Werder souverän gegen Drittligisten

Der Rolle gerecht geworden: Werder Bremen siegt verdient in Cottbus - hat den ersten echten Stresstest aber noch vor sich

Für Ole Werner und den SV Werder Bremen dürfte der Blick bereits auf den Bundesliga-Auftakt gegen den FC Augsburg gerichtet sein.
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Für Ole Werner und den SV Werder Bremen dürfte der Blick bereits auf den Bundesliga-Auftakt gegen den FC Augsburg gerichtet sein.

Der SV Werder Bremen hat die Hürde Energie Cottbus im DFB-Pokal bravourös gemeistert. Doch wie aussagekräftig ist der Sieg gegen den Drittligisten für die neue Bundesliga-Saison?

Cottbus – Zu übersehen ist die Botschaft nicht, die Spieler laufen auf ihrem Weg zum Platz direkt darauf zu. Um wirklich ganz auf Nummer sicher zu gehen, hat der FC Energie Cottbus die folgenden Worte in fetten weißen Lettern auf roten Grund schreiben lassen und ganz ans Ende seines Spielertunnels gehängt: „Hier endet die Freundschaft.“ Das ist per se schon ein ziemlich markiger Spruch, der Kampfgeist und Arbeitermentalität des Ostclubs auf den Punkt bringt, und seine besondere Note erst dadurch entfaltet er, weil der FC Energie nunmal im Stadion der Freundschaft spielt. Schluss mit lustig, gleich tut’s weh, mit diesem Gefühl sollen die Gäste auf den Rasen kommen. Der SV Werder Bremen hat sich davon am Montagabend nicht beeindrucken lassen.

Trotz guter Leistung im DFB-Pokal: Energie Cottbus ist für Werder Bremen kein Gradmesser

Im Gegenteil. Nach einer insgesamt reifen Leistung feierte der Bundesligist beim Drittliga-Aufsteiger einen verdienten 3:1 (2:0)-Erfolg in der ersten Runde des DFB-Pokals, was fraglos für Schwung vor dem Bundesliga-Auftakt beim FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) sorgt. Als echte Standortbestimmung taugte der Auftritt in der Lausitz allerdings nicht. Wie gut die Bremer Abläufe bei höherem Gegnerdruck funktionieren, wird sich erst noch zeigen müssen.

Bevor Werder Bremens Cheftrainer Ole Werner nach dem Spiel auf der Pressekonferenz zu seinem Fazit ansetzen konnte, musste er kurz abwarten. Erst als das Intro, mit dem der FC Energie stets seinen Livestream der Medienrunde beginnt, zu Ende abgespielt war, ging es los. Und plötzlich sprach da ein doppelter Werner vom Podium. Einmal der Echte, klar, und einmal sein Abbild, das zeitgleich über einen Röhrenfernseher flimmerte. Eine irgendwie charmante Lösung, die ihren Zweck mehr als erfüllte, der es jedoch unübersehbar am letzten technischen Feinschliff fehlte. Das passte auf gewisse Art ganz gut zum fußballerischen Auftritt der Gäste.

Werder Bremens Ole Werner lobt, aber mahnt auch nach Sieg gegen Energie Cottbus

„Wir sind gut reingekommen ins Spiel. Dass wir uns viel vorgenommen hatten, war von der ersten Minute anzusehen“, sagte Werner, dessen Mannschaft die erste Hälfte dominiert und nach einem Doppelpack von Keke Topp (32./37.) mit einer 2:0-Führung beendet hatte. Möglich gewesen wäre sogar noch mehr, „aber leider waren wir in der Chancenverwertung nicht so effizient, wie wir es hätten sein können“, monierte Werner.

Nach der Pause genehmigte sich Werder Bremen dann eine rund 15-minütige Anlaufzeit, ehe die Mannschaft wieder so richtig am Spiel teilnahm. Cottbus kam auf, das Stadion entsprechend auf Temperatur, ehe Topps 3:0 für jähe Abkühlung sorgte (55.). Der Anschlusstreffer durch einen traumhaften Freistoß vom Ex-Bremer Henry Rorig fiel letztlich nicht mehr groß ins Gewicht (70.) – auch, weil sich die Hausherren durch den Platzverweis von Romario Hajrulla nach Foul an Werder-Keeper Zetterer selbst schwächten (78.). Souverän zu Ende spielte Werder die Partie allerdings nicht, die Gäste wirkten wackelig, ohne in ganz große Nöte zu geraten.

Werder Bremens Niklas Stark über das Spiel gegen Energie Cottbus: „Maßgeblich für die Bundesliga ist es aber nicht“

„In Überzahl hätten wir es souveräner und klarer zu Ende bringen müssen“, hielt Werner fest. Wie es schon der verschlafene Beginn in den zweiten Durchgang offenbart hatte, zeigte auch diese Phase, dass bei Werder Bremen längst noch nicht alles funktioniert. Die grundsätzlichen Abläufe, die Werner seinem Team in der Saisonvorbereitung antrainiert hat, waren während des Spiels zwar mehrfach zu sehen (und auch von Erfolg gekrönt). Die Stabilität, um Stresssituationen zu überstehen, fehlte ihnen jedoch noch. Viele solcher Momente gab es in Cottbus nicht, was mit der Qualität des Gegners zu tun hatte. Gegen Augsburg dürfte das am kommenden Wochenende schon anders aussehen.

„Unter dem Strich war es eine gute und souveräne Leistung für das erste Pflichtspiel“, sagte Werner. Seine Relativierung am Ende des Satzes brachte es dabei gut auf den Punkt. „Jetzt geht es darum, dass wir uns auf Augsburg ausrichten, um dort auch in der Bundesliga einen guten Start zu finden.“ Unwahrscheinlicher ist das nach dem Erfolg im Pokal ganz sicher nicht geworden. Aber bei Werder Bremen wissen sie schon ganz gut, wie das Cottbus-Spiel einzuordnen ist. „Es ist schön, dass wir weitergekommen sind und jetzt mit breiter Brust nach Augsburg fahren können“; sagte Werder-Verteidiger Niklas Stark vor dem Duell mit dem FCA am Samstag (15.30 Uhr live im TV und im Stream) – und fügte an: „Maßgeblich für die Bundesliga ist es aber nicht.“ (dco)

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