Strittige Schiri-Entscheidung
Ärger wegen Chris Führich: Werder Bremen kritisiert Schiedsrichter Dankert - doch der verteidigt sich: „Kann nicht in die Glaskugel schauen“
Schiedsrichter-Ärger beim SV Werder Bremen! Dem Elfmeter-Tor zum 2:0 des VfB Stuttgart war eine strittige Entscheidung von Bastian Dankert vorausgegangen. So erklärt sich der Referee.
Stuttgart – Es war die strittigste und mit Abstand am meisten diskutierte Szene bei Werder Bremens völlig verdienter 0:2 (0:1)-Niederlage beim VfB Stuttgart: Die Entstehung des verhängnisvollen Fehlpasses von Werder-Keeper Michael Zetterer in die Füße von Nationalspieler Chris Führich, der letztlich in die spielentscheidende Elfmeterszene vor dem 0:2 mündete. Dabei erhitzte nicht das Foul von Niklas Stark an Serhou Guirassy die grün-weißen Gemüter (72.), sondern die Tatsache, dass Schiedsrichter Bastian Dankert den zuvor behandelten Führich unmittelbar vor Zetterers Fehlpass wieder ins Spiel gewunken hatte. Ohne, dass der Torhüter das überhaupt mitbekommen hatte.
„Der Spieler von Stuttgart (Chris Führich, d. Red.) steht halt draußen, während wir die Ausführung machen“, schilderte ein verärgerter Michael Zetterer nach Spielende die Situation. „Dann spiele ich den Ball natürlich rüber auf diese Seite, weil ich weiß, dass der Führich Stuttgart auf der Position gerade fehlt. Und in dem Moment wird er vom Schiedsrichter oder vom vierten Offiziellen scheinbar reingelassen.“ Für Werder Bremens neue Nummer eins ein Unding. „Ich habe nicht gesehen, dass der Spieler dort steht. Die Stuttgarter Bank hatte schwarze Jacken an“, monierte der 28-Jährige – und weiter: „Für mich ist es auch eigentlich normal, dass, wenn ein Spieler verletzt draußen war, er an der Mittellinie reingelassen werden muss. Es ist extrem unglücklich, ich finde es auch ein bisschen unfair.“
Werder Bremen kritisiert Schiedsrichter Bastian Dankert - und auch der VfB Stuttgart kann den Ärger verstehen
Genauso hatte es auch Werder Bremens Trainer Ole Werner gesehen, der Zetterer nach dessen Fehlpass ausdrücklich in Schutz nahm: „Für uns ist das eine Spieleröffnungssituation. Das heißt, es herrscht keine Hektik auf dem Platz. Der Torhüter legt sich den Ball hin, guckt sich genau an, wo die Gegenspieler sind. Er bringt den Ball kurz ins Spiel und während der Torwart den Ball am Fuß hat, wird der Spieler wieder ins Feld gebeten.“ Aus Werners Sicht ein vollkommen unverständlicher Vorgang, weshalb sich der 35-Jährige auch eine kleine Spitze in Richtung Schiedsrichter Bastian Dankert nicht verkneifen konnte: „Für jeden ist vollkommen klar, welcher Pass dann gespielt wird und in dem Fall, wenn man ein bisschen das Spiel verfolgt hat, wenn man ein bisschen weiß, wie Fußball funktioniert, dann gibt man in der Situation den Spieler nicht aufs Feld.“ Zumal Michael Zetterer aus seiner Sicht keinerlei Möglichkeit gehabt habe, den Spieler zu sehen: „Er hat nullkommanull damit rechnen müssen, dass der Spieler in der Situation wieder aufs Feld gebracht wird.“
Auch Leonardo Bittencourt („Ich finde es zu leicht, ‚Zetti‘ da die Schuld zu geben. Was macht der vierte Offizielle da vor dem 0:2?“) und Marco Friedl ärgerten sich über die Entscheidung der Unparteiischen. „Ich bin der Letzte, der eine Ausrede sucht, aber das ist ein Fehler vom Schiri“, schimpfte Werder Bremens Kapitän. Selbst die Stuttgarter zeigten Verständnis für die hadernden Bremer. „Es war natürlich eine bittere Situation für Werder, weil genau in dem Moment der Pass auch zu mir kommt und die Elfmetersituation dann entsteht“, räumte Chris Führich ein, nahm Dankert aber auch in Schutz: „Aber was soll man machen? Ich weiß jetzt nicht, ob man in der Situation einen Vorwurf machen muss.“ Auch Trainer Sebastian Hoeneß hielt fest: „Ich glaube, das ist eine unglückliche Situation, absolut. Wenn der Ole sauer ist, wovon ich jetzt mal ausgehe, dann kann ich ihn da total verstehen.“
Werder Bremen hadert mit Schiedsrichter-Entscheidung - Bastian Dankert erklärt die Situation um Stuttgart Chris Führich
Referee Bastian Dankert aus Schwerin bewertete die strittige Szene dagegen ganz anders. Für ihn sei das Hereinwinken Chris Führichs vollkommen vertretbar gewesen. „Regeltechnisch ist das so, dass ich mit dem vierten Offiziellen kommuniziere und entscheide, ob der Spieler, sofern nicht in Ballnähe, wieder eintreten kann. Der vierte Offizielle hat mir in diesem Fall ein Signal gegeben, dass der Spieler wieder eintreten möchte. Da der Ball nicht in der Nähe war, habe ich dem zugestimmt“, sagte der FIFA-Schiedsrichter. „In dieser Situation war es so, dass der Torwart den Ball vom Abwehrspieler erhalten hat, den Abstoß ausführen konnte und die Kugel mindestens 30 bis 35 Meter entfernt gewesen ist. Deshalb konnte der Spieler auch regelkonform wieder auf das Spielfeld laufen.“
Den Unmut bei Werder Bremen über den weiteren Lauf der Dinge konnte der 43-jährige Sportwissenschaftler aber zumindest nachvollziehen. „Dass der Torhüter dann nicht mehr hochgeguckt und genau in den Lauf von Chris Führich gespielt hat, ist natürlich unglücklich. Aber regeltechnisch können wir da nicht mehr ran.“ Auf die Frage, ob er beim nächsten Mal wieder genauso entschieden hätte, antwortete Dankert mit einem Augenzwinkern: „Wenn Sie mir sagen, dass es dann keinen Strafstoß geben würde, sondern einen Einwurf, dann könnte man darüber sprechen.“ Um dann doch noch einmal ernst zu werden: „Ich kann auch nicht in die Zukunft sehen, aber wenn der Ball beim Abstoß liegt, würde ich es wieder so machen, weil der Spieler sehr weit vom Ball entfernt gewesen war. Aber ich kann nicht in die Glaskugel schauen.“ (mwi/mbü)