DeichStube-EM-Tagebuch
Klingelnde Ohren zwischen Badekappen und Eierschalen – sieben Tage, drei Spiele, ein Reporter: Das DeichStube-EM-Tagebuch, Teil 3
Bremen - Die Europameisterschaft läuft, eine Woche lang ist auch Werder-Bremen-Reporter Malte Bürger für die DeichStube mittendrin im Geschehen. In seinem EM-Tagebuch gewährt er spannende Einblicke hinter die Kulissen, schildert seine Erlebnisse aus den Stadien und drumherum. Heute: Teil 3.
Sie haben umgebaut. Extra für die EM. Der Medienraum im Volksparkstadion wurde deutlich üppiger gestaltet als im herkömmlichen Ligabetrieb. So kommt aktuell nicht nur der Raum für die Pressekonferenz größer daher, auch taucht man als Journalist in Bereiche ein, die beim heimischen Hamburger SV, dem Erzrivalen des SV Werder Bremen, sonst eher nicht für öffentliche Augen bestimmt sind. Mehr als ein paar Blicke riskiert aber niemand, an geschlossenen Türen wird trotz größter Verlockung nicht gerüttelt.
Knackige Schlagworte aus dem Fußball-Kosmos wurden einst an die blauen Wände gepinselt, eine Säule trägt die Aufschrift Pfosten. Allerdings in derart unübersehbaren Lettern, dass ein Schelm schnell Böses denken könnte. Sollte man es etwa mit dem SV Werder Bremen halten und nur zu gern über den ungeliebten Nordrivalen sowie dessen anhaltende Aufstiegsallergie in Liga zwei spotten, könnte man doch glatt auf die Idee kommen, dass die nicht erstligatauglichen Leistungen der HSV-Profis kein Wunder sind, wenn den Spielern tagtäglich derart prominent dieses Wort ins Auge sticht – schließlich hat sich „Pfosten“ längst als wenig schmeichelnde Neckerei im deutschen Sprachgebrauch etabliert.
Zum Nachlesen: Das DeichStube-EM-Tagebuch, Teil 2: Nichts für feine Nasen: Auf Stimmenfang im Pumakäfig!
Werder-Bremen-Reporter Malte Bürger: Überragende Stimmung beim EM-Spiel zwischen Kroatien und Albanien in Hamburg
Doch eigentlich geht es an diesem Tag ja gar nicht um die Gastgeber. Kroatien und Albanien geben sich im zweiten Gruppenspiel der Europameisterschaft die Ehre, die Fans sorgen bereits vor dem Stadion für eine überragende Stimmung. Im Inneren wird direkt die nächste Eskalationsstufe gezündet, meine Ohren klingeln aufgrund der unglaublichen Lautstärke beider Lager auch weit nach Abpfiff noch. Und auch optisch wissen die Anhänger zu überzeugen, was vor allem an prägnanten Kopfbedeckungen liegt. Viele Kroaten haben die typisch karierten Badekappen der heimischen Volkssportart Wasserball übergestreift, albanische Männer präsentieren voller Stolz die Qeleshe. Diese erinnert zwar auf den ersten Blick an die Eierschale auf dem Kopf der Comicfigur Calimero – ist aber natürlich so viel mehr: ein echtes Nationalsymbol. Sogar ein albanischer Kollege auf der Medientribüne hat ein Exemplar auf dem Schädel und kann sein Glück beim späten Ausgleichstor kaum fassen, tanzt um seinen Platz, nimmt den Nebenmann in den Arm. Das schafft nur der Fußball. Und ich nehme gern noch mehr davon. (mbü)