Nach Werders 1:1 gegen RB Leipzig
„Eine tolle Entwicklung“: Dank Werners Werder-Weg hoffen die Grün-Weißen auf Europa als Krönung - sind aber auch so schon stolz
Dank Ole Werners Weg der fußballerischen Weiterentwicklung hoffen sie beim SV Werder Bremen noch auf die Qualifikation für Europa als Krönung der Saison. Und doch sind sie schon jetzt stolz auf die Arbeit.
Leipzig/Bremen – Das i-Tüpfelchen hatte noch gefehlt in Form des Siegtreffers. Doch Ole Werner wollte sich nun wirklich nicht über das 1:1 (1:0) bei RB Leipzig ärgern, den ersten Punktgewinn des SV Werder Bremen in der Red-Bull-Arena im siebten Versuch. Der Trainer brachte lieber seinen Stolz über die Leistung des Teams zum Ausdruck und machte noch mal ein bisschen Eigenwerbung. Es ging ihm dabei vor allem um das Vorankommen der einzelnen Spieler und der ganzen Mannschaft. Da schlägt Werner im Umfeld trotz des Aufstiegs und zwei fast sorgenfreier Saisons eine gewisse Skepsis entgegen. Das will er offenbar nicht mehr widerstandlos hinnehmen. Und er ist auch noch nicht fertig mit der Saison, hat die Tabelle fest im Blick – und Europa im Hinterkopf.
„Es ist eine tolle Entwicklung – fußballerisch, aber auch in der Art und Weise, wie man auf dem Platz miteinander umgeht“, betonte der 36-Jährige. Eine Woche zuvor hatte er nach dem 2:2 gegen Mönchengladbach extra hervorgehoben, dass zehn Spieler aus der Startelf bereits in der 2. Liga für Werder Bremen im Einsatz waren. Ohne eine entsprechende Weiterentwicklung würden die gewiss nicht so gut wie jetzt in der Bundesliga funktionieren, lautete sein alles andere als dezenter Hinweis.
RB Leipzigs Marco Rose kontert Ole Werner: „Wenn Werder Bremen nah am Optimum war, waren wir ganz weit weg davon“
Ein Marvin Ducksch gehört auch zu diesen Spielern – und der lobte ausdrücklich den Matchplan seines Trainers: „Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.“ Und das ist inzwischen weitaus mehr, als nur gut zu verteidigen. Wenngleich das wirklich sehr gut funktioniert. Aber Werder Bremen traut sich mehr, oder wie es Leonardo Bittencourt in bester Fußballer-Sprache ausdrückt: „Wir haben die Eier, Fußball zu spielen, lassen die Bälle laufen und bewegen uns. Jeder will den Ball haben und weiß, wie der andere tickt. Es hat sich alles eingegroovt.“ Dabei spielt auch Michael Zetterer eine wichtige Rolle. Der Keeper ist immer anspielbar und behält auch bei kniffligen Pässen die Ruhe. Das überträgt sich auf die Kollegen, die in Leipzig zuweilen richtig ansehnlich kombinierten, dabei Ball und Gegner geschickt laufen ließen. Zwischenzeitlich war nicht auszumachen, wer in der nächsten Saison definitiv in der Champions League spielen wird und wer sich vor einer Woche noch über den Klassenerhalt gefreut hat. „Wir waren nah an dem Optimum, was wir spielen wollen und können“, schwärmte Ole Werner, der sich nach dieser Einschätzung bei der Pressekonferenz einen durchaus bösen Konter von Leipzig-Coach Marco Rose einfing: „Wenn Werder ganz nah am Optimum war, dann waren wir ganz weit weg davon.“
Werder Bremen holt einen Punkt gegen RB Leipzig - Ole Werner: „Das Unentschieden ist verdient“
Womit sich mal wieder die Gretchenfrage stellte: War die eine Mannschaft jetzt so gut oder die andere so schlecht? Werder Bremen interessierte das herzlich wenig. Wie schon auf dem Platz genoss das eigene Spiel mehr Aufmerksamkeit. Und dazu gehörte dann auch Selbstkritik. Denn die Führung durch ein Eigentor von Nicolas Seiwald (36.) wurde nicht ohne Grund von Benjamin Sesko (61.) egalisiert. RB Leipzig war nach der Pause drückend überlegen. „Das Unentschieden ist verdient“, urteilte Ole Werner: „Die Leipziger haben in der zweiten Hälfte früher lange Bälle gespielt, wodurch es hektisch wurde und sie schneller in ihr Gegenpressing kamen. Daraus konnten wir uns nicht richtig befreien.“
Da würde Friedl gerne ansetzen. Der Kapitän des SV Werder Bremen will sich nicht damit zufriedengeben, dass sein Team nur phasenweise Top-Niveau erreicht. „Wenn wir ans Limit kommen, sind Spiele wie gegen Bayern und Stuttgart möglich“, erinnerte der Österreicher an die vielleicht größten Siege in dieser Saison und fügte dann vielsagend an: „Heute hatten wir 45 Minuten davon. Wir werden versuchen, das in der nächsten Saison öfter auf den Platz zu bringen.“
Werder Bremen vorm Saisonfinale um Europa gegen den VfL Bochum: „Da wird die Hütte nochmal brennen“
Doch vorher steht noch eine andere Aufgabe an – eine ziemlich schöne sogar. „Es macht gerade Riesenspaß. Wir haben noch ein Heimspiel. Da wird die Hütte nochmal brennen, und wir wollen den Fans drei Punkte schenken“, blickte Bittencourt auf die Partie am Samstag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) gegen den VfL Bochum. Der Mittelfeldspieler würde nur zu gerne das erreichen, „was keine Sau in Bremen von uns erwartet hätte“. Heißt: Die Rückkehr nach Europa! Es wäre die Krönung einer Saison, was natürlich auch ein Cheftrainer Ole Werner gerne erreichen würde. „Wir werden alles reinlegen in die Woche, um drei Punkte zu holen und uns dadurch in der Tabelle noch zu verbessern. Wir wollen die Saison bestmöglich beenden“, betonte er in Leipzig. Damit aus dem Europa-Traum vielleicht doch noch etwas wird, sind die Bremer am 34. Spieltag neben einem eigenen Sieg aber auch auf passende Ergebnisse der Konkurrenz angewiesen. (kni)