Florian Kohfeldt unterschreibt bis 2021
Großer Vertrag für eine große Hoffnung
Bremen - Selbst die Unterschrift wurde verfilmt und ins weltweite Netz gestellt: Werder begleitete die Vertragsverlängerung von Florian Kohfeldt medial so groß und euphorisch wie nie zuvor bei einem Coach.
Und der 35-Jährige spielte vor der Kamera perfekt mit, stellte sogar sehr unterhaltsam sein Büro vor. Es war ein besonderer Tag für ihn und für Werder, denn der Vertrag des 35-Jährigen wurde gleich bis 2021 verlängert und ordentlich dotiert. Über eine Million Euro im Jahr soll Kohfeldt nun verdienen, das wäre weitaus mehr als seine Vorgänger Alexander Nouri und Viktor Skripnik bekommen haben. Werder will seinen wichtigsten Mitarbeiter ordentlich entlohnen. Schließlich er ist der große Hoffnungsträger – und niemand soll ihn sich so leicht schnappen können. Mehrere Clubs, darunter auch Topvereine, wollten Kohfeldt zur neuen Saison verpflichten. Doch dem hat Werder einen Riegel vorgeschoben – und zwar dauerhaft.
„Ich empfinde diese Entscheidung als hohe Wertschätzung meinem gesamten Trainerteam gegenüber“, ließ sich Kohfeldt in einer Pressemitteilung zitieren. Der Hinweis auf seine Kollegen war ihm extrem wichtig. Hätten die nicht auch verlängert, wäre er nicht geblieben. Also unterschrieben auch die Co-Trainer Tim Borowski und Thomas Horsch, Torwarttrainer Christian Vander, die Athletik-Spezialisten Axel Dörrfuß und Günter Stoxreiter sowie die Analysten Mario Baric und Pascal Schichtel neue Arbeitspapiere. Gut möglich, dass dieser Bereich noch um weitere Spezialisten erweitert wird.
„Wollen Top-Ausbildungsverein der Liga werden“
Denn Kohfeldt sprudelt nur so vor neuen Ideen. Das war schon immer so, seit er bei Werder ist. Das vor gut anderthalb Jahren neu eingeführte Top-Talente-Programm zum Beispiel entstammt größtenteils seiner Feder. „Mich treibt an, dass wir der Top-Ausbildungsverein der Liga werden“, sagte Kohfeldt im Werder-TV und betonte: „Die Maxi Eggesteins müssen die Regel werden, nicht die Ausnahme.“ Allein das reicht ihm natürlich nicht. „Wir müssen fußballerisch einen Wiedererkennungswert haben. Und dabei wollen wir möglichst erfolgreich sein – das bedeutet für mich nicht Platz 14, 15, 16.“
Kohfeldt will mit Werder wieder nach oben – und der Club mit ihm. So deutlich sagt es natürlich keiner, um den Druck nicht noch größer zu machen. Denn schon jetzt hat Kohfeldt die Erwartungen enorm in die Höhe geschraubt. Er kann schließlich mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. Seit seinem Amtsantritt Ende Oktober hat er aus 18 Spielen 31 Punkte geholt. Das macht einen Schnitt von 1,72 Punkten pro Spiel – eine enorm gute Quote. Auch wenn der Vergleich bei 493 zu 18 Bundesligaspielen etwas hinkt: Nur Otto Rehhagel war bei Werder in der Vergangenheit mit 1,77 Punkten mal besser. In der Rückrunden-Tabelle belegt Werder Rang drei. Der Abstand zu einem Platz, der ins internationale Geschäft führen könnte, ist geringer als der zur Abstiegszone. Werder kann sich eigentlich schon andere Ziele setzen, macht es aber nicht.
„Wir sind ein besonderer Verein in der Bundesliga“
Klar, eine gewisse Bescheidenheit kann nicht schaden. Aber Kohfeldt hat Werder auch wieder selbstbewusster gemacht – vor allem mit seiner offensiven Spielweise. Für ihn gilt: Jedes Spiel kann – besser noch – muss gewonnen werden. „Wir sind ein besonderer Verein in der Bundesliga“, hob Kohfeldt nun hervor – und als würde er grün-weiße Luft einatmen, fügte der 35-Jährige noch an: „Was wir haben, haben nicht viele in der Bundesliga. Das muss man einfach so sagen.“
Auch Baumann musste etwas sagen – und zwar sehr Positives über seinen Trainer: „Florian hat mit seiner kommunikativen, transparenten und kritisch-konstruktiven Art großen Anteil am Entwicklungsprozess unserer Mannschaft. Er hat das Team mit klaren Vorstellungen und einer erkennbaren Philosophie aus einer schwierigen Situation herausgeführt.“ Diesen Weg soll Kohfeldt weitergehen – dafür hat er die Unterstützung des ganzen Vereins. Vom Aufsichtsrat bis zur Waschfrau – alle stehen hinter Kohfeldt. Das hat er sich erarbeitet – und er bleibt da am Ball.
Genauso offen präsentiert er sich den Medien und den Fans, ohne als Selbstdarsteller rüberzukommen. Der Besuch des clubeigenen Filmteams in seiner Trainerkabine kommt weder abgehoben noch gequält daher. „Ich bin ein typischer Ausdrucker. Ich muss alles ausdrucken“, verriet Kohfeldt seine Büro-Gewohnheiten und lachte über sich selbst. Auch das kann er.
Mit Baumann eine neue Ära starten
Es gibt aber auch Dinge, die er nicht mag: Fragen nach seinem Privatleben. Frau und Tochter möchte er aus der Öffentlichkeit heraushalten. Immer geht das nicht. Und so gab er nun zumindest einen kleinen Einblick: „Meine Frau guckt mich immer noch so an wie früher, wenn ich die Tennistasche im Flur stehen lasse. Aber ich gehe nicht mehr durch die Stadt einfach so. Das ist aber auch okay.“
Florian Kohfeldt ist spätestens jetzt ein ganz, ganz besonderer Mann in Bremen. Ihm wird zugetraut, gemeinsam mit Sportchef Frank Baumann eine neue Ära zu starten – und zwar eine erfolgreiche. Angst davor, daran zu scheitern, hat Kohfeldt jedenfalls nicht: „Unabhängig von allem, was noch passiert, wird Werder immer mein Verein bleiben.“
Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern




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