Werder kurz vor Klassenerhalt

In bester Ausgangslage: Nach dem Sieg in Augsburg hat Werder nach unten Luft – und nach oben plötzlich wieder Chancen

Der SV Werder Bremen feiert einen 3:0-Sieg gegen den FC Augsburg und hat den Klassenerhalt so gut wie sicher: Marvin Ducksch (l.) denkt wieder an Europa, Romano Schmid (M.) bremst.
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Der SV Werder Bremen feiert einen 3:0-Sieg gegen den FC Augsburg und hat den Klassenerhalt so gut wie sicher: Marvin Ducksch (l.) denkt wieder an Europa, Romano Schmid (M.) bremst.

Nach dem Sieg gegen den FC Augsburg hat der SV Werder Bremen den Klassenerhalt so gut wie sicher. Wird Europa nun doch noch einmal Thema? Bei Werder geht man damit unterschiedlich um.

Augsburg – Der FC Augsburg hatte sich für den Samstag wahrlich einiges einfallen lassen, um an eine historische Saison aus seiner langen Vereinsgeschichte zu erinnern. Am Morgen bereits machte sich ein etwa 300 Fahrzeuge starker Motorroller-Korso bei bestem Frühlingswetter in der Innenstadt auf den Weg zum Stadion, wo später, während des Heimspiels gegen den SV Werder Bremen, einige der Helden von einst zu Gast sein würden. 1974, also vor 50 Jahren, hatten sich die Augsburger sensationell die Meisterschaft in der Regionalliga Süd gesichert. Anlässlich des Jubiläums lief die aktuelle Mannschaft gar in Sondertrikots auf, die denen von früher nachempfunden waren. Das Problem aus Sicht der Hausherren war allerdings: Der SV Werder spielte an diesem Augsburger Feiertag nicht mit, sondern beging mit seinem 1.000. Auswärtsspiel in der Bundesliga einen eigenen.

Werder Bremen hat den Klassenerhalt so gut wie sicher: Neun Punkte Vorsprung und ein klar besseres Torverhältnis

Dabei traten die Gäste als enorm unangenehmer, weil starker Gegner auf – und dämpften durch ihren verdienten 3:0-Erfolg merklich die Stimmung der 30.660 Zuschauer. „Die Jungs haben einen super Job gemacht“, schwärmte Cheftrainer Ole Werner, dessen Bremer den Klassenerhalt nach dem 31. Spieltag rechnerisch zwar noch nicht endgültig sicher haben, angesichts von neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang und einer um acht Treffer besseren Tordifferenz gegenüber dem dort platzierten 1. FSV Mainz 05 aber doch beruhigt in die letzten drei Begegnungen der Saison gehen dürfen. Und mehr noch: Sogar vorsichtig wieder von Europa träumen können.

„Wir haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht“, hielt Werder Bremens Mittelfeldspieler Romano Schmid nach dem Schlusspfiff fest – und schob hinterher: „Gerade hier in Augsburg, wo es immer sehr schwer ist. Das haben wir ja in der ersten Halbzeit gemerkt.“ In der Tat hatten sich beide Mannschaften vor der Pause noch eine ausgeglichene Partie geliefert, in der die Gäste zwar die besseren Abschlüsse verzeichneten, insgesamt aber noch nicht zwingend genug agierten. Felix Agu fasste das so zusammen: „Wir hatten in der ersten Hälfte schon die Räume, haben es aber noch nicht konsequent zu Ende gespielt. Das haben wir uns in der Kabine für die zweite Hälfte vorgenommen.“ Was dann bereits kurz nach Wiederanpfiff Früchte trug.

Werder Bremen kurz vor Klassenerhalt: Team hat gegen FC Augsburg „wirklich alles, was wir uns vorgenommen haben, umgesetzt“

Nach einer Freistoß-Flanke des starken Marvin Ducksch war es Schmid, der am langen Pfosten goldrichtig stand und ungedeckt zur Führung traf (52.). „Das hat uns die Tür geöffnet“, betonte Agu, der am zweiten Treffer des SV Werder Bremen selbst großen Anteil hatte – immerhin holte der 24-Jährige den Foulelfmeter heraus, den Ducksch zum 2:0 verwertete (61.). Für den Schlusspunkt sorgte in der 90. Minute der eingewechselte Olivier Deman.

„Wir haben heute wirklich alles, was wir uns vorgenommen haben, umgesetzt“, freute sich Trainer Werner, „da gibt es wenig, was man als Kritikpunkt haben könnte“. Nach dem überraschenden 2:1-Heimerfolg über den VfB Stuttgart ist es Werder Bremen also gelungen, den Schwung mitzunehmen. Werners Systemanpassung in der Offensive, wo Schmid (teilweise als Spitze neben Ducksch) und auch Nick Woltemade (im Achter-/Zehnerraum) neuerdings in veränderten Rollen agieren, hat der Mannschaft sichtlich gutgetan. Was sich wiederum in den Ergebnissen widerspiegelt und dafür sorgt, dass mit nunmehr 37 Punkten auf dem Konto in den verbleibenden drei Spielen gegen Gladbach, Leipzig und Bochum schon alles schiefgehen müsste, damit der Klassenerhalt nochmal ins Wanken gerät. Das ist natürlich auch Werders Leiter Profifußball Clemens Fritz bewusst, wenn er sagt: „Wir können alle die Tabelle lesen und wissen, wie die Situation ist. Man sieht wieder, wie wichtig es ist, dass wir nur von Woche zu Woche schauen. Rein rechnerisch ist noch nichts fix, deshalb ist es umso bedeutender, dass wir nur auf uns schauen und gar nicht auf die anderen – weder nach oben noch nach unten.“

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Nach Sieg gegen FC Augsburg: Werder Bremen-Profi Marvin Ducksch denkt an Europa, Kollegen treten auf die Bremse

Dabei ist der Blick auf den nur noch zwei Punkte entfernten Tabellenplatz acht, der voraussichtlich das Tor nach Europa öffnet, durchaus reizvoll. Während sich Marvin Ducksch in dieser Sache ziemlich forsch äußerte, traten seine Mitspieler und sein Trainer mächtig auf die Bremse. „Ich schaue von Spiel zu Spiel. Wir haben jetzt wieder ein geiles Heimspiel gegen Gladbach, das wir gewinnen wollen. Dann gucken wir, wo wir am Ende tatsächlich stehen“, sagte Schmid. Während Werner zu Protokoll gab: „Darüber können sich gerne andere den Kopf zerbrechen. An meiner Herangehensweise hat sich nichts geändert: Wichtig ist für mich nur das nächste Spiel.“ Und auch Clemens Fritz hob hervor: „Grundsätzlich wollen wir niemanden bremsen, aber wenn wir die Uhr nur acht Tage zurückdrehen, dann hatten wir noch eine ganz andere Situation.“

Stimmt. Nach den beiden Siegen über den FC Augsburg und den VfB Stuttgart haben sich für Werder Bremen inzwischen aber neue Möglichkeiten eröffnet. „Wichtig ist, dass wir Woche für Woche unsere Arbeit machen – und wenn wir das tun wie zuletzt, dann werden wir noch Punkte holen und schauen dann mal, was dabei herauskommt“, sagte Fritz. (dco/mbü)

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