Nach fast einem Jahr Gefangenschaft
Traurige Gewissheit: Israelischer Werder-Fan Goldberg-Polin als Hamas-Geisel tot aufgefunden
Das ist eine ganz traurige Nachricht: Der israelische Fan des SV Werder Bremen und Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin wurde tot aufgefunden.
Bremen – Noch am Samstag lebte die Hoffnung. Mehrere Banner waren in der Ostkurve des Weserstadions zu sehen, die Ultra-Gruppierungen Caillera und Infamous Youth hatten im Rahmen des Bundesliga-Heimspiels des SV Werder Bremen gegen Borussia Dortmund (0:0) einmal mehr klare Botschaften in den Nahen Osten gesendet. „Stay strong – survive“ war auf einem Banner zu lesen, „We need Hersh home now“ stand auf einem anderen. Nur Stunden später herrscht große Trauer: Der im vergangenen Oktober von der Hamas entführte Werder-Fan Hersh Goldberg-Polin aus Israel, der enge Kontakte nach Bremen pflegte, ist tot. Das israelische Militär hat im Süden des Gazastreifens die Leichen von insgesamt sechs Geiseln entdeckt – einer der Ermordeten ist der 24-Jährige.
Werder Bremen-Fan Hersh Goldberg-Polin aus Israel nach Entführung der Hamas tot aufgefunden
Auch die Angehörigen des jungen Mannes bestätigten die erschütternde Neuigkeit. „Mit gebrochenem Herzen ist die Familie Goldberg-Polin am Boden zerstört, den Tod ihres geliebten Sohnes und Bruders Hersh bekannt zu geben“, hieß es am Sonntagmorgen auf dem Instagram-Profil von „Bring Hersh Home“. Und weiter: „Die Familie dankt Ihnen allen für Ihre Liebe und Unterstützung und bittet um Privatsphäre in dieser Zeit.“ Erst kürzlich hatte Rachel Goldberg, die Mutter des Opfers, in den USA während eines Demokraten-Parteitages in Chicago erneut auf das Schicksal ihres Kindes hingewiesen und für teils emotionale Reaktionen bei den Zuhörern gesorgt. „Unter den Geiseln sind acht amerikanische Staatsbürger und einer von ihnen ist unser einziger Sohn“, hatte Goldberg erklärt. Am vergangenen Donnerstag gab es dann eine Versammlung an der Grenze zum Gazastreifen, wo sie per Lautsprecher-Durchsagen auf sich aufmerksam machte. „Hersh, hier ist Mama“, sagte sie dort. „Ich bete zu Gott, dass er dich zurückbringt. Jetzt sofort. Ich liebe dich, bleib stark.“
The bedroom of Hersh Goldberg-Polin.
— Luc Bernard (@LucBernard) September 1, 2024
"Jerusalem is Everyone's" pic.twitter.com/E2Ct2CTPx6
Werder Bremen-Fan Hersh Goldberg-Polin wohl „von Hamas-Terroristen brutal ermordet“
Ein Wunsch nach Rückkehr, der sich nicht mehr erfüllte. „Nach unserer ersten Einschätzung wurden sie von Hamas-Terroristen brutal ermordet, kurz bevor wir sie erreichten“, erklärte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari am Sonntag nach dem Fund der Geiseln in einem unterirdischen Tunnel. Goldberg-Polin war am 7. Oktober 2023 bei einem Hamas-Angriff auf das Nova-Musikfestival im Süden Israels verschleppt und dabei schwer verletzt worden. Im vergangenen April war dann ein Video aufgetaucht, in dem sich der 24-Jährige mit amputiertem linken Arm an den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu wandte und unter anderem – vermutlich unter Zwang – beklagte, dass die Geiseln „im Stich gelassen“ worden seien. „Ich wollte mit meinen Freunden abhängen und fand mich stattdessen mit schweren Verletzungen am ganzen Körper um mein Leben kämpfend wieder.“
Am Sonntagmittag äußerte sich dann auch der SV Werder Bremen auf seiner Internetseite zum Tod des Fans. „Unsere Gedanken und unser tiefstes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei der Familie Goldberg-Polin, den Angehörigen und Hershs Freund*innen. Bis zuletzt haben wir alle auf eine Befreiung von Hersh gehofft. Seine Fahne hängt vor dem Weserstadion“, hieß es dort. Und weiter: „Seit dem 7. Oktober haben wir Hersh nach und nach kennenlernen dürfen, als empathischen jungen Mann, der den Fußball und das Leben liebt und sich nichts außer ein friedliches Zusammenleben aller Menschen - gerade im Nahen Osten und Jerusalem - gewünscht hat. Seine Klarheit und Verbindlichkeit hat uns alle zutiefst fasziniert. Genauso wie der unerbitterliche Kampf seiner Familie und Freund*innen überall auf der Welt, die Tag und Nacht alles dafür gegeben haben, dass ihr Hersh wieder nach Hause kommen kann. Es zerreißt uns das Herz, dass dies nun nicht mehr geschehen kann.“ (mbü)