US-Stürmer trifft gleich im ersten A-Länderspiel
Baumann über Sargent: „Seine Leistungen sind beeindruckend“
Chester - Guillermo Viscarra hatte einen Plan, und der ging gründlich in die Hose. Nach einem Rückpass wollte der bolivianische Torhüter den herannahenden Stürmer Josh Sargent im Strafraum elegant per Flugball überspielen.
Der Werder-Angreifer hatte aber genau darauf spekuliert. Sargent drehte sich blitzschnell einmal um die eigene Achse, fischte den Ball mit seinem rechten Fuß aus der Luft, um ihn wenig später an Viscarra vorbei ins kurze Eck zu schießen. Während des 3:0-Testspielerfolgs der USA gegen Bolivien war es in der Nacht zu Dienstag der Treffer zum 2:0. Das allein hätte aber nicht ausgereicht, um das Tor in den USA umgehend zum großen Thema werden zu lassen. Werders Nachwuchsstürmer hatte direkt in seinem ersten Spiel für das
A-Nationalteam getroffen, was die ohnehin schon hohen Erwartungen an den 18-Jährigen nochmal erhöht hat. Bei Werder rückt Sargent im Sommer fest zu den Profis auf. „Man sollte die Erwartungshaltung an ihn aber nicht zu hoch hängen“, fordert Sportchef Frank Baumann.
Der Glaube an Sargent ist enorm groß
Es war so ein Satz, wie ihn ein Sportchef nun einmal sagt, wenn er das womöglich größte Talent innerhalb seines Vereins nicht zusätzlich unter Druck setzen möchte. Baumann dürfte allerdings wissen, dass seine Worte die öffentliche Bewertung von Sargent nicht großartig beeinflussen werden. In den USA sowieso und in Ansätzen auch schon in Bremen – enorm groß ist der Glaube, dass Sargent ein echter Torjäger wird, ein Spieler, wie es ihn nur alle paar Jahre gibt – eben einer, der als Profi jene Verheißungen einlöst, die er als Nachwuchstalent gemacht hat.
Josh Sargent hat für die USA im vergangenen Jahr sowohl bei der U17-WM in Indien als auch bei der U20-WM in Südkorea gespielt. Für beide Teams erzielte er 2017 in 22 Spielen 19 Tore – vier davon bei der U20-WM. Dadurch wurde er zum erfolgreichsten Torjäger in der Geschichte der US-Jugendmannschaften. Anschließend überschlugen sich die US-Medien mit Lobeshymnen auf den Stürmer aus O’ Fallon, einem Vorort von St. Louis im Bundesstaat Missouri. Kaum ein Artikel kam ohne die Worte „magisch“ und „genial“ aus – man kann sich vorstellen, wie es nun nach dem Bolivien-Spiel aussieht.
Something out of nothing! Allow @joshsargent to introduce himself! 😲 pic.twitter.com/tR9jO6gYgq
— U.S. Soccer MNT (@ussoccer_mnt) 29. Mai 2018
„Seine Leistungen sind beeindruckend“, lobt auch Baumann. „Josh hat es in den Nachwuchsteams schon sehr gut gemacht. Dass er jetzt gleich in seinem ersten A-Länderspiel trifft, freut mich sehr.“ Denn auch für Werder hatte das Tor gegen Bolivien eine gewisse Signalwirkung. Sie lautet: Seht her, ich bin bereit für den Profibereich!
Sargent selbst ist viel zu zurückhaltend, um solche Aussagen akustisch zu formulieren. Er lässt lieber Taten sprechen. „Es war mein erstes Spiel auf Profi-Niveau, eine ziemlich große Sache für mich. Ich bin sehr stolz darauf, getroffen zu haben“, sagte er nach seinem Debüt-Treffer gegenüber US-Medien. Fragen nach großen Zielen für die Zukunft und den Hype um seine Person ließ er cool abprallen: „Die Leute können sagen, was sie wollen. Am Ende des Tages werde ich einfach weiter hart arbeiten.“ Ab dem 2. Juli dann unter der Leitung des Bremer Bundesliga-Trainers Florian Kohfeldt.
Sargent wird in der Bundesliga Chancen bekommen
Sicherlich wird sich Sargent bei Konkurrenten wie Max Kruse und Martin Harnik hinten anstellen müssen – auch, weil ihm noch die Praxis fehlt. Im ersten halben Jahr bei Werder durfte er mangels Berechtigung kein Pflichtspiel absolvieren. Und dennoch: Seine Chancen in der Bundesliga wird er bekommen. Bei einer Körpergröße von 1,85 Metern ist Sargent sowohl schnell, technisch versiert als auch stark im Kopfballspiel. Zudem sucht er stets den direkten Weg zum Tor.
Elegant sieht das zwar nicht immer aus, effektiv war es im Nachwuchsbereich umso mehr. Natürlich bleibt abzuwarten, wie Sargent gegen körperlich mindestens ebenbürtige Gegner in der Bundesliga zurechtkommt. Die Vorteile aus dem Jugendbereich hat er dann nicht mehr, er wird seine Spielweise anpassen müssen. „Sein Weg geht Stück für Stück weiter“, sagt Sportchef Baumann – und betont: „Da werden wir sehr vernünftig handeln.“
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