Werder-Fans wütend

Krise in der Kurve? Werder vernimmt positive Ultra-Signale und setzt auf Zusammenhalt: „Von einer Entzweiung kann keine Rede sein“

Nach dem 1:2 gegen St. Pauli schickten die wütenden Fans des SV Werder Bremen die Mannschaft aus der Kurve. Hat der SVW nun endgültig den Kredit seiner Fans verspielt?

Die Szene wirkte wie der große Riss zwischen Mannschaft und Fans, als im Nachgang der Auswärtsniederlage des SV Werder Bremen gegen St. Pauli (1:2) ein Ultra im Millerntorstadion auf den Platz geeilt kam und stellvertretend für den Rest der Kurve das Team wegschickte. Kein aufmunternder Applaus, keine warmen Worte für die nächsten Partien. Doch das wäre bei aller vorhandenen Enttäuschung über den derzeitigen Ist-Zustand des abstiegsbedrohten Bundesligisten nur die oberflächliche Lesart. Einer, der sich Clemens Fritz als Werders Geschäftsführer Fußball sehr ungern hergibt. Der 45-Jährige kann der Geste nämlich Gutes abgewinnen, wie er gegenüber der DeichStube erklärt.

Nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen den FC St. Pauli schickte ein Ultra des SV Werder Bremen die Spieler weg. Vor dem wichtigen Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim gab es nun einen Austausch zwischen Mannschaft und Fans.

Krise in der Kurve? Wie Werder Bremen mit der Kritik der Ultras umgeht - „Von einer Entzweiung kann keine Rede sein“

„Es gab Signale aus der aktiven Fanszene, die zeigen, dass von einer Entzweiung keine Rede sein kann“, betont der Ex-Profi, ohne dabei jedoch die Information der DeichStube zu bestätigen, nach der es einen Austausch mit dem Anhang unter der Woche gegeben hat. „Die Ostkurve ist sehr sensibilisiert für unsere Situation und ich bin überzeugt davon, dass sie uns bis zum Schluss unterstützen wird. Aber natürlich ist die Enttäuschung bei vielen groß, was schnell zu emotionalen Reaktionen führen kann. Deshalb möchte ich positiv hervorheben, wie gut unsere Szene am Sonntag reagiert hat, damit es gar nicht erst zu Beleidigungen oder ähnlichen Dingen kommen konnte.“ So wie vor fast genau einem Jahr. Da scheiterte Werder Bremen im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Arminia Bielefeld, nicht nur unschöne Worte wurden den Spielern anschließend entgegengeworfen, sondern auch Plastikbecher und Kunststoff-Stangen.

So unterschiedlich die sportliche Gemengelage in beiden Fällen war, so sehr eint sie eine andere Parallele: Frustration. Die jetzigen Ausmaße nehmen allerdings noch einmal eine ganz andere Dimension ein. Werder Bremens Entwicklung entsetzt und sorgt für Diskussionen. Und vielerorts für wenig Hoffnung auf Besserung. Fritz baut dennoch darauf, dass der Zusammenhalt bei aller Enttäuschung bestehen bleibt. „Es ist gerade jetzt wichtig, dass wir uns gemeinsam aus der Situation befreien – wohlwissend, dass der Funke vom Platz auf die Tribüne überspringen muss.“ Die Bilder des vergangenen Wochenendes haben gezeigt, dass der Kredit aus der Kurve endlich ist. An anderen Standorten gab es den Liebesentzug in vergleichbaren Situationen oft schon früher. „Wie wir in den vergangenen Wochen unterstützt wurden, ist nicht selbstverständlich“, weiß auch Clemens Fritz.

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim aussehen!

Trotz Fan-Kritik: Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz verteidigt Kader-Qualität

Und er hofft natürlich, dass das auch so sein wird, wenn am kommenden Samstag die brisante Heimpartie gegen den 1. FC Heidenheim (15.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) auf der Agenda steht. War die Bedeutung des Spiels auf St. Pauli schon enorm, so ist sie nach der jüngsten Niederlage nun exorbitant hoch. Auch danach wird zwar nichts endgültig entschieden sein, aber das Geschehen im Weserstadion wird unmittelbaren Einfluss auf den emotionalen Ballast aller Beteiligten haben. Schon jetzt ist es innerhalb des Kaders ein kleines Kunststück, die vorherrschende Negativität nicht einflussreicher werden zu lassen als nötig.

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„Die Unsicherheit muss aus den Köpfen heraus. Das geht nur über konzentriertes Training und ein Erfolgserlebnis im Spiel – aber das wird uns niemand schenken“, ist sich Fritz der Herausforderung bewusst, fordert aber auch: „Wir dürfen uns nicht irgendeiner Hoffnungslosigkeit hingeben, sondern müssen weiter den Glauben haben, dass es aufwärts geht. Wir müssen die Enttäuschung umwandeln in positive Wut, Angriffslust und eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität.“ Was Clemens Fritz inmitten der großen Tristesse bei Werder Bremen noch immer Hoffnung schenkt? „Wir haben die Qualität in der Mannschaft, daran lasse ich keine Zweifel zu“, wiederholt er ein Treuebekenntnis, das es während der Saison schon häufiger gab. „Ich weiß, dass viele Leute das gerade anders sehen, weil wir so lange nicht gewonnen haben. Ich sehe aber, was die Jungs können und täglich im Training bringen. Wir müssen im Spiel effektiver sein, darum geht es.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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