Lob von Werner
Führungsfigur Friedl: Werder-Kapitän macht großen Entwicklungsschritt - und darf auf die EM hoffen
Marco Friedl hat sich beim SV Werder Bremen enorm entwickelt - auf und neben dem Platz. „Ich glaube, dass ich seit einigen Wochen gut drauf bin“, sagt der Mannschaftskapitän und hofft auf eine EM-Teilnahme.
Bremen – Im ersten Moment sah alles danach aus, als wäre Marco Friedl gleich zu Beginn ein folgenschwerer Fehler unterlaufen. Einer, der seine Mannschaft während des Auswärtsspiels bei RB Leipzig gut und gerne früh hätte in Rückstand bringen können. In der siebten Minute hatte der Kapitän des SV Werder Bremen einen langen Ball völlig falsch eingeschätzt, was Leipzigs Stürmer Lois Openda plötzlich freie Bahn zum Tor bescherte – oder besser: hätte beschweren können. Denn Friedl blieb dran. Verbiss sich praktisch in den Zweikampf mit dem Belgier und trennte ihn kurz vor dem Strafraum fair vom Ball. Am Ende war es einer von zahlreichen Zweikämpfen, die der 26-Jährige im Spiel gegen Leipzig für sich entschieden hatte, in 80 Prozent seiner Duelle blieb er Sieger. Dazu kamen eine überragende Passquote von 93 Prozent, 85 Ballkontakte und 9,54 Kilometer Laufleistung – Statistiken eines Leistungsträgers. Dazu hat sich Friedl in der laufenden Saison fraglos entwickelt, in Werders Abwehr gibt er längst den Ton an. Was die EM-Träume des Österreichers gut vier Wochen vor Turnierbeginn alles andere als unrealistisch wirken lässt.
Kapitän Marco Friedl im Formhoch beim SV Werder Bremen: „Ich glaube, dass ich seit einigen Wochen gut drauf bin“
„Ich versuche einfach, Woche für Woche ordentliche Spiele zu machen“, sagte Marco Friedl nach dem 1:1 des SV Werder Bremen in Leipzig, wohl wissend, dass ihm das in der vergangenen Zeit äußert regelmäßig gelingt: „Ich glaube, dass ich seit einigen Wochen gut drauf bin.“ In der Tat. Und mehr noch: Friedl hat in der laufenden Saison, seiner zweiten als Werders Kapitän, entscheidende Schritte nach vorne gemacht – auf und abseits des Platzes. Sportlich ist es dem Innenverteidiger gelungen, seine Leistungsschwankungen, mit denen er lange zu kämpfen hatte, in den Griff zu bekommen. Wechselten sich bei Friedl starke und schwache Auftritte in der Vergangenheit noch regelmäßig ab, steht er nun mindestens für ein stabiles Grundniveau, von dem aus die Ausreißer seit Längerem nur noch eine Richtung kennen: nach oben. Dabei profitiert der Linksfuß davon, dass er die für ihn beste Rolle auf dem Platz gefunden hat: im Zentrum der Dreierkette. Seit Friedl dort gesetzt ist, tritt er deutlich sicherer auf und kann seine Stärken im Spielaufbau besser einbringen als zuvor auf der linken Seite.
„Marco gibt uns unheimlich viel Stabilität. Er hat eine große Klarheit in seinem Spiel mit dem Ball“, lobt Cheftrainer Ole Werner. Und weiter: „Dazu ist er unheimlich zweikampfstark, ein sehr unangenehmer Gegenspieler.“ Auch von gesundheitlichen Rückschlägen – insgesamt acht Spiele hat Marco Friedl in der laufenden Saison verletzungsbedingt verpasst – ließ er sich nicht aus dem Rhythmus bringen, sondern fügte sich nach der Genesung wieder nahtlos ein. Wichtig für die Mannschaft war er auch in der Zwischenzeit. Werner hebt hervor: „Marco ist eine Führungspersönlichkeit, einer, der in vielen Situationen vorweg geht. Diese Entwicklung haben wir ihm immer zugetraut.“ Und doch dauerte es eine Zeitlang, ehe sie vollzogen war. Zur Erinnerung: Nachdem die Mannschaft den Abwehrspieler, der seit Winter 2018 bei Werder Bremen unter Vertrag steht, vor der Saison 2022/23 zum Kapitän gewählt hatte, musste er in das Amt zunächst nach und nach hineinwachsen. Dieser Prozess ist nun endgültig abgeschlossen. „Er kann sehr stolz sein auf den Weg, den er gegangen ist. Und dieser Weg wird auch noch nicht zu Ende sein“, betont Werner. Möglich, dass er Marco Friedl sogar zum Teilnehmer der EM in Deutschland macht.
Marco Friedl vom SV Werder Bremen hofft auf EM-Ticket - Lob von SVW-Trainer Ole Werner
Die Entscheidung darüber fällt am Ende Ralf Rangnick, der Nationaltrainer des ÖFB. „Ich bin im Austausch mit dem Trainer, und natürlich hoffe ich, dass ich dabei bin“, betont Marco Friedl, der von Rangnick zuletzt gutes Feedback bekam: „Er sagt, dass ich gut drauf bin und weiter Gas geben soll. Ich weiß, dass von jedem Spieler, der im Kreis der Nationalmannschaft dabei ist, die Auftritte verfolgt werden, aber ich versuche, mir da keinen großen Druck zu machen.“ Friedls Plan sieht vielmehr so aus: Gegen Bochum am letzten Bundesliga-Spieltag (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) die gute Form einmal mehr bestätigen – und dann: abwarten. Beim SV Werder Bremen jedenfalls, keine große Überraschung, würden sie ihrem Kapitän das EM-Ticket mehr als nur gönnen. Zwar wies Chefcoach Werner zunächst pflichtschuldig daraufhin, dass es nicht seine Entscheidung sei, sagte dann aber doch: „Ich wünsche allen unseren Jungs, die für die EM infrage kommen, dass sie eine etwas kürzere Sommerpause haben und dabei sein dürfen.“ Nachsatz: „Das gilt natürlich auch für Marco.“ (dco/kni)