsträger und Publikumsliebling. © IMAGO / Sven Simon
In 132 Spielen für Werder Bremen erzielte Diego 54 Treffer selbst und bereitete 42 vor. Damit war er eine der Säulen des grün-weißen Erfolges in dieser Zeit.
In 132 Spielen für Werder Bremen erzielte Diego 54 Treffer selbst und bereitete 42 vor. Damit war er eine der Säulen des grün-weißen Erfolges in dieser Zeit. © IMAGO / Sven Simon
2008 gewann Werder-Bremen-Star Diego (l., gemeinsam mit Ronaldinho) bei den Olympischen Spielen in Peking die Bronzemedaille.
2008 gewann Werder-Bremen-Star Diego (l., gemeinsam mit Ronaldinho) bei den Olympischen Spielen in Peking die Bronzemedaille. © IMAGO / Sven Simon
2009 krönte er seine Laufbahn bei Werder Bremen mit einem Titel, dem DFB-Pokal. Das Finale im Uefa-Cup ging dagegen verloren, Diego fehlte gelbgesperrt.
2009 krönte er seine Laufbahn bei Werder Bremen mit einem Titel, dem DFB-Pokal. Das Finale im Uefa-Cup ging dagegen verloren, Diego fehlte gelbgesperrt. © IMAGO / ActionPictures
Diego war der absolute Superstar bei Werder Bremen. Auf seinem Höhepunkt entschied er sich für den Abschied, um zu einem Topclub zu wechseln.
Diego war der absolute Superstar bei Werder Bremen. Auf seinem Höhepunkt entschied er sich für den Abschied, um zu einem Topclub zu wechseln. ©  IMAGO / Hübner
Diego
Nach der Saison verließ er Werder und unterschrieb bei Juventus Turin, dort lief es allerdings nicht rund. Diego blieb nur ein Jahr... © imago
...und kehrte 2010 in die Bundesliga zurück - zum VfL Wolfsburg. An die torreiche Zeit bei Werder Bremen konnte Diego allerdings dort nicht anknüpfen.
...und kehrte 2010 in die Bundesliga zurück - zum VfL Wolfsburg. An die torreiche Zeit bei Werder Bremen konnte Diego allerdings dort nicht anknüpfen. © IMAGO / MIS
Diego
Im Sommer 2011 lieh ihn Atletico Madrid aus, in Spanien blühte er vor allem in der Europa League wieder auf. © imago
Diego
Am Ende der Saison 2011/12 gewann Atletico den europäischen Pokal tatsächlich, Diego steuerte drei Tore und neun Vorlagen bei. © imago
Die erste Spielzeit zurück beim VfL Wolfsburg wurde seine erfolgreichste dort, Diego traf 2012/13 zehn Mal.
Die erste Spielzeit zurück beim VfL Wolfsburg wurde seine erfolgreichste dort, Diego traf 2012/13 zehn Mal. ©  IMAGO / Team 2
Diego
In der Winterpause 2013/14 verpflichtete ihn dann Atletico Madrid erneut, als es in Wolfsburg nicht mehr richtig lief. Mit den Madrilenen wurde er zu Saisonende spanischer Meister. © imago
Diego
Nach einem halben Jahr war bei Madrid jedoch Schluss, Diego wechselte 2014 in die Türkei zu Fenerbahce Istanbul. Dort schoss er in zwei Jahren nur acht Tore, lieferte 13 Vorlagen. © imago
Diego Ribas da Cunha
Im Sommer 2016 ging es für Diego dann zurück in die brasilianische Heimat zu Flamengo Rio de Janeiro. © imago
Starke Auftritte verhalfen Diego zu einer Rückkehr in die brasilianische Nationalmannschaft – zum ersten Mal seit 2008. Anfang 2017 spielte er 45 Minuten beim 1:0-Sieg gegen Kolumbien.
Starke Auftritte verhalfen Diego zu einer Rückkehr in die brasilianische Nationalmannschaft – zum ersten Mal seit 2008. Anfang 2017 spielte er 45 Minuten beim 1:0-Sieg gegen Kolumbien. © IMAGO / Fotoarena
2019 und 2020 wurde Diego mit Flamengo Brasilianischer Meister, 2019 gewann er außerdem die Copa Libertadores (Bild), quasi die südamerikanische Champions-League.
2019 und 2020 wurde Diego mit Flamengo Brasilianischer Meister, 2019 gewann er außerdem die Copa Libertadores (Bild), quasi die südamerikanische Champions-League. © IMAGO / ZUMA Press Wire
Kurz vor seinem Karriereende gewann Diego auch 2022 mit Flamengo Rio de Janeiro noch einmal die Copa Libertadores – und durfte den immensen Pokal mit hochrecken.
Kurz vor seinem Karriereende gewann Diego auch 2022 mit Flamengo Rio de Janeiro noch einmal die Copa Libertadores – und durfte den immensen Pokal mit hochrecken. © IMAGO / Pressinphoto
Ende 2022 beendete Diego seine große Karriere. Insgesamt bestritt er für Flamengo 288 Pflichtspiele (44 Tore) und heimste viele Titel ein.
Ende 2022 beendete Diego seine große Karriere. Insgesamt bestritt er für Flamengo 288 Pflichtspiele (44 Tore) und heimste viele Titel ein. © IMAGO / Depositphotos
Zur 125-Jahre-Feier des SV Werder Bremen kehrte Diego als Star-Gast an die alte Wirkungsstätte zurück – und kündigte im Gespräch mit der DeichStube an, im Weserstadion sein Abschiedsspiel austragen zu wollen.
Zur 125-Jahre-Feier des SV Werder Bremen kehrte Diego als Star-Gast an die alte Wirkungsstätte zurück – und kündigte im Gespräch mit der DeichStube an, im Weserstadion sein Abschiedsspiel austragen zu wollen. © Andreas Gumz

So seht ihr das Abschiedsspiel von Werder Bremen-Legende Diego live und kostenlos im TV und Livestream!

Werder Bremen-Legende über Torsten Frings: „Am Anfang oft gestritten, am Ende prima verstanden“

Die Erinnerungen daran leben bis heute. „Ich habe vorhin noch mit Clemens darüber gelacht, als wir uns gesehen haben“, berichtete Diego grinsend, der am Samstag Seite an Seite mit Torsten Frings für fußballerische Ausrufezeichen im Weserstadion sorgen will. „Ich hoffe, dass mir Torsten ein Tor auflegt. Wir haben uns hier am Anfang oft gestritten, aber am Ende haben wir uns prima verstanden“, erklärte die Legende des SV Werder Bremen. „Ich respektiere ihn sehr, er war neben Frank Baumann oder Miroslav Klose einer der Spieler, die mir am meisten geholfen haben. Sie sind mir gegenüber immer loyal gewesen, am Ende wollten wir alle gewinnen. Und um zu gewinnen, musst du manchmal eine Diskussion haben. Das war gut für mich, für ihn und das Team.“ (mbü/bvo)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Contrast

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