Fischer oder El Sherif?

Rätsel um die Nummer eins im Tor: Werder-Frauen mit ungewöhnlicher Herangehensweise

Die Frauen des SV Werder Bremen stellen sich im Tor neu auf - aber wer wird die Nummer eins? Das könnte noch eine Weile ein Rätsel bleiben. Trainerin „Fritzy“ Kromp wählt wohl eine ungewöhnliche Herangehensweise.

Bremen – Tabula rasa im Tor: Gleich vier Torhüterinnen haben die Frauen des SV Werder Bremen im Sommer verlassen: Stammkeeperin Livia Peng wechselt zum englischen Meister FC Chelsea, auch für ihre Vertreterinnen Catalina Perez, Sofja Nesterova und Johanna Wende ist das Kapitel an der Weser vorbei. Wer ihnen nachfolgt, ist zumindest von den Namen her inzwischen klar. Die Hierarchie ist allerdings noch ein kleines Rätsel, das noch eine ganze Weile ungelöst zu bleiben scheint – womöglich sogar bis tief in die neue Saison hinein.

Mariella El Sherif (v.l.) und Vanessa Fischer duellieren sich um den Platz als Nummer eins im Tor der Frauen des SV Werder Bremen. Talent Sinem Özdemir dürfte künftig die dritte Torhüterin sein.

Werder Bremen-Frauen ohne feste Nummer eins: Trainerin „Fritzy“ Kromp lässt Hierarchie offen und erwägt Wechsel im Tor

Die erste Neue im Team stand schon im Mai fest: Vanessa Fischer kommt vom Bundesliga-Absteiger Turbine Potsdam, wo die 27-Jährige Stammtorhüterin war. Bei Werder Bremen galt sie zunächst eher als künftige Nummer zwei im Tor. Ihre Konkurrentin wurde erst kürzlich verpflichtet: Mariella El Sherif, österreichische Nationaltorhüterin, wechselt vom FC Carl Zeiss Jena an den Osterdeich. Die 20-Jährige gilt als großes Talent, bringt jedoch bislang nur zwölf Bundesliga-Spiele mit. Wer also wird zum Saisonstart rund um den 9. September im Tor stehen? Die neue Werder-Trainerin Friederike „Fritzy“ Kromp lässt diese Frage offen – und geht das Thema auf ungewöhnliche Weise an.

„Die Hierarchie ist erst mal flach. Die Spielerinnen wissen das, und für sie ist das in Ordnung“, erklärt die 40-Jährige zum Start der Saisonvorbereitung in einer Medienrunde. Statt einer frühzeitigen Festlegung setzt Kromp auf offene Konkurrenz: „Wir werden uns das ganz genau anschauen in den nächsten Wochen und dann eine Entscheidung treffen – die aber auch nicht zwingend für die ganze Saison gelten muss.“ Heißt konkret: Eine klare Nummer eins gibt es bei Werder Bremen zunächst nicht – und ein regelmäßiger Wechsel im Tor ist nicht ausgeschlossen. „Das lassen wir auf uns zukommen. Es kann sein, dass es erst mal offen bleibt.“

Werder Bremen-Frauen: Torhüterin Vanessa Fischer trägt die 1 - aber wird Mariella El Sherif die Nummer eins?

Der Ansatz ist dem von vor zwei Jahren nicht unähnlich. Damals hatte Werder Bremen die erfahrene Kolumbianerin Catalina Perez und die junge Schweizerin Livia Peng als Nachfolgerin von Anneke Borbe verpflichtet. Beide sollten sich ein offenes Rennen um die Nummer eins liefern. Die Entscheidung stand dann allerdings relativ früh fest, Peng setzte sich durch – auch weil Perez wegen schwerer Verletzungen nie wirklich ankam. In der vergangenen Saison war Peng endgültig unumstritten – und überzeugte auf ganzer Linie. Das Magazin „kicker“ wählte sie zur besten Torhüterin der Bundesliga, auch im Voting der DeichStube wählten die Fans sie mit großem Abstand zur besten Werder-Spielerin der Saison. Jetzt schließt sie sich nach erfolgreicher Heim-EM in der Schweiz, wo es bis ins Viertelfinale ging, dem großen FC Chelsea an.

Es ist ein Weg, der gerade für die erst 20-jährige Mariella El Sherif ein Vorbild darstellen dürfte. Vor einem Jahr war sie von Sturm Graz zum FC Carl Zeiss Jena gewechselt, dort sammelte sie ihre ersten Bundesliga-Erfahrungen. „Mariella ist ein tolles Torwart-Talent im internationalen Bereich“, sagt Kromp. Bei der U19-Europameisterschaft und U20-Weltmeisterschaft habe die Österreicherin für Aufsehen gesorgt. „Deswegen hatte man sie natürlich auf dem Radar.“ Für ihr Alter sei die nur 1,70 Meter kleine Keeperin „schon relativ weit“, inzwischen hat sie sogar ihr Debüt für die A-Nationalmannschaft gegeben. „Sie ist ein angenehmer, positiver Typ und bringt sehr viel Energie in den Raum. Sie will auch als zusätzliche Feldspielerin agieren und ist sehr aktiv am Platz.“ In guten Gesprächen hätten Kromp und Co. die Spielerin schnell von den Werder-Frauen überzeugen können: „Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass sie richtig Bock hat, sich hier zu stellen und hier den nächsten Schritt zu gehen.“ Dafür muss sie aber erst mal nachweisen, ob sie auf Dauer an Vanessa Fischer vorbeikommt. Die 27-Jährige trägt auf dem Trikot künftig jedenfalls die Rückennummer „1“. (han)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Oliver Baumgart

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