Willkommen in der Nachspielzeit
Wie Ex-Werder-Profis nach dem Karriereende eine neue Laufbahn im Fußball starteten - Teil eins der Serie: „Vom Spieler zum Trainer“
Nach dem Karriereende starteten viele Ex-Profis des SV Werder Bremen eine neue Laufbahn im Fußball - Teil 1 der DeichStube-Serie: Vom Spieler zum Trainer!
Bremen – Wenn die Schuhe an den berühmten Nagel gehängt werden, gerät bei manchem Fußballer einiges aus dem Gleichgewicht. Das Leben nach dem Sport kann hart und unerbittlich sein. Aufmerksamkeit und Privilegien verschwinden, das zumeist üppige Gehalt fällt weg. Willkommen in der Nachspielzeit, in der viele Ehemalige im Fußballgeschäft bleiben, eine Karriere nach der Karriere starten. Wie es Ex-Profis des SV Werder Bremen dabei ergangen ist, zeigt eine dreiteilige Serie der DeichStube. Los geht es mit Spielern, die zu Trainern wurden, ehe sich Teil zwei den Berufsfeldern „Geschäftsführer“ und „Manager“ widmet. Den Abschluss der Serie bilden dann Bremer Ex-Profis als Berater und Scouts.
Etliche Akteure des SV Werder Bremen waren zu ihrer aktiven Zeit schon als Trainer im Nachwuchsbereich tätig
Bei der beruflichen Neuorientierung ehemaliger Spieler ist der Einstieg ins Trainerleben ein naheliegender Gedanke. Die Liste mit Werder-Namen, die sich Ruhm, Reputation und Rubel an der Seitenlinie verdient oder zumindest erhofft haben, ist lang. Zumal einige Bremer direkt innerhalb ihres Clubs angelernt wurden. Schon während ihrer Profilaufbahn waren etliche Akteure des SV Werder Bremen im Nachwuchsbereich aktiv, betreuten Jugendmannschaften. Eine Idee von Klaus-Dieter Fischer, dem legendären Vizepräsidenten. „Er war entscheidend für dieses Konzept“, betont Thomas Wolter, einer jener Profis, die diesen Werdegang hinter sich haben. Das schillerndste Beispiel ist aber ein anderer: Thomas Schaaf, dem 1987 eine Vertragsverlängerung als Spieler mit dem Einstieg als Jugendtrainer garniert wurde. Der Startschuss für eine ruhmreiche Karriere.
Gibt es also eine Art Werder-Trainerschule? Thomas Wolter, bis heute über 40 Jahre lang in verschiedenen Funktionen im Verein aktiv, überlegt lange. Dann antwortet er: „Ich denke, die Lust auf Fußball und die Beschäftigung mit dem Beruf ist entscheidend. Die Leidenschaft Fußball ist die Klammer, die Gemeinsamkeit.“ Verschieden verlaufen hingegen die Karrierepfade. Wolter, seit Kurzem wieder als Chefcoach für die Bremer U23 tätig, konnte und kann von Werder Bremen nicht lassen. Im Juni 2029 will er nach 45 Jahren beim Erstligisten in Rente gehen. Obwohl im Besitz der Fußballlehrer-Lizenz, verspürte er nie den Drang, „in den ganz großen Bereich einzusteigen“. Ähnlich erging es Günter Hermann, dem Weltmeister von 1990, der Inhaber eines Sportgeschäfts ist und seine Erfüllung in der Betreuung von Amateurclubs im Bremer Umland fand.
Ex-Werder-Bremen-Profi Mirko Votava über seine Zeit als Trainer beim VfB Oldenburg, SV Meppen und Union Berlin: „War dort nicht sonderlich beliebt“
Im Gegensatz zu den daheimgebliebenen Thomas Wolter und Günter Hermann sind viele Ex-Spieler des SV Werder Bremen, die für ein Traineramt „ausgewandert“ sind, nicht so richtig glücklich geworden. Wobei, ganz klar: Ausnahmen bestätigen die Regel. Norbert Meier etwa, der mit dem MSV Duisburg aufstieg. Die Gegenbeispiele: Nach sechs Spielzeiten im Werder-Nachwuchs versuchte etwa Frank Neubarth sein Glück bei Schalke 04 – und wurde nach neun Monaten beurlaubt. Es folgten Stationen bei Holstein Kiel in der Regionalliga, Carl Zeiss Jena in der 2. Liga, ehe zuletzt im März beim FC Verden 04 Schluss war, den Neubarth bis in die Oberliga geführt hatte. Mirko Votava heuerte einst nach Stationen beim VfB Oldenburg und SV Meppen bei Union Berlin an. „Eine schwere Zeit, ich war dort nicht sonderlich beliebt“, erinnert sich der ehemalige Nationalspieler, der zu Werder zurückkehrte, die zweite Mannschaft coachte und bis vor drei Jahren als Scout aktiv war.
Der prominenteste Heimkehrer ist Dieter Eilts, der Europameister von 1996. Nach fünf Jahren beim DFB, zuletzt verantwortlich für die U21, verdingte sich der Ostfriese bei Hansa Rostock, wo seine Entlassung zum Umdenken führte. Eilts verkündete: „Ich habe gemerkt, was ich nicht mehr will – und das ist der Profibereich.“ Von 2012 bis 2018 leitete er die Fußballschule des SV Werder Bremen. Heute ist er für die Kindertagesbetreuung einer Evangelischen Schule in Bremen verantwortlich.
Ex-Werder-Bremen-Profi Ludovic Magnin als Trainer mit dem FC Basel erfolgreich
Beim Blick auf die verschiedenen Lebensläufe fällt auf, dass diejenigen, die der berühmten Familie des SV Werder Bremen treu geblieben sind, weitaus besser gefahren sind: Beispielsweise Karl-Heinz Kamp, langjähriger Co-Trainer von Otto Rehhagel, Dieter Burdenski als legendärer Torwarttrainer oder auch sein Nachfolger Christian Vander, der bis heute im Amt ist.
Fachleute mit dem SV Werder Bremen als Hintergrund reüssierten jedoch auch andernorts, national und international. In der Schweiz ist Ludovic Magnin eine große Nummer, nicht erst seitdem er den FC Basel leitet. Landsmann Raphael Wicky, zuvor auch in der amerikanischen MLS unterwegs, eroberte mit den Young Boys aus Bern 2023 das Double. Vor anderthalb Jahren wurde er dennoch gefeuert. Hochs und Tiefs wechselten sich auch bei Valérian Ismaël ab, der von „einem holprigen Weg“ in seiner Vita als Trainer spricht. In Zahlen: Neun Vereine in zwölf Jahren, Stationen in Deutschland und Österreich, in Griechenland und der Türkei, zuletzt in England, momentan beim Zweitligisten Blackburn mit wechselndem Erfolg.
Aus dem Trio der Schaaf-Nachfolger als Cheftrainer des SV Werder Bremen aus dem eigenen Stall hat sich einer inzwischen von der Trainerzunft verabschiedet: Alexander Nouri. Nach Engagements in Ingolstadt, bei Hertha BSC Berlin sowie bei AO Kavala in Griechenland beendete er seine Laufbahn als Coach, blieb aber in anderer Funktion in der Branche (was in Serienteil 3 Thema wird). Viktor Skripnik wirkt nach einem erfolgreichen Intermezzo in Lettland, wo er mit Riga das Double gewann, inzwischen in seiner ukrainischen Heimat in Luhansk. Und Florian Kohfeldt poliert nach Jobs in Wolfsburg und im belgischen Eupen derzeit sein Image in Darmstadt wieder auf.
Ex-Werder-Bremen-Profi Benno Möhlmann avancierte mit 801 Spielen zur Trainerlegende der 2. Bundesliga
Um eine solide Basis im Trainerjob, die Exzentriker wie Mario Basler und Torsten Legat, nie erreicht haben, bemüht sich derweil Nuri Sahin. Nach glückloser Zeit in Dortmund ist er seit vier Monaten in seiner türkischen Heimat aktiv, bei Basaksehir FK in Istanbul, während Miroslav Klose (1. FC Nürnberg) in Deutschland ebenfalls versucht, sich nach einer großen Spielerkarriere einen Namen als Trainer zu machen. Gelungen ist das einst fraglos Rudi Völler (Deutschland) und Sepp Piontek (Dänemark), die es sogar bis zum Nationaltrainer schafften. Auch Andreas Herzog schnupperte internationale Trainerluft – als Assistent von Jürgen Klinsmann in den USA und in Südkorea sowie als Chefcoach des Nationalteams von Israel. Weltweites Aufsehen mit allerdings bitterer Note erregte Ex-Verteidiger Mladen Krstajic, einer der Double-Helden des SV Werder Bremen von 2004. Als serbischer Nationaltrainer sorgte er bei der WM 2018 für einen Eklat, als er den deutschen Schiedsrichter Felix Brych nach einer Niederlage gegen die Schweiz mit einem Kriegsverbrecher verglich.
Zum Abschluss von Serienteil eins noch zwei Besonderheiten, für die zwei Ex-Profis des SV Werder Bremen während ihrer Laufbahn an der Seitenlinie sorgten. Benno Möhlmann avancierte mit 801 Spielen zur Trainerlegende der 2. Bundesliga, während Uwe Reinders zum ersten „West-Coach“ wurde, der nach der Wende in der ehemaligen DDR einen Job übernahm. (hgk)
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