Werder bezwingt HSV

„Ein Sieg des gesamten Vereins“: Werder feiert emotionalen Derby-Erfolg, ist aber noch nicht am Ziel

Mehr als nur drei Punkte: Der Derbysieg gegen den HSV soll dem SV Werder Bremen das nötige Selbstvertrauen im Saisonendspurt bringen!

Für Daniel Thioune endete der Abend nach dem Sieg im Nordderby gegen den Hamburger SV (3:1) vergleichsweise ruhig. „Ich war zu Hause und habe mir das Spiel noch einmal angeschaut“, gab der Cheftrainer des SV Werder Bremen am Sonntagvormittag in einer Medienrunde zu Protokoll. Doch auch dem 51-Jährigen war da bereits zugetragen worden, dass diese Ruhe nicht für den Rest der Hansestadt galt. „Mir wurden heute Morgen von unserem Teammanager Bilder davon gezeigt, was im Viertel los war“, sagte er und gestand: „Das sah eher nach Straßenkarneval oder Silvester aus. Mir war nicht bewusst, dass wir so eine Dimension erreichen, wenn wir ein Fußballspiel gewinnen.“

Werder Bremen holt mit dem Derbysieg gegen den HSV nicht nur drei wichtige Punkte im Abstiegskampf, Trainer Daniel Thioune (vorne) hofft auch, dass der Erfolg dem Team das nötige Selbstvertrauen für den Saisonendspurt gibt!

Werder Bremens Danieel Thioune über Nordderby gegen den HSV: „Ich war beeindruckt von der Choreografie“

Dass es eben doch nicht nur „ein Fußballspiel“ war, dürfte dem gebürtigen Osnabrücker damit endgültig klar geworden sein. Das Nordderby besitzt allein aufgrund seiner Historie enorme Bedeutung für die Region und ihre Fans – die diesjährige Auflage gegen den HSV dürfte dennoch als eine der emotional aufgeladensten und brisantesten Partien in Erinnerung bleiben. „Es war im Vorfeld enorm viel Druck auf dem Kessel“, sagte Daniel Thioune, der sich begeistert von der Atmosphäre im Weserstadion zeigte: „Ich war beeindruckt von der Choreografie. Ich wollte mich eigentlich nicht von äußeren Gegebenheiten beeinflussen lassen, aber das war schon sehr besonders.“ Sein SV Werder Bremen nutzte die Energie von Beginn an, warf sich in die Zweikämpfe, ohne dabei spielerisch zu glänzen.

Die einzigen Glanzmomente lieferten daher vor allem die Tore: Jens Stage brachte Werder Bremen per Kopf in Führung (37.), ehe Robert Glatzel noch vor der Pause mit einem sehenswerten Treffer für den HSV ausglich (41.). Nach dem Seitenwechsel avancierte Stage endgültig zum Derbyhelden, als er per Traumtor die erneute Führung erzielte (57.). Den Schlusspunkt setzte Cameron Puertas mit seinem ersten Bundesligatreffer (90.+1). Der zwischenzeitliche Ausgleich des Hamburger SV brachte die Bremer – anders als in der Vergangenheit – dieses Mal nicht ins Wanken. So stand am Ende ein Sieg, der zwar inhaltlich nicht außerordentlich schön war, aber eben vor allem emotional Bedeutung hatte. „Ich habe in den letzten Wochen häufig vom Boxkampf gesprochen – und gestern war es unsere bisher beste Runde“, fasste Daniel Thioune zusammen.

Werder Bremens Jens Stage über Erfolg gegen HSV: „Wir wollten den Fans diesen Sieg nach der bisher schwierigen Saison unbedingt schenken“

Eine Runde, die nicht alle zuvor verlorenen Kämpfe vergessen macht, aber für wichtigen Kredit im Umfeld sorgt. „Wir wollten den Fans diesen Sieg nach der bisher schwierigen Saison unbedingt schenken“, sagte Doppeltorschütze Jens Stage. Dabei war erneut zu spüren, dass der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Anhängerschaft beim SV Werder Bremen genau dann gelingt, wenn er am dringendsten gebraucht wird. „Der zwölfte Mann hat dieses Stadion endgültig zum Explodieren gebracht“, sagte Daniel Thioune. „Das war ganz großes Kino“, schwärmte auch Amos Pieper, schränkte jedoch ein: „Wir sind immer noch in einer schwierigen Situation. Das waren jetzt nur drei Punkte – aber was die Fans gemacht haben, ist großartig.“

Es gehört in Bremen fast schon zur Fußballkultur, dass die Stadt ihr Team gerade in schwierigen Phasen besonders trägt. So eindrucksvoll wie am Samstag war das jedoch auch in den vergangenen Jahren selten zu erleben. Gleichzeitig birgt sich die Gefahr, den Fokus zu verlieren. Entsprechend bemüht zeigten sich die Verantwortlichen des SV Werder Bremen, das große Ziel Klassenerhalt nach dem Sieg gegen den HSV nicht aus den Augen zu verlieren. „Es ist noch nicht der Moment, um uns auf die Schulter zu klopfen“, sagte Pieper. Auch Geschäftsführer Clemens Fritz betonte: „Wir sind noch lange nicht gesichert. Wir brauchen in den kommenden vier Spielen noch Punkte.“

Werder Bremens Daniel Thioune: „Für die Tabelle war dieser Sieg überlebensnotwendig“

Diese vier Spiele – gegen Stuttgart, Augsburg, Hoffenheim und Dortmund – haben es in sich. Aktuell beträgt der Vorsprung des SV Werder Bremen auf den Relegationsplatz fünf Punkte, auf einen direkten Abstiegsplatz sind es sieben Zähler. „Für die Tabelle war dieser Sieg überlebensnotwendig“, stellte Daniel Thioune fest. Der Werder-Coach hofft nun, dass der Derby-Erfolg gegen den Hamburger SV seinem Team das dringend benötigte Selbstvertrauen für den Saisonendspurt verleiht. Dass er dabei auf die Unterstützung der Fans bauen kann, sieht er als entscheidenden Faktor: „Es war hart zu sehen, wie groß die Kluft zwischen Mannschaft und Fans war, als ich vor zehn Spielen angefangen habe. Jetzt wird das Team durch die Stadt getragen. Für solche Momente lebt man im Fußball. Ich bin sehr glücklich, Trainer dieser Mannschaft zu sein.“

Dass sein Team dabei spielerisch erneut nicht überzeugte, verschwieg Daniel Thioune nicht. Für ihn zählen aktuell jedoch andere Tugenden: „Die Mannschaft hat gezeigt, was ich mir wünsche: Haltung, Gier und Leidensbereitschaft. Defensiv machen wir es seit Wochen gut, offensiv brauchen wir noch etwas Zeit. Aber ich glaube, das ist der richtige Ort für mich.“ Spätestens die Jubelszenen nach dem Derbysieg des SV Werder Bremen gegen den HSV in der Bremer Innenstadt dürften ihn darin bestätigt haben. Sein Fazit fiel entsprechend aus: „Es war ein Sieg des gesamten Vereins.“ (bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sven Heidmann

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