Erster Sieg im neuen Jahr
Junuzovic krönt irre Schlussphase - Werder gewinnt 2:1 auf Schalke
Gelsenkirchen - Was für ein Finale! Werder Bremen hat am Samstagnachmittag einen spektakulären 2:1 (0:1)-Sieg beim FC Schalke 04 eingefahren.
Max Kruse (79.) und Zlatko Junuzovic (90.+3) schossen die Bremer Tore, für Schalke hatte Yevhen Konoplyanka (24.) zur Führung getroffen. Im Grunde sah in der Schlussphase schon alles nach einer Bremer Niederlage aus. Dann schlug Werders Stunde, dann bewies die Mannschaft ungeheuere Willensstärke. Durch den Sieg hat die Elf von Trainer Florian Kohfeldt nun 20 Punkte auf dem Konto und schaffte den Sprung auf Platz 15.
Im Vergleich zum 0:0 gegen Hertha BSC hatte Kohfeldt zwei personelle Änderungen in seiner Mannschaft vorgenommen. Neuzugang Milot Rashica, den Werder erst am Dienstag von Vitesse Arnheim verpflichtet hatte, durfte direkt von Beginn an ran - und das war nicht mal die größte Überraschung in der Bremer Startelf, denn auch Ishak Belfodil stand beim Anpfiff auf dem Platz. Dafür blieb Kapitän Zlatko Junuzovic zunächst draußen. Philipp Bargfrede (Fußprobleme) fehlte verletzt. Für ihn übernahm Thomas Delaney die Rolle des einzigen Sechsers. Kohfeldt ließ sein Team in einem 4-3-3-System beginnen - auf dem Papier eine durchaus mutige Variante für ein Auswärtsspiel auf Schalke. Bei Ballbesitz des Gegners ließ sich Delaney allerdings zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, sodass Werder mit Fünferkette verteidigte.
Pavlenkas Patzer bringt Schalke in Führung
Das klappte in der Anfangsphase auch ausgesprochen gut. Die Gäste ließen ihrem Gegner nur wenig Räume, standen sehr geordnet und hatten das Geschehen weitestgehend im Griff - bis zur 24. Minute. Weil Schalke im Spiel nach vorne bis dahin so gut wie gar nichts eingefallen war, versuchte es Linksaußen Yevhen Konoplyanka einfach mal aus der Distanz - und traf dank der freundlichen Mithilfe von Werders Torhüter Jiri Pavlenka. Der Tscheche, der in dieser Saison schon so oft der große Retter seiner Mannschaft gewesen war, leistete sich einen katastrophalen Fehler, indem er den harmlosen, halbhohen Schuss durch die Finger ins Tor flutschen ließ. Ein ganz bitterer Moment für Werder, zuvor hatte die Kohfeldt-Elf nicht viel falsch gemacht. Ein harmloser Abschluss von Rashica (10.), ein ebenso harmloser Kopfball von Konoplyanka (11.) - mehr Abschlüsse hatte es bis zum Schalker 1:0 nicht gegeben. Den Gastgebern war der Respekt vor Werder durchaus anzumerken. Die Bremer hingegen hielten strikt ihre Ordnung und lauerten auf Gelegenheiten. Mit diesem Plan war es nach dem 0:1 vorbei.
Die gute Nachricht: Werder wirkte nach dem Gegentor nicht sonderlich verunsichert, sondern stand sofort wieder sicher. Die schlechte: Vor des Gegners Tor erzeugten die Bremer keine Gefahr, was schlicht und ergreifend daran lag, dass sie gar nicht in diesen Teil des Spielfeldes kamen. Bis zu Schalkes Strafraum ließ Werder den Ball zwar gefällig laufen, die letzte entscheidende Aktion gelang aber nicht. Dafür war zu wenig Tempo im Offensivspiel, zudem fehlten die Anspielstationen im Strafraum.
Offensiv fand Werder nicht statt
Zu Beginn des zweiten Durchgangs erhöhte aber nicht Werder, sondern Schalke die Geschwindigkeit. Pavlenka parierte in der 53. Minute gleich doppelt gegen den starken Amine Harit und Maximilian Meyer, ehe er wenig später einen abgerutschten Schuss des Ex-Bremers Franco Di Santo um den Pfosten lenkte (54.). Werder kam in dieser Phase gar nicht mehr hinten raus und konnte froh darüber sein, dass Di Santo in der 57. Minute vollkommen freistehend verzog. Den ein oder anderen Entlastungsangriff hätten die Gäste in dieser Phase dringend gebraucht - es blieb aber dabei: Offensiv fand Werder nicht statt. Den ersten Abschluss der Grün-Weißen nach der Pause gab es erst in der 67. Minute, als Belfodil nach einem schnell ausgeführten Freistoß des eingewechselten Aron Johannsson aus spitzem Winkel aufs Tor schoss - Schalke-Keeper Ralf Fährmann war aber auf dem Posten.
Nastasic sieht gelb-rot
Vor der Schlussphase brachte Kohfeldt Junuzovic für den glücklosen Gondorf, aber auch mit dem Österreicher auf dem Platz kam zunächst kein neuer Schwung ins Werder-Spiel. Das änderte sich in der 79. Minute. Schalkes Matija Nastasic hatte für ein Foul an Ishak Belfodil die Gelb-Rote Karte gesehen (78.), und nach dem folgenden Freistoß besorgte Kruse das 1:1. Ludwig Augustinsson hatte den Ball eigentlich viel zu zentral aufs Schalker Tor geschossen, doch Fährmann ließ die Kugel prallen, woraufhin Kruse zum Abschluss kam. Es war der zweite dicke Torwartfehler des Nachmittags.
Danach ging es hin und her. Werder in Überzahl witterte plötzlich die Chance auf mehr, Schalke wollte sich aber auch nicht mit dem Remis begnügen. Delaney scheiterte aus der Distanz an Fährmann (82.), auf der Gegenseite traf Marko Pjaca den Innenpfosten (84.). Das, was die Partie über weite Strecken hatte vermissen lassen, boten nun die letzten Minuten. Werder rannte noch einmal an, investierte alles - und wurde tatsächlich belohnt. Nach wunderbarem Heber von Johannsson räumte Fährmann Eggestein elfmeterwürdig ab, der Bremer spitzelte den Ball aber noch durch die Beine des Keepers. Junuzovic setzte sich danach gegen Thilo Kehrer durch, grätschte den Ball über die Linie - und ließ Grün-Weiß jubeln!
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson - Delaney, M. Eggestein, Gondorf (71. Junuzovic) - Rashica (56. Johannsson), Kruse, Belfodil (90.+3 Langkamp)
Fotostrecke: Werder-Wahnsinn auf Schalke




Schon gelesen?
Junuzovic: „Es war überragend!“ – Die Stimmen zum Werder-Sieg auf Schalke
Pavlenka hat Ruhe, Fährmann braucht Bier
Schon gesehen?
Werder-Fans auf Schalke: Wie immer, ganz starker Support!

