Duell mit dem Ex-Bremer

Wiedersehen mit dem Top-Talent: Werder trifft in Gladbach auch auf einen gereiften Fabio Chiarodia

Wiedersehen mit dem Top-Talent: Werder Bremen trifft beim Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach auch auf einen gereiften Fabio Chiarodia.
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Wiedersehen mit dem Top-Talent: Werder Bremen trifft beim Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach auch auf einen gereiften Fabio Chiarodia.

Fabio Chiarodia spielte von 2014 bis 2023 beim SV Werder Bremen und wechselte vor der Bundesliga-Saison zu Borussia Mönchengladbach. Am Freitagabend (20.30 Uhr) trifft der 18-Jährige mit seinem neuen Club erstmals auf seinen Ex-Verein - wo man dessen Entwicklung genau beobachtet.

Bremen – Die Freude war groß. So groß, dass Fabio Chiarodia am Mittelkreis beherzt Anlauf nahm und ein paar Meter auf den Knien rutschte. Der Haken an der Sache: Als der 18-Jährige wieder aufstehen wollte, krampfte prompt der rechte Oberschenkel. Was zwar kurios aussah, aber irgendwie nur zu verständlich war. Denn der einstige Jungprofi des SV Werder Bremen hatte gerade 120 Minuten lang für seinen neuen Club Borussia Mönchengladbach auf dem Rasen gestanden. Im Achtelfinale des DFB-Pokals war das, in der vergangenen Woche bezwang sein Team den VfL Wolfsburg mit 1:0 nach Verlängerung. Und Chiarodia stand dabei erstmals seit seinem Wechsel von der Weser an den Niederrhein in einem Pflichtspiel in der Startelf. Am kommenden Freitag kommt es für den gebürtigen Oldenburger zum Wiedersehen mit Werder, ab 20.30 Uhr (im DeichStube-Liveticker) ist sein Ex-Verein im Borussia-Park gefordert. Und womöglich darf Chiarodia auch selbst versuchen, seine einstigen Weggefährten zu ärgern.

Werder Bremens Clemens Fritz über Fabio Chiarodia: „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir ihn sehr gerne gehalten hätten“

„Fabio nimmt eine sehr positive Entwicklung. Wir sind von seinen Qualitäten absolut überzeugt“, lobt Gerardo Seoane, Chefcoach von Borussia Mönchengladbach, den Youngster. Der 45-jährige Schweizer hatte schon zu Leverkusener Zeiten ein Auge auf das Abwehrtalent geworfen, im vergangenen Sommer lotste er Fabio Chiarodia dann zu den Borussen. Zwei Millionen Euro kassierte der SV Werder Bremen damals an Ablöse – dabei hätten sie den Spieler viel lieber selbst behalten und geformt. Doch der italienische Junioren-Nationalspieler hatte andere Pläne, sah in Mönchengladbach die bessere Perspektive für sich und seine weitere Entwicklung. Werders Verantwortliche müssen somit aus der Ferne zusehen, wie Chiarodias Reifeprozess voranschreitet. „Natürlich schaue ich mir an, wie sich die Jungs entwickeln, die uns verlassen haben. Bei Fabio ist das nicht anders“, sagt Clemens Fritz als Leiter Profifußball im Gespräch mit der DeichStube. „Er hat inzwischen seine ersten Einsätze für Gladbach bekommen und wird seinen Weg gehen. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir ihn sehr gerne gehalten hätten, um ihn in seiner Entwicklung weiter zu begleiten. Am Ende hat er sich anders entschieden. Jetzt freuen wir uns darauf, ihn am Freitag wiederzusehen.“

Ex-Werder-Bremen-Talent Fabio Chiarodia stand bisher in vier Bundesliga-Partien für Borussia Mönchengladbach auf dem Platz

Welche Rolle der junge Verteidiger dann spielen wird, ist nur bedingt absehbar. In der Bundesliga durfte Fabio Chiarodia bislang in lediglich vier Partien ran. Anfangs musste er sich noch in fünf Regionalliga-Spielen mit der zweiten Mannschaft beweisen, bei der ersten Garde blieb er dagegen lange Zuschauer. Erst am neunten Spieltag gab es gegen Heidenheim den ersten Kurzeinsatz, eine Woche später den zweiten in Freiburg – bei dem der frühere Akteur des SV Werder Bremen prompt in der Nachspielzeit einen Elfmeter verursachte, der aus einem möglichen Auswärtssieg ein 3:3 machte. Anfang Dezember erhielt er dann zunächst beim 2:1-Erfolg von Borussia Mönchengladbach gegen Hoffenheim eine 36-minütige Bewährungschance, ehe er drei Tage später den großen Pokalauftritt erlebte.
 
Doch der beinhaltete einige Schwankungen. „Man hat ihm angemerkt, dass er nicht ganz so sicher wie im Training war. Es ist etwas anderes, ob es ein Training ist, man zehn Minuten in ein Spiel reinkommt oder von Beginn an spielt, wo man sich von Anfang an mit dem Spiel beschäftigen muss und vor Augen hat, dass im Pokal ein Fehler das Ausscheiden bedeuten kann“, erklärte Gerardo Seoane im Nachgang. Und genau dieser Fehler war Fabio Chiarodia eigentlich unterlaufen. Die regulären 90 Minuten waren just vorbei, es lief bereits die Nachspielzeit. Plötzlich produzierte der Defensivakteur von Borussia Mönchengladbach einen bösen Querschläger, wodurch der Ball bei Wolfsburgs Yannick Gerhardt landete. Der wiederum passte zu Jonas Wind, doch der VfL-Stürmer schoss aus acht Metern ganz knapp am Tor vorbei und verhinderte so einen Chiarodia-GAU. Zuvor hatte der 18-Jährige bereits im Fokus gestanden, als ihn eine Abseitsstellung rettete, nachdem er nach einer Gladbacher Ecke eine Riesenchance vergeben und den Ball dabei aus kürzester Distanz volley über das leere Tor bugsiert hatte.

Ex-Werder-Bremen-Talent Fabio Chiarodia: „Ich versuche, insbesondere meinen rechten Fuß und meine Kopfbälle zu verbessern“

„Er kann extrem viel mitnehmen“, meinte Gerardo Seoane, nachdem es doch noch ein guter Abend aus Sicht von Borussia Mönchengladbach geworden war. „Ich war zufrieden mit ihm. Aber wir sehen auch, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Die Leistung an sich war weniger gut als Fabio eigentlich spielen kann. Aber das ist auch normal gegen so starke Stürmer.“ Auf 138 Ballaktionen hatte es Fabio Chiarodia am Ende gebracht – und damit einen Pokal-Rekord aufgestellt. Noch nie in der Historie des Wettbewerbs hatte ein Profi in diesem Alter einen besseren Wert vorzuweisen. „Bei Borussia Mönchengladbach komme ich gut zurecht. Es gibt viele ausländische Spieler im Kader, deshalb lerne ich Englisch und Französisch, denn wir sprechen viel Französisch“, berichtete Chiarodia kürzlich in einem Interview mit dem italienischen Portal „Cronache di Spogliatoio“ und sprach auch über seine derzeitigen sportlichen Hauptaufgaben: „Ich versuche, meine Schwachstellen zu verbessern, insbesondere meinen rechten Fuß und meine Kopfbälle.“
 
Zuletzt in der Bundesliga, während der 1:3-Niederlage von Borussia Mönchengladbach bei Union Berlin, saß der frühere Profi des SV Werder Bremen erst einmal wieder auf der Bank. Das gesamte Spiel über. Ein Versprechen an die Zukunft bleibt er fraglos trotzdem. Das sieht auch Kevin Schulte so. Der ist Gastgeber des Gladbach-Podcasts „Pfostenbruch“ und schaut Woche für Woche ganz genau hin, was bei den „Fohlen“ passiert. „Insgesamt hat Fabio Chiarodia schon einen ordentlichen Stand bei der Borussia, auch weil er Linksfuß ist“, urteilt Schulte im Gespräch mit der DeichStube und prognostiziert für den Verteidiger folgendes Szenario: „Marvin Friedrich dürfte nach dieser Saison das Weite suchen, Maximilian Wöber ist aktuell nur ausgeliehen. Ich würde es daher nicht ausschließen, dass Chiarodia bei optimalem Verlauf nächste Saison schon in der Startelf steht. Realistischer ist aber, dass er die erste Alternative auf der Bank wird – eine für einen dann erst 19-Jährigen sicherlich annehmbare Perspektive.“ (mbü) 

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