Werders größter Fanclub

Große Liebe und große Kritik – der Werder-Fanclub 27801 bringt Clemens Fritz ins Staunen

Werder Bremens Leiter Profifußball Clemens Fritz (v. l. n. r.), Kapitänen der Werder-Frauen Lina Hausicke, Fanclub-Vorsitzender Ingo Kläner und Werders Aufsichtsratsmitglied Dirk Wintermann bei der Mitgliederversammlung am Montagabend.
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Werder Bremens Leiter Profifußball Clemens Fritz (v. l. n. r.), Kapitänin der Werder-Frauen Lina Hausicke, Fanclub-Vorsitzender Ingo Kläner und Werders Aufsichtsratsmitglied Dirk Wintermann bei der Mitgliederversammlung am Montagabend.

Prominenter Besuch bei der Jahreshauptversammlung des Fanclubs 27801: Werder Bremens Leiter Profifußball Clemens Fritz, Aufsichtsratsmitglied Dirk Wintermann sowie Kapitänin Lina Hausicke waren als Ehrengäste eingeladen. Dabei mussten sich vor allem die Werder-Verantwortlichen einiges an Kritik anhören und gerieten ganz schön ins Staunen.

Dötlingen – Clemens Fritz traute seinen Augen nicht – und dann auch nicht seinen Ohren: Der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen erlebte am Montag einen ganz speziellen Abend bei der Jahreshauptversammlung des Werder-Fanclubs 27801 – dem mit weitem Abstand größten der Grün-Weißen. Fritz war genauso wie Aufsichtsratsmitglied Dirk Wintermann und Lina Hausicke, die Kapitänin der Werder-Frauen, als Ehrengast eingeladen.

„Grandios“, schwärmte Fritz nach dem überwältigenden Empfang im rappelvollen Saal des Landhotels Dötlingen: „So etwas habe ich bei einer Mitgliederversammlung noch nicht erlebt, nicht mal bei unserer eigenen.“ Rund 250 der inzwischen 2268 Mitglieder waren gekommen und sorgten für eine einmalige grün-weiße Atmosphäre mit jeder Menge Gänsehaut. Der Vorsitzende Ingo Kläner erzählte eine mitreißende Geschichte von zwei Clubmitgliedern, die mit dem Flix-Bus aus dem 800 Kilometer entfernten Leibertingen zu einem Werder-Wochenende angereist und erst am Montagmorgen in die Heimat zurückgekehrt waren. „Das sind wahre Werder-Fans!“, rief Kläner in sein Mikro und war dann voll in seinem Element: „Jeder Profi sollte es eigentlich wissen und schätzen, was unsere Fans Woche für Woche auf sich nehmen. Unsere Fans sind jedenfalls erstklassig! Dieses Gefühl ist unserer Mannschaft seit der Rückrunde in der letzten Saison anscheinend abhandengekommen.“

Werder Bremen-Fanclub-Vorsitzender fordert: „Haut mal auf den Tisch - auch bei Trainer Ole Werner“

Trotz des jüngsten 2:0-Sieges gegen Union Berlin sind Kläner und Co., wie der Beifall der Mitglieder zeigte, unzufrieden. „Wenig Erfolgserlebnisse, ein unterirdischer Punkteschnitt – es muss schnellstens eine ehrliche Analyse her“, forderte der Vorsitzende – und nicht nur das: „Wir wollen endlich wieder unsere Mannschaft mit Spaß, Emotionen, Leidenschaft und Freude spielen sehen. Wir möchten nicht schon wieder einen Trainerwechsel. Bitte, Clemens und Dirk, macht uns Hoffnung, dass es mit unserem SV Werder wieder aufwärts geht und haut auch mal dazwischen – auch bei Trainer Ole Werner. Es muss nicht immer nur die schöne, liebe Werder-Familie sein.“

Da wirkte Fritz schon ein wenig verdutzt, mit so viel Kritik hatte er nicht gerechnet. Doch er merkte natürlich sofort, dass das alles nicht persönlich gemeint ist und das dahinter vor allem eines steckt: die große Leidenschaft für den SV Werder Bremen. Also tat der Ex-Profi das, was ihn in solchen Momenten oft auszeichnet: Er lächelte erstmal. Und dann erklärte Fritz in aller Ruhe die schwierige Situation des Sommers mit den späten Transfers. „Da musste sich einiges finden, aber wir sind jetzt auf einem guten Weg“, versicherte Fritz. Kläners Wunsch nach einem neuen Innenverteidiger gab er gleich mal an Wintermann weiter – und sorgte damit für einige Lacher im Saal. Das Aufsichtsratsmitglied spielte den Ball aber gekonnt zurück und nahm seinerseits die sportliche Führung in die Pflicht, Angebote zu machen, dann könne man darüber reden. Und in dem Zusammenhang verriet Fritz, dass in dieser Woche eine Kaderplansitzung ansteht, in der die aktuellen Spieler bewertet werden, um dann die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Werder Bremens Kapitänin Lina Hausicke über Nationalmannschaft: „Dann ist das natürlich ein Traum

Es sind kleine Informationen wie diese, die so einen Abend besonders interessant für die Fans machen. Sie sind damit noch ein bisschen dichter dran an ihrem Club. Diesmal ganz speziell auch beim Thema Frauenfußball. Lina Hausicke gab interessante Einblicke in die Welt einer Bundesligaspielerin bei Werder Bremen. Sie müsse aktuell zum Beispiel nicht mehr arbeiten, könne sich voll auf den Fußball konzentrieren. Das helfe natürlich, die Qualität zu steigern. Und sicherlich würde sie auch mal an die Nationalmannschaft denken. „Wenn du in allen Nachwuchsmannschaften für Deutschland gespielt hast, ist das natürlich ein Traum“, meinte die 25-Jährige und fügte noch grinsend an: „Ich bin ja im besten Fußball-Alter.“ Noch wichtiger war ihr aber, Werbung für ihr Team zu machen: „Kommt zu unseren Spielen, es lohnt sich!“ Dazu passte eine Verlosung von gleich zehn Tickets für das Heimspiel am 19. November gegen den FC Bayern München. Die hatte der Fanclub übrigens selbst gekauft. Und die ehrliche Freude der Gewinner zeigte, wie grün-weiß die Mitglieder von 27801 denken.

Erst nach über drei Stunden war Schluss – und noch einmal war Clemens Fritz schwer beeindruckt, als die Schals in die Höhe gingen und „Lebenslang Grün-Weiß“ ertönte. Erst sang das neue Ehrenmitglied des WFC 27801 lauthals mit, dann zückte der 42-Jährige sein Handy, um diesen ganz besonderen Moment selbst per Video festzuhalten. (kni)

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