„Das wird meiner persönlichen Entwicklung guttun“

Als frecher Kapitän verlässt Kruse seine Komfortzone

Max Kruse ist der neue Kapitän bei Werder Bremen.
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Max Kruse ist der neue Kapitän bei Werder Bremen.

Grassau - Die Reihenfolge war nicht zufällig: Erst erklärte Trainer Florian Kohfeldt, warum er Max Kruse zum neuen Werder-Kapitän gemacht hat, dann sprach der sonst so schweigsame Auserwählte selbst.

Die Journalisten sollten gut eingestimmt werden auf eine nicht ganz unkomplizierte Entscheidung. Der typische Kapitän ist Max Kruse gewiss nicht. Aber genauso so wollte es Kohfeldt – und Kruse war die Freude darüber durchaus anzusehen.

„Es ist eine Ehre und eine Auszeichnung für mich“, sagte Kruse im Trainingslager in Grassau. Der 30-Jährige ist in der Hierarchie einer Mannschaft ganz oben angekommen – da war er in seiner Karriere noch nie. „Ich wollte Kapitän werden, weil es meiner persönlichen Entwicklung guttun wird“, betonte Kruse und fügte schmunzelnd an: „Viele sagen ja, ich hätte eine Art Komfortzone gehabt. Das sieht jetzt anders aus.“

Kruse übernimmt noch mehr Verantwortung, ist Vorbild für die jungen Spieler. Da kann er es sich eigentlich nicht mehr erlauben, wie in fast jedem Sommer mit Übergewicht aus dem Urlaub zu kommen. Ein heikles Thema. Kohfeldt begegnet ihm ziemlich clever. „Es wäre ein schöner Nebeneffekt, wenn sich das ändern würde“, sagte der Coach mit breitem Grinsen, um seinen Spieler sofort in Schutz zu nehmen: „Ich habe das Vertrauen in Max, dass er beim Pokalspiel in Worms absolut fit sein wird.“

Kruse: „Ich werde keine Marionette sein“

Und Kruse? Für ihn war es nur eine dieser Sommerloch-Geschichten. „Ich werde beim ersten Spiel bereit sein. Wenn nicht, dann kann man mir das vorwerfen. Aber das wird nicht passieren.“ Der Ex-Nationalspieler machte unmissverständlich deutlich, dass er sich in seinem neuen Amt nicht verbiegen lassen wird. „Ich werde keine Marionette sein“, betonte Kruse: „Großartig verändern muss ich mich nicht.“

Grundsätzlich geht Kohfeldt mit ihm da konform. Aber einige Dinge hatte der Coach im Vorfeld mit ihm schon geklärt. „Er ist nicht mehr nur Max Kruse, sondern der Kapitän des SV Werder Bremen.“ Dazu gehörten Pflichten wie die von ihm so ungeliebte Medienarbeit. „Er muss sich stellen“, forderte Kohfeldt – und Kruse verkündete wenig später: „Ich werde mich stellen.“ Aber sicher nicht so oft wie seine Vorgänger Zlatko Junuzovic oder Clemens Fritz. Ohnehin habe er keine Vorbilder.

„Ich muss meinen eigenen Führungsstil entwickeln“, meinte Kruse. Er will Ansprechpartner und Sprachrohr der Mannschaft sein. Er möchte den Verein repräsentieren. Und er werde gemeinsam mit dem Mannschaftsrat Leitlinien erarbeiten, was für die Mannschaft wichtig ist. „Vielleicht tragen wir das auch nach außen“, sagte Kruse und überraschte mit dieser plötzlichen Lust auf Öffentlichkeitsarbeit.

Kohfeldt wird es zufrieden zur Kenntnis nehmen. Dieses nicht immer Erwartbare macht Kruse so spannend und auch wichtig. „Ich will dieses Freche“, sagte der Coach: „Das soll ein Stück weit unser Gesicht sein.“ Hätte die Mannschaft eine weitere Führung von innen heraus gebraucht, weil es in puncto Disziplin haken würde, wäre die Wahl vielleicht auf Niklas Moisander gefallen, so Kohfeldt. Doch in diesem Bereich gebe es keine Probleme. Also entschied sich der Coach für andere Attribute.

Kruse: Kapitäns-Amt hat nichts mit dem Vertrag zu tun

„Max ist unheimlich stressresistent, hat den unbedingten Siegeswillen. Diesen Spannungsbogen kann er sehr gut auf die Mannschaft übertragen“, glaubt der Coach – und wird von Kruse bestätigt: „Ich will vorneweggehen.“ Und der Angreifer gibt sich sehr angriffslustig. Wie in der Vergangenheit nur darüber zu sprechen, bloß nicht unten reinzurutschen, sei kein Thema. „Wir haben Qualität dazubekommen und brauchen keine Ausreden mehr“, urteilte Kruse und setzte hohe Ziele: „Um die Meisterschaft werden wir sicher nicht mitspielen, aber alles, was dahinter kommt, könnte für uns interessant sein.“

Interessant ist auch das Thema Vertragsverlängerung. In einem Jahr läuft Kruses Kontrakt aus. Werder will verlängern – hat sich aber durch die Vergabe der Kapitänsbinde nicht in eine bessere Position gebracht. „Das hat damit nichts zu tun“, meinte Kruse. Über seine Zukunft über diese Saison hinaus will er erst später sprechen. Für Kohfeldt kein Problem, auch diese Reihenfolge passt ihm ganz gut: Jetzt soll der Saisonstart im Mittelpunkt stehen.

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