Willkommen in der Nachspielzeit
Die Manager: Wie Ex-Werder-Profis nach dem Karriereende eine neue Laufbahn im Fußball starteten – Teil zwei der Serie
Nach dem Karriereende starteten viele Ex-Profis des SV Werder Bremen eine neue Laufbahn im Fußball – Teil 2 der DeichStube-Serie: Vom Spieler zum Manager!
Bremen – Viele Fußballer arbeiten nach ihrer aktiven Karriere noch lange, nun ja: im Fußball weiter. Die DeichStube-Serie „Willkommen in der Nachspielzeit“ wirft einen Blick auf ehemalige Profis des SV Werder Bremen, die ihrem Sport treu geblieben sind, in ganz unterschiedlichen Rollen. Während es in Teil eins um Ex-Werder-Spieler ging, die sich als Trainer verdingten oder verdingen, beschäftigt sich Teil zwei nun mit den Geschäftsführern und Managern.
Werder Bremen-Ex-Profi Rune Bratseth schrieb als Sportdirektor in Norwegen Geschichte - und lehnte Werder-Job ab
Ein Leben ohne Fußball konnte er sich eigentlich nie vorstellen. Seit vier Jahren führt er nun aber ein solches Leben – und es fühlt sich für ihn, das hebt Rune Bratseth hervor, „ganz gut an, besser als gedacht“. Für einen christlichen TV-Sender in seiner Heimat Norwegen moderiert der 63-Jährige inzwischen ein Programm, in dem es um alles andere als um Fußball geht. Dabei hat er in dieser Sportart einst große Fußstapfen hinterlassen, nicht zuletzt am Osterdeich.
Von 1987 bis 1994 zählte der „Elch“, wie ihn Trainer Otto Rehhagel einst nannte, zu den Säulen einer enorm erfolgreichen Mannschaft – danach schrieb er in Norwegen, bei seinem Heimatclub Rosenborg Trondheim, sogar Fußballgeschichte. „Ich war der erste Sportdirektor in Norwegen“, erzählt Bratseth nicht ganz ohne Stolz. Gleich nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn wechselte er ins Management. Von 1995 bis 2007 führte er den Serienmeister aus Norwegen, danach gehörte er dem Vorstand an. Als Werder Bremen 2012 anfragte, ob er das Erbe des nach Wolfsburg abgewanderten Klaus Allofs annehmen wolle, lehnte er ab.
Werder Bremen-Ex-Spieler als Sportchefs: Klaus Allofs als Wegbereiter - Viele Manager machen Trainerschein
Rune Bratseth wollte in Trondheim bleiben, seine Priorität gehörte der Familie. Die war auch früher schon der Grund dafür gewesen, weshalb sich der Ex-Profi gegen eine Laufbahn als Trainer entschied. „Der Job ist mit vielen Reisen, mächtig Unruhe und häufigen Ortswechseln verbunden.“ Auf dem Weg hin zum Manager hatte der „Elch“ ein großes Vorbild: Werder-Legende Willi Lemke: „Ich habe viel von Willi mitgenommen und abgeguckt.“ Bratseth wurde zum Glücksfall für Rosenborg, zum Glücksfall für den norwegischen Fußball. So betrachtet taugt er als eines der Paradebeispiele für ehemalige Werder-Profis, die auf Funktionärsebene glänzten, auch wenn sein Weg in Deutschland freilich nicht annähernd so sehr im Scheinwerferlicht stand wie der seines ehemaligen Mitspielers Klaus Allofs, der mit Werder Bremen als Manager 2004 das Double gewann.
Interessant: Einige Bremer Ex-Profis, die später zu Sportchefs und Geschäftsführern wurden, ließen sich zunächst als Trainer ausbilden, auch wenn sie dieses Berufsfeld gar nicht favorisierten. „Ich wollte verstehen, was auf einen Trainer zukommt und wie ein Trainer tickt“, erklärt Clemens Fritz, heute als Werder Bremens Fußballchef aktiv. Auch sein direkter Vorgänger Frank Baumann (inzwischen Sportvorstand beim FC Schalke 04) legte den Trainerschein ab. Dass beide eine Funktionärslaufbahn bei Werder einschlugen, hatte wiederum viel mit Klaus Allofs zu tun, der sowohl Baumann als auch Fritz entsprechende Anschlussverträge offerierte. „Mein Plan war damals, nicht in Bremen zu bleiben“, berichtet Fritz. Das Angebot von Allofs habe ihn 2012 aber umdenken lassen.
Früher Spieler bei Werder Bremen, heute Manager: Per Mertesacker und Markus Krösche mit bemerkenswerten Karrieren
Andere Ex-Bremer haben sich derweil fernab vom Osterdeich einen Namen gemacht. In London ist Per Mertesacker sesshaft geworden und zu einer Marke gereift. Der „Big F*cking German“, wie die Fans des FC Arsenal ihn rufen, leitet seit 2018 die Fußballakademie des Clubs und hat sich einen tadellosen Ruf erworben. Gleiches lässt sich über Markus Krösche sagen. Der gebürtige Bremer war bei Werder im Nachwuchs und in der Reserve aktiv, blieb jedoch ohne Bundesliga-Einsatz. Sein großer Manager-Sachverstand fiel erstmals bundesweit auf, als ihm mit dem SC Paderborn der Durchmarsch von der 3. Liga bis in die Bundesliga gelang. Ein Husarenstück, das ihm die Eintrittskarte für die großen Bühnen bescherte. Krösche wurde Nachfolger von Ralf Rangnick bei RB Leipzig und Nachfolger von Fredi Bobic als Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt. Heute gilt er als König auf dem Transfermarkt, der verlässlich Mega-Deals abwickelt und viel Geld bewegt.
Nach Spieler-Karriere bei Werder Bremen werden Dietmar Beiersdorfer, Sebastian Prödl und nun Christian Brand Manager
Dietmar Beiersdorfer ist hingegen etwas aus dem großen Rampenlicht herausgerückt. Der Franke, von 1992 bis 1995 bei Werder Bremen, arbeitet neuerdings in Oberbayern, in Ingolstadt, 3. Liga. „Ich bin dankbar für die Arbeit im Sportbusiness“, sagt der Mann, der von 2009 bis 2011 „Head of Global Soccer“ im Red-Bull-Kosmos war und damit ein Vorgänger von Jürgen Klopp. Auch für den Hamburger SV war Beiersdorf im Einsatz, als Sportvorstand und als Vorstandsvorsitzender, ehe ihn sein Weg zu Zenit St. Petersburg führte.
Weitere Bremer Manager-Lebensläufe: Sebastian Prödl steht in Österreich den Nationalteams im Nachwuchs vor, Christian Brand, lange Cheftrainer der Bremer U23 wird nun stellvertretender Leiter der Trainerausbildung in der Schweiz. (hgk)
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