DeichStube-Interview
„Werner leitet die Truppe hervorragend“: Eintracht-Sportvorstand Krösche über Ex-Club Werder, Marmoush und den Top-Saisonstart
Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche lobt im DeichStube-Interview die Entwicklung von Werder Bremen unter Ole Werner und spricht über den Frankfurter Lauf sowie Omar Marmoush.
Bremen – Zugegeben, eine Weile ist seine Zeit in Grün-Weiß schon her. Von 1996 bis 2001 spielte Markus Krösche beim SV Werder Bremen, zunächst in der Jugend, dann bei den Amateuren. Seine Profi-Karriere verbrachte er dann beim SC Paderborn, wo er danach eine erfolgreiche Funktionärslaufbahn einschlug. Nach zwei Jahren als Sportdirektor bei RB Leipzig arbeitet der 43-Jährige seit 2021 als Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt. Vor dem Duell mit Werder am Samstag (18.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) ordnet Krösche im DeichStube-Interview den starken Saisonstart der SGE ein, spricht über den umworbenen Stürmer der Stunde, Omar Marmoush, und findet lobende Worte für Ex-Club Werder.
Vor Duell mit Werder Bremen: SGE-Sportvorstand Markus Krösche im Interview über DFB-Team und Eintracht Frankfurt
Ich gehe davon aus, dass Sie am Sonntag in Freiburg waren, um sich das Länderspiel gegen Bosnien und Herzegowina anzuschauen, Markus Krösche?
Nein. Nach den letzten Wochen mit vielen Spielen und Verpflichtungen war ich bei meiner Familie und habe das Spiel von zu Hause verfolgt.
Sie haben eine außergewöhnliche Partie gesehen. Waren Sie auch so fasziniert wie die meisten?
Julian Nagelsmann macht das sehr gut. Die Mannschaft hat eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, und wir haben wieder eine richtig gute Qualität. Es macht aktuell wieder Spaß, die Spiele der Nationalmannschaft zu schauen.
Der Bundestrainer hat auch für einen Höhepunkt aus Frankfurter Sicht gesorgt. In der alten Heimat Freiburg kam Robin Koch zu einem Einsatz.
Natürlich freuen wir uns für Robin. Er hat in den letzten Monaten bei uns konstant gute Leistungen gebracht und sich den Einsatz verdient.
Beim Studium der Nationalelf könnten Beobachter den Eindruck gewinnen, dass sich Vergleiche zur Frankfurter Eintracht anbieten. Beide Teams faszinieren mit einem überragenden Jahr. Stimmen Sie zu?
Wir müssen ein bisschen mit dem Verwenden von Superlativen aufpassen. Mit der ersten Jahreshälfte waren wir nicht zufrieden. Da lief vieles noch nicht rund. Mit dem Saisonstart können wir in allen Wettbewerben zufrieden sein. In der Liga haben wir nach zehn Spielen 20 Punkte gesammelt, wir stehen in der Europa League auf dem vierten Platz und stehen im Pokal-Achtelfinale. Es ist eine gute Momentaufnahme – aber auch nicht mehr zu diesem Zeitpunkt. Es ist nicht mal ein Drittel der Saison absolviert. Es ist einfach noch zu früh, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen.
Starkes Eintracht Frankfurt bleibt bescheiden: Markus Krösche über die Entwicklung von Werder Bremens nächstem Gegner
Auch Dino Toppmöller hat unlängst in einem Interview den Begriff Momentaufnahme benutzt. Haben Sie sich mit dem Trainer abgesprochen? Eine einheitliche Sprachregelung?
Nein, es beschreibt eben die Realität. Es ist bekannt, dass es im Fußball sehr schnell gehen kann. Wir stehen nun vor einer wichtigen Phase vor der Winterpause. In allen drei Wettbewerben erwarten uns noch wichtige Spiele. Los geht es am Samstag mit dem Spiel gegen Werder Bremen. Erst im Dezember, wenn diese Partien gespielt sind, zeichnet sich eine Tendenz ab, dann wird zu erkennen sein, ob wir uns gefestigt haben.
Die Eintracht hat schon gegen die vier Großen, sprich Rekordmeister Bayern, Titelträger Leverkusen, Mitfavorit Dortmund und Überraschungsteam Stuttgart, gespielt und sich behauptet. Das wertet die Punkteausbeute schon nochmal auf.
Ich widerspreche nicht. Doch ich bleibe dabei: Es ist ein guter Start von uns, mehr nicht.
Omar Marmoush geht nicht nur auf dem Platz, sondern auch verbal mehr in die Offensive. Zitat des Torjägers: Der VfB Stuttgart könnte für die Eintracht das Vorbild sein. Hat die Eintracht das Zeug dazu, die Schwaben als Überraschungself abzulösen?
Abwarten. Momentan läuft es super, wir haben eine gewisse Konstanz in unserem Spiel. Da müssen wir weitermachen, das müssen wir bestätigen. Unser Ziel bleibt weiterhin die Qualifikation für die Europa League.
Fußballerisch hat sich die Mannschaft entwickelt. Würden Sie sagen, dass zum herausragenden Konterfußball auch die Qualität hinzugekommen ist, mehr Tiefe und Dynamik ins Angriffsspiel zu bekommen?
Es ist sicherlich ein wichtiger Teil. Die Mannschaft agiert deutlich mehr zielgerichtet in Richtung Tor, es ist mehr Vertikalität im Spiel. Doch entscheidend ist auch, dass sich viele Jungs individuell weiterentwickelt haben. Alle sind ein Jahr weiter. Was auch für das Trainerteam um Dino gilt, der nun im zweiten Jahr Cheftrainer ist. Kurzum: Wir haben uns in allen Bereichen gesteigert. Es ist eine neue Qualität. Ein Beispiel: In der Liga steht die Mannschaft an dritter Stelle in der Kategorie, wer die meisten Großchancen herausspielt.
Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche vor Werder Bremen-Spiel über Frankfurts Sturmduo und Transfers
Das Frankfurter Offensivspiel lebt vom überragenden Duo Omar Marmoush und Hugo Ekitike – im Augenblick das beste Gespann in der Bundesliga?
Es gibt noch andere auffällige Duos. Ich denke an Undav und Demirovic in Stuttgart, Kane und Olise bei den Bayern, Guirassy und Gittens in Dortmund. Doch unsere beiden sind momentan sehr gut drauf.
Es gibt Verletzungssorgen um Ekitike, der wegen einer Innenbanddehnung vorzeitig von der U21 Frankreichs zurückgekehrt ist. Wie ist der Stand? Kann er gegen Werder Bremen eingeplant werden?
Er hatte ein bisschen Probleme nach dem Stuttgart-Spiel, doch es ist nichts Dramatisches. Er hat nun Pause gehabt und ist wieder normal im Training.
Wie ist die Planung? Bleibt es dabei, dass die Eintracht auf dem Transfermarkt im Winter nicht aktiv wird?
Wir streben an, unsere Mannschaft zusammenzuhalten, damit wir unsere sportlichen Ziele erreichen können. Es ist auch nicht vorgesehen, neue Spieler zu verpflichten.
Glauben Sie, einen Topstürmer wie Marmoush, der mit 26 Scorerpunkten in Europa auf sich aufmerksam gemacht hat, im Winter halten zu können?
Ja! Das ist das eindeutige Ziel.
Auch wenn lukrative Angebote für den Torjäger kommen? Es ist bekannt, dass Frankfurt ein Club ist, der Transfereinnahmen generieren muss.
Das ist richtig. Wir sind auf diese Gelder angewiesen. Doch ich halte an dem Vorhaben fest, im Winter-Transferfenster nicht aktiv werden zu müssen.
Zuletzt haben Sie bei den Verkäufen von Randal Kolo Muani nach Paris und Jesper Lindström nach Neapel rund 130 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Rekord mit einer unvorstellbaren Summe. Ist diese Bestmarke in Zukunft zu brechen?
Der Transfer von Kolo Muani war schon eine Ausnahme. Gerade für Frankfurt, es wird sich nur schwer wiederholen lassen.
Sie werden nicht nur für Ihre Einkaufspolitik gerühmt, sondern auch für die Trainerwahl gelobt. Sie kannten Dino Toppmöller aus gemeinsamen Zeiten in Leipzig. Eine mutige Entscheidung? Eine risikoreiche Personalie?
Ich kannte Dino schon länger, hatte seinen Werdegang in Belgien verfolgt und ihn auch als Co-Trainer nach Leipzig geholt. Wir sind natürlich froh, dass es so gut funktioniert. Dino hat einen großen Entwicklungsschritt gemacht, vom Assistenten zum Chef in der Bundesliga. Es war aus meiner Sicht kein Risiko, ihm dieses Vertrauen zu schenken. Dino hat Qualität, besitzt alle Fähigkeiten, hat rhetorisches Talent und die nötige Vermittlungskompetenz, um die Anforderungen optimal den Spielern nahezubringen.
Eintracht Frankfurts Sporvorstand Markus Krösche sieht Werder Bremen unter Ole Werner auf gutem Weg
Wie sehen Sie Werder Bremen, Ihren Ex-Club? Vergleichbar mit Frankfurt, weil beide von Transferlösen abhängig sind?
Bis auf die Bayern trifft das wohl auf fast alle Erstligisten zu, dass Budget durch Gewinne auf dem Transfermarkt auszugleichen. Ich finde, dass Werder es sehr gut macht. Auch den Übergang von Frank Baumann zu Clemens Fritz auf dem Sportchef-Posten haben die Bremer problemlos und ohne große Nebengeräusche gelöst.
Hat Werder seit dem Wiederaufstieg in Ihren Augen eine positive Entwicklung genommen? Hat sich Werder spielerisch gesteigert?
Auf jeden Fall, Ole Werner macht aus meiner Sicht einen guten Job und leitet die Truppe hervorragend. In Bremen sind viele gute Leute am Werk. Uns erwartet ein schwieriges Spiel gegen eine gute Mannschaft, die vor allem auswärts oft positiv aufgetreten ist. Wir müssen gewappnet sein.
Schlussfrage bezogen auf den Sensationscoup bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber: Hat Sie die Berufung von Jürgen Klopp in den Red-Bull-Zirkel erstaunt?
Es ist seine persönliche Entscheidung. Es ist eine spannende Aufgabe für ihn. Es wird sich zeigen, wie ihm dieser Job am Ende gefällt.