Nach Tod von Hersh Goldberg-Polin
„Hersh Forever“: Werder-Fans gedenken mit Banner und Nachruf ermordeter Hamas-Geisel
Nach der Ermordung von Hersh Goldberg-Polin durch die Hamas gedenken Fans des SV Werder Bremen dem amerikanischen Israeli. Der Hintergrund.
Bremen – Kurz vor dem Anpfiff kamen sie noch einmal zusammen, ein obligatorisches Zeichen des sportlichen Zusammenhalts. Und so standen die Profis des SV Werder Bremen am frühen Sonntagabend in der Mainzer Mewa-Arena also da, umarmten sich und schworen sich im Mannschaftskreis auf die folgenden 90 Minuten ein. Im Hintergrund ging es noch weitaus solidarischer zu, denn dort war zeitgleich im Gästeblock ein großes schwarzes Banner enthüllt worden. Die deutliche Botschaft: „Hersh Forever“.
Fans des SV Werder Bremen gedenken ermordeter Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin
Das Statement der Bremer Fans hat einen traurigen Hintergrund, denn die Worte wurden in Gedenken an Hersh Goldberg-Polin gewählt. Der 23-Jährige war Anfang September als Geisel der Hamas ermordet worden, auch bei vielen Anhängern des SV Werder Bremen und dem Verein selbst hatte das Schicksal des amerikanischen Israelis großes Mitgefühl ausgelöst. Goldberg-Polin zählte zu den Ultras von Hapoel Jerusalem und war dort Teil der Gruppierung „Brigada Malcha“. Zu dieser wiederum pflegten Bremer Fans eine Freundschaft, folglich wurde mit großer Sorge verfolgt, wie es Goldberg-Polin seit seiner Entführung im vergangenen Oktober erging. Die jetzige Nachricht von der Ermordung des Mannes hat nicht nur zum Banner im Werder-Block geführt, die Ultra-Gruppe „Infamous Youth“ veröffentlichte zudem auf ihrer Internetseite einen Nachruf.
„Wir haben die letzten Monate die Hoffnung nie aufgegeben, ihn wieder in unsere Arme zu schließen und haben versucht, Hershs Familie und unsere Freund*innen von Hapoel Jerusalem in ihrem Kampf um seine Rückkehr zu unterstützen und ihnen Kraft zu geben“, heißt es dort unter anderem. „Wir haben alles dafür getan, das Thema in der Öffentlichkeit zu halten, Druck aufzubauen, ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wir haben es nicht geschafft. Wir werden nie wieder mit Hersh lachen, in der Kurve stehen und ihn auch nie mehr in die Arme schließen können.“ Nach Dankesworten an all die Unterstützer im Verein, der Kurve und dem Umfeld schließt das Schreiben mit den Worten: „Hersh, wir werden dich immer in unseren Herzen behalten als warmherzigen, fröhlichen Menschen, als Ultra durch und durch, als Freund, als einen von uns. Du bleibst für immer ein wichtiger Bestandteil der Freundschaft zwischen der ,Brigade Malcha‘ und ,Infamous Youth‘ und vielen anderen Menschen, die du zusammengebracht hast.“ Auch die Ultras des FSV Mainz 05 hatten mit einem Banner beim Spiel gegen den SV Werder Bremen ihre Solidarität bekundet: „Hersh, may his memory be a blessing.“ („Hersh, möge sein Andenken ein Segen sein.“) (mbü)