Konkurrenzkampf in Werders Defensive
Kettenreaktionen: Stark zurück, Veljkovic als Seitenwechsler – Werders Abwehrreihe verändert sich
Sechs Innenverteidiger kämpfen beim SV Werder Bremen um drei Stammplätze in der Dreierkette. Im Vergleich zum Endspurt der abgelaufenen Saison hat sich das interne Kräfteverhältnis allerdings verschoben - weshalb sich Werders Abwehrreihe verändert.
Bremen/Cottbus – Bisher sind es fünf Neuzugänge, die der SV Werder Bremen während des Sommers in seinen Profikader integriert hat, sie verteilen sich auf drei Mannschaftsteile. Mio Backhaus und Markus Kolke kamen für das Tor, Keke Topp und Marco Grüll für den Angriff, während der in der vergangenen Rückrunde bereits ausgeliehene Skelly Alvero nach seiner festen Verpflichtung das Mittelfeld verstärkt. In der Abwehr hingegen ist noch nichts passiert – und doch sieht es aktuell danach aus, also könnte es gerade dort die meisten personellen Veränderungen in der Werder-Startelf geben. Fest steht: Für seine Dreierkette verfügt Cheftrainer Ole Werner mit sechs Innenverteidigern nach wie vor über ein komfortables Angebot – im Vergleich zum Endspurt der abgelaufenen Saison hat sich das interne Kräfteverhältnis allerdings verschoben.
Kapitän Marco Friedl ist beim SV Werder Bremen gesetzt - was die Situation für seine Konkurrenten zusätzlich kompliziert macht
Milos Veljkovic als rechter Innenverteidiger, Kapitän Marco Friedl im Zentrum und Anthony Jung auf der linken Seite – diese Formation war bei Werder Bremen vor wenigen Monaten noch gesetzt. Während der letzten fünf Saisonspiele lief das Trio jeweils von Beginn an auf – und überzeugte. Keine einzige der Partien ging verloren, die Bremer holten satte elf Punkte bei einem Torverhältnis von 12:5 und durften lange von Europa träumen. Zugegeben: Angesichts der Verletzungen von Amos Pieper und Niklas Stark war die Auswahl für Ole Werner deutlich geschrumpft, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass das Abwehrtrio sicher stand und so etwas wie die Basis für das starke Saisonfinale bildete. Ein großer Vorteil ist das für Veljkovic, Friedl und Jung mittlerweile aber nicht mehr, mit unterschiedlichen Konsequenzen für den Einzelnen.
Im Fall Marco Friedl ist die Sache einfach: Als Kapitän des SV Werder Bremen ist der Österreicher so oder so gesetzt und wird weiterhin die Rolle im Zentrum der Dreierkette für sich beanspruchen, was die Situation für Milos Veljkovic und Anthony Jung zusätzlich kompliziert macht. Ersterer fühlt sich grundsätzlich ebenfalls in der Mitte am wohlsten, weicht seit einer gefühlten Ewigkeit aber bereits auf rechts aus – und könnte nun vor einem erneuten Seitenwechsel stehen.
Werder Bremens Ole Werner setzt in Cottbus auf Niklas Stark und Milos Veljkovic, doch „das ist nicht in Stein gemeißelt“
Der Grund: Niklas Stark hat seine Innenbandverletzung im Sprunggelenk auskuriert, eine gute Vorbereitung gespielt und ist ebenfalls auf die Rolle des rechten Innenverteidigers angewiesen, weil Marco Friedl das Zentrum blockiert. Während des DFB-Pokalspiels des SV Werder Bremen bei Energie Cottbus (3:1) erhielt der 29-Jährige am Montag den Vorzug vor Milos Veljkovic, der in der Lausitz dafür die linke Seite beackerte – womit wir bei Anthony Jung angekommen wären.
Der war in der vergangenen Saison eine der positiven Überraschungen beim SV Werder Bremen, weil der 32-Jährige der Mannschaft mit seiner Ruhe und Übersicht Stabilität verlieh – und sich dadurch auf der linken Seite unverzichtbar machte. Gegen Ende der Vorbereitung setzte Anthony Jung allerdings eine Erkältung außer Gefecht, weshalb er die Generalprobe bei Stade Rennes (0:1) verpasste und nun auch in Cottbus zunächst nur zweite Wahl war.
„Tony war vor dem letzten Testspiel krank und konnte es nicht absolvieren. Er ist erst am Donnerstag wieder voll mit der Mannschaft im Training gewesen“, sagt Ole Werner – und erklärt: „Wir haben uns für die Jungs entschieden, bei denen wir sicher waren, dass es körperlich zu 100 Prozent funktioniert.“ Als Fingerzeig für den Bundesliga-Start beim FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) wollte der Chefcoach des SV Werder Bremen das nicht verstanden wissen: „Das ist nicht in Stein gemeißelt. Wir haben genügend Spieler, um uns dem Gegner anzupassen und die Trainingsleistungen zu berücksichtigen. Deshalb ist das Rennen da grundsätzlich offen.“
Werder Bremens Niklas Stark über Anthony Jungs Auftritt bei Energie Cottbus: „Tony hat seine Sache super gemacht“
In Cottbus griff Anthony Jung auch bereits ein: Nach 61 Minuten kam er für den gelb-rot-gefährdeten Niklas Stark ins Spiel, was abermals eine Kettenreaktion in Gang setzte: Jung sortierte sich auf der linken Seite ein, Milos Veljkovic wechselte dafür rüber nach rechts. „Tony hat seine Sache super gemacht“, lobte Stark. „Wir sind ein tolles Team da hinten drin. Da, wo der Trainer uns hinstellt, geben wir unser Bestes. Da gilt es auch mal, seine persönlichen Sachen hintanzustellen.“
Klingt nach gesundem Konkurrenzkampf, von dem die Mannschaft freilich nur profitieren kann. Im jungen Argentinier Julian Malatini sowie dem derzeit noch verletzten Amos Pieper (muskuläre Probleme) lauern aktuell noch zwei weitere Profis auf ihre Chance. Kettenreaktionen könnte es beim SV Werder Bremen in der Saison 2024/2025 also noch einige geben. (dco)