Kuriosum bei Werder-Erfolg
„Ich hätte mich auch geärgert“: Augsburger Wechsel-Wirrwarr als Wegbereiter für Werders Heimsieg
Bremen – Es war eine Szene, die durchaus einen Platz im Kuriositätenkabinett der Bundesliga verdient, ganz einfach, weil sie großen Seltenheitswert besitzt. Dem SV Werder Bremen hat sie während des 2:0-Heimerfolgs gegen den FC Augsburg jedenfalls sehr geholfen, die Gäste hat sie entsprechend verärgert. In den Hauptrollen: Augsburgs Trainer Jess Thorup, der vierte Offizielle Patrick Ittrich, viele irritierte Fußballer - und eine völlig freie Bremer Außenbahn, über die die Hausherren in der 65. Minute ihren zweiten Treffer des Nachmittags erzielten, der den Erfolg letztlich besiegelte. Was war da los?
Nachdem Schiedsrichter Sascha Stegemann im Mittelfeld auf Freistoß für Werder Bremen entschieden und das Spiel damit kurz unterbrochen hatte, meldete Jess Thorup nach eigener Aussage beim vierten Offiziellen an, auswechseln zu wollen. „Ich habe gefragt, ob wir wechseln können, und er hat ja gesagt“, berichtete der Däne später. Thorup rief daraufhin seinen linken Flügelstürmer Ruben Vargas und seinen Linksverteidiger Mads Pedersen zu sich an die Außenlinie - nicht, weil sie es waren, die raus sollten, sondern weil er mit ihnen Taktisches besprechen wollte. Das Problem war nur: Referee Stegemann hatte auf dem Platz von den Wechselabsichten des FC Augsburg nichts mitbekommen und ließ Werder (in Person von Senne Lynen) den Freistoß ausführen, während die komplette linke Seite der Gäste zum Plausch beim Trainer stand. „Ich habe mich gewundert, dass der Ball plötzlich läuft, weil unsere Seite völlig offen war“, sagte FCA-Profi Niklas Dorsch - und hielt fest: „Das war eine Fehlkommunikation und darf so einfach nicht passieren.“
Wechsel-Wirrwarr: Werder Bremens Ole Werner kann den Frust von FC-Augsburg-Trainer Jess Thorup verstehen
Dem SV Werder Bremen war das herzlich egal. Über Anthony Jung, Milos Veljkovic, Romano Schmid und Flankengeber Weiser landete der Ball letztlich auf dem Kopf von Stürmer Marvin Ducksch, der zum 2:0 traf. Während er jubelte, protestierten die Augsburger ebenso vehement wie vergeblich. Hinterher sah Jess Thorup den Fehler dann nicht mehr beim Schiedsrichtergespann, sondern gab sich selbstkritisch: „Ich gebe keinem anderen die Schuld. Es war eine Situation, aus der ich lernen muss“, sagte der Trainer des FC Augsburg.
Werder Bremens Cheftrainer Ole Werner konnte den Frust seines Kollegen derweil gut nachvollziehen, hatte er in der vergangenen Woche beim 0:2 in Stuttgart doch eine ähnlich kuriose Szene zum Nachteil seiner Mannschaft erlebt. Zur Erinnerung: Am 13. Spieltag hatte Werder-Torhüter Michael Zetterer einen verhängnisvollen Fehlpass in die Füße des Stuttgarters Chris Führich gespielt, der nach einer Behandlungspause Sekunden zuvor vom Schiedsrichter wieder auf den Platz gelassen worden war, ohne dass Zetterer dies mitbekommen hatte. Ein mehr als unglücklicher Moment, der unmittelbar im Elfmeter mündete, den Stuttgart zum 2:0 verwandelte. „Seit letzter Woche weiß ich, wie es ist, wenn an der Außenlinie Dinge nicht klar besprochen werden“, sagte Werner - und schob mit Blick auf den Frust des FC Augsburg hinterher: „Ich hätte mich sicherlich auch geärgert. Für uns war es heute natürlich gut. So ist es ja oft im Fußball, dass sich die Dinge irgendwann wieder ausgleichen. Schön, dass es bei uns jetzt direkt eine Woche später so war und wir nicht so lange damit zu kämpfen hatten.“ (dco)