Nach Werder-Sieg gegen Union

Mehr Defensive, mehr Männer, mehr Miteinander: Werder denkt nun anders und darf deshalb gegen Berlin jubeln

Die Mannschaft des SV Werder Bremen hat mit einem besonderen Miteinander den Befreiungsschlag gegen Union Berlin geschafft - und feierte danach gemeinsam.
+
Die Mannschaft des SV Werder Bremen hat mit einem besonderen Miteinander den Befreiungsschlag gegen Union Berlin geschafft - und feierte danach gemeinsam.

Werder Bremen feiert gegen Union Berlin einen ganz wichtigen Sieg - weil Trainer Ole Werner und die Mannschaft nun anders denken und einige Dinge anders machen. Der Nachbericht der DeichStube.

Bremen – Dass Teams vor dem Anpfiff einen Kreis bilden, um sich auf das Spiel einzuschwören, gehört inzwischen zum Fußball wie eine Ecke. Die Profis des SV Werder Bremen setzen auf dieses Ritual nun aber offenbar auch bei Toren. Nach dem Treffer zum 1:0 beim 2:0-Heimsieg gegen den 1. FC Union Berlin folgte dem üblichen Jubel ein eiligst von Leonardo Bittencourt und Marvin Ducksch organisierter Mannschaftskreis mitten in der gegnerischen Hälfte. Nicht nur das ist neu bei den Grün-Weißen, in den vergangenen Wochen wurde einiges verändert, damit der Bundesligist wieder in die Erfolgsspur kommt. Mehr Defensive, mehr Männer, mehr Miteinander lautet nun das Motto am Osterdeich – und das brachte am Samstag gegen Berlin drei ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf. Wenngleich zur Wahrheit des Spiels auch gehört, dass bei Gegner Union gerade so ziemlich alles schiefläuft.

„Wir hatten auch das Quäntchen Glück“, gestand Trainer Ole Werner und meinte damit speziell das Eigentor von Robin Knoche zu Werders Führung in der 37. Minute. „Dafür haben wir auch einiges getan“, schob Werner allerdings sofort hinterher. Und da ist dann zum Beispiel die scharfe Freistoß-Hereingabe von Marvin Ducksch vor dem Eigentor zu nennen. Werder Bremen hatte sich nach etwas wackeligem Beginn mit ein, zwei Problemen in der Defensive schnell gefangen und wagte sich immer mehr nach vorne. Allerdings nicht blindlings, sondern eher vorsichtig. Mitchell Weiser hielt sich diesmal auf der rechten Seite auffällig zurück, nachdem er für seine Defensivschwächen zuletzt viel Kritik hatte einstecken müssen. Noch auffälliger war jedoch die Strukturveränderung im Mittelfeld. Statt mit einem Sechser und zwei Achtern lässt Werner nun mit zwei Sechsern und einem Achter spielen. Jens Stage gab dabei wie schon in Dortmund den Hauptsechser und wurde dabei von Bittencourt unterstützt. Dafür hat Romano Schmid dann mehr Freiheiten als Achter. Das bekommt dem Team gut – speziell auch der Dreierkette, die in der Notbesetzung Milos Veljkovic, Marco Friedl und Anthony Jung gegen Union Berlin ein seltenes, aber hochverdientes Zu-Null-Spiel feiern durfte.

Angepasstes System und Taktik helfen Werder Bremen, aber auch der „erwachsene“ Männer-Fußball

„Grundsätzlich geht es darum, gewisse Räume auf dem Spielfeld besser zu schützen als wir das in vielen Spielen in dieser Saison getan haben“, erklärte Werner. Gegen Hoffenheim sei das auch schon versucht worden, aber da habe es im Verbund noch nicht so wie erhofft geklappt, oftmals hätten die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen nicht gepasst, so der Coach des SV Werder Bremen. Bei der 0:1-Niederlage in Dortmund funktionierte es dann schon besser, gegen Union Berlin richtig gut. Die Gäste kamen erst in der Schlussphase zu einer echten Torchance.

Das lag freilich nicht nur am Bremer System oder der Taktik, sondern auch am „Männer-Fußball“, wie ihn Leonardo Bittencourt bezeichnete. „Es war eine sehr erwachsene Leistung, das hat mir gut gefallen. Die Intensität spielt schon eine große Rolle, die haben wir in den letzten Spielen nicht so gezeigt.“ Damals hatte er selbst noch auf der Bank gesessen – verbannt vom Coach. Der hatte ihn bereits gegen Dortmund zurückgeholt und vom Spieler vor allem viel Mentalität bekommen. Gegen Union Berlin war dieser unbändige Wille bei jedem Spieler des SV Werder Bremen spürbar – mit einem Schmid als krönendem Beispiel. Der Österreicher ließ sich von seinen Startschwierigkeiten nicht entmutigen und auch nicht vom sofort mit Rot geahndeten Kung-Fu-Tritt des Berliners Rani Khedira (60.) stoppen. Immer wieder ging Schmid in die Zweikämpfte, dribbelte sich durch und wurde im mit 42.100 Zuschauern ausverkauften Wohninvest Weserstadion als Stehaufmännchen gefeiert.

Große Erleichterung bei Werder Bremen nach Sieg gegen Union Berlin - daher mahnt Leonardo Bittencourt

Viel Applaus gab es zurecht auch für Marvin Ducksch, der nach feiner Vorarbeit von Milos Veljkovic das 2:0 mit einem sehenswerten Lupfer besorgte (75.). Dem Angreifer ist deutlich anzusehen, dass er auf und neben dem Platz mehr Verantwortung übernehmen will. „Wir haben heute sehr gut verteidigt und es auch nach vorne besser gemacht“, urteilte der 29-Jährige und fügte noch an: „Zudem hat man heute gesehen, dass jeder einzelne das Spiel gewinnen wollte. Wir spielen wieder mit mehr Leichtigkeit, jeder läuft für den anderen und ist bereit, jeden Weg zu gehen. So müssen wir in die nächsten Wochen gehen.“ Damit das auf dem Platz bloß nie jemand vergisst, wurde der Torkreis eingeführt, über den sich der Coach sehr freute: „Das sieht man nicht so oft, aber das ist ja, wenn man die Möglichkeit hat, einfach sehr gut.“ Die Spieler des SV Werder Bremen hätten sich zuletzt zusammengesetzt und genau so etwas besprochen, so Werner: „Das ist ja auch ein Prozess: Wer gibt die Richtung vor auf dem Platz? Wer ist in welchen Situationen derjenige, der Verantwortung übernimmt? All das braucht Zeit und das findet sich nach und nach. Es ist sicherlich Ausdruck einer besseren Kommunikation auf und neben dem Platz, dass man sowas auch im Spiel sieht.“

Die Erleichterung nach dem dritten Sieg im neunten Ligaspiel war allen deutlich anzumerken. „Das ist eine unglaubliche Last, die von unseren Schultern fällt“, berichtete Schmid und schwärmte: „Seitdem ich hier bin, haben wir zu Hause nie so gut gespielt wie jetzt.“ Das war im Rausch des Sieges vielleicht ein wenig zu euphorisch, zeigte aber vielmehr, dass der Druck schon immens war. Denn gegen angeschlagene Berliner, die neun Pflichtspiele in Folge verloren hatten, war ein Sieg erwartet worden. Ansonsten hätte es wohl ziemlich ungemütliche Tage an der Weser gegeben. Durch den Erfolg ist dagegen Ruhe eingekehrt, der Glaube an die Mannschaft zurückgekehrt, wenngleich natürlich vielen die besonderen Umstände des Sieges mit Eigentor und Roter Karte gegen den taumelnden Champions-League-Teilnehmer bewusst waren. Damit nun weiter hart gearbeitet wird, „werde ich sie auch beim nächsten Training wieder zusammenholen, damit niemand denkt, dass wir jetzt wieder nachlassen können, weil wir ein Spiel gewonnen haben“, kündigte Bittencourt seinen Kollegen vorsorglich schon mal an und mahnte: „Mit neun Punkten kommst du nicht weit.“ Deshalb soll das Punktekonto am Sonntag (15.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) beim Gastspiel des SV Werder Bremen beim VfL Wolfsburg weiter anwachsen. (kni)

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare