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Die Frauen des SV Werder Bremen sind nach großem Drama gegen den Hamburger SV ins DFB-Pokal-Finale eingezogen. Im Anschluss gab es bei Grün-Weiß dann kein Halten mehr. Für Trainer Thomas Horsch gab‘s sogar ein Bier live im TV.
Bremen – Mit einem kleinen Schluck ging die große Party los. Die Arbeit war noch gar nicht ganz erledigt, da durfte Thomas Horsch schon einmal nippen. Noch in den letzten Zügen des Interviews beim TV-Sender „Sky“ bekam der Frauen-Trainer des SV Werder Bremen ein goldglänzendes Getränk in durchsichtigem Becher angereicht. „Ist das Bremer Bier?“, fragte der 56-Jährige und wagte noch vor laufenden Kameras ein erstes Schlückchen. Es wird nicht sein letztes gewesen sein. Er und seine Mannschaft hatten historischen Grund zum Feiern. Dank eines nervenaufreibenden 3:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung beim Hamburger SV stehen die Bremerinnen zum ersten Mal in ihrer Geschichte im Finale des DFB-Pokals der Frauen.
Werder Bremens Frauen-Trainer Thomas Horsch nach Spiel gegen HSV: „Glaube, bin in diesem Spiel zehn Jahre gealtert“
„Ich weiß gar nicht, ob ich schon ruhig und entspannt reden kann. Ich glaube, ich bin in diesem Spiel zehn Jahre gealtert“, sagte Horsch – wieder ohne Bier – auf der Pressekonferenz nach einer Partie, für die das Wort „Drama“ wohl erfunden worden sein muss. Vor einer Rekordkulisse von 57.000 Fans im Hamburger Volksparkstadion – nie waren so viele Zuschauer zu einem Vereinsfrauenfußballspiel in Deutschland gekommen – hatten die Bremerinnen im Halbfinale einige Hürden zu überspringen und Rückschläge zu verdauen, ehe Stürmerin Sophie Weidauer die Werder-Frauen nicht nur einmal, sondern zweimal erlöste. Aber der Reihe nach.
Im Nordderby gegen einen leidenschaftlichen Zweitligisten HSV hatten die Werder-Frauen zunächst große Probleme, ins Spiel zu kommen. Sie agierten fahrig, unsauber, hatten Mühe, in die Zweikämpfe zu kommen. „Wir haben uns von der Atmosphäre anscheinend doch sehr beeindrucken lassen und haben eine wirklich miserable erste Halbzeit gespielt“, bemängelte Horsch. Chancen zur Führung gab es dennoch, auf beiden Seiten, auf der Anzeigetafel passierte im ersten Durchgang aber nichts. Hälfte zwei wurde noch mehr zum Kampfspiel. Als Saskia Matheis bereits in der 54. Minute die zweite diskutable Gelbe Karte sah und damit vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde, mussten die Bremerinnen zu zehnt klarkommen.
Nach dramatischem DFB-Pokal-Final-Einzug der Werder Bremen-Frauen gegen HSV: Party-Erlaubnis vom Trainer
In der Schlussphase wurde es dann turbulent. Durch einen üblen Bock gingen die Bremerinnen in Führung. Bei einem harmlosen Rückpass ließ sich HSV-Keeperin Inga Schuldt den Ball von Weidauer abjagen, die mühelos einschoss (81.). In Grün-Weiß brachen bereits alle Dämme, doch der HSV war noch nicht geschlagen. Nach einem abgefälschten Freistoß, den Werder-Torfrau Livia Peng noch an die Latte lenkte, köpfte die Hamburger Kapitänin Sarah Stöckmann ein (90.) – Verlängerung, alles offen, die Spannung greifbar. Als wiederum alles nach Elfmeterschießen aussah, sah ein Angriff bei Werder Bremen nochmal richtig nach Fußball aus: Nach einem herrlichen Steckpass von Tuana Mahmoud vollstreckte Weidauer eiskalt ins lange Eck (117.). Pure Ekstase vor und im Gästeblock, selbst die halbe Bremer Bank samt verletzten Spielerinnen kannte kein Halten mehr und flitzte über den Rasen zu Kolleginnen und Anhang.
Emotionen pur - und ab ins Finale! Die schönsten Jubel-Bilder vom Pokal-Erfolg der Werder-Frauen beim HSV
Weil von den Hamburgerinnen dieses Mal keine Antwort mehr kam und Verena Wieder sogar noch den Deckel draufmachte (120.+1), durfte weitergefeiert werden. Kapitänin Lina Hausicke zog dabei die Eckfahne aus dem Boden und reckte sie vor den mitgereisten Fans wie eine Trophäe in die Höhe. Um den richtigen Pott geht’s dann am 1. Mai (16 Uhr im DeichStube-Liveticker): In Köln steigt das Endspiel gegen den aktuell schier übermächtigen FC Bayern München, dann sind die Werder-Frauen wieder klare Außenseiter. Vorher steht aber noch drei Mal Bundesliga auf dem Programm. Weil es für den Tabellenachten dort aber um nicht mehr viel geht, gab Horsch nach dem Derbysieg eine umfassende Party-Erlaubnis: „Treffen ist am Samstag um 11 Uhr gegen Frankfurt. Was bis dahin passiert, ist mir fast ein bisschen egal“, scherzte der Coach. „Natürlich wollen wir weiterhin einen fairen Wettbewerb in der Bundesliga bieten, aber jetzt wird gefeiert!“ (han)