DeichBlick-Kolumne
Ex-Bremer Jurica Vranjes: „Europa käme zu früh für Werder und könnte gefährlich werden“
Von Jurica Vranjes. Gott sei Dank hat Werder Bremen nach dem schlechten Lauf die Kurve gekriegt. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Denn das Thema Abstieg ist für dich als Profi wirklich nicht angenehm, das steckt in deinem Kopf drin. Das haben Trainer und Mannschaft wirklich gut gemacht, jetzt muss keiner mehr zittern.
Natürlich träumen viele nun schon von Europa. Werder Bremen gehört da als Verein auch unbedingt wieder hin, aber noch nicht jetzt! Europa käme zu früh für Werder und könnte gefährlich werden. Der Kader ist dafür nicht gut und groß genug. Es müssten viele Spieler dazukommen. Das kostet nicht nur Geld. Wenn du früh ausscheidest, dann wird es schwierig, die vielen Spieler in deinem Kader bei Laune zu halten. In der Vergangenheit sind viele Clubs in der Liga abgeschmiert, nachdem sie sich überraschend für das internationale Geschäft qualifiziert hatten. Außerdem ist die Conference League nicht wirklich attraktiv. Ich sage immer zum Spaß: Du kriegst zwar für ein Spiel 300.000 Euro, du hast aber auch Kosten von 290.000 Euro. Aber so ähnlich ist das wirklich. Du musst als Verein schon richtig weit kommen, um dort Geld zu verdienen. Für Werder wäre es deshalb besser, sich noch mehr zu stabilisieren und erst in der Bundesliga den nächsten Schritt zu machen.
Werder Bremen-Ex-Profi Jurica Vranjes in der DeichBlick-Kolumne über Europa-Träume und Clemens Fritz‘ neue Rolle
Bald ist die Ära Frank Baumann vorbei und Clemens Fritz übernimmt als Geschäftsführer. Clemens wird schon jetzt alle wichtigen Entscheidungen treffen. „Baumi“ hat es gut gemacht, auch wenn das einige nicht glauben wollen. Aber die finanziellen Bedingungen in Bremen sind schwierig geworden. Ohne Geld bist du im Fußball tot, und bei Werder ist nicht mehr so viel Geld. Deswegen ist die sportliche Entwicklung in den letzten Jahren gut gewesen. Daran kann Clemens nun anknüpfen und Werder noch mehr voranbringen. Ich traue ihm das absolut zu.
Die Planungen für die neue Saison laufen längst, aber mit dem sicheren Klassenerhalt kannst du nun noch früher Entscheidungen treffen – das ist ein großer Vorteil, den Werder Bremen im Kampf um gute Spieler und vor allem Talente nutzen muss. Wichtig wird sein, dass die Mischung stimmt. Es braucht einen Stamm von erfahrenen Spielern, die der Mannschaft Halt geben. Ob Marvin Ducksch das kann, weiß ich nicht. Zuletzt war er wieder sehr wertvoll für das Team. Mal schauen, was er selbst will. Ich bin erst mal froh, dass ich mir um Werder keine Sorgen machen muss.