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Stuttgart - Als es geschah, war er gerade ganz woanders. Nicht körperlich zwar, aber mit den Augen und Gedanken.
„Ich habe nach dem Einwurf mit einem langen Ball von Zieler gerechnet und schon mal geguckt, wie wir hinten geordnet sind“, sagte Florian Kohfeldt. Folglich bekam der Trainer des SV Werder nicht mit, wie VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler den Einwurf seines Mitspielers Borna Sosa denkbar ungeschickt ins eigene Tor verlängerte. „Das war vielleicht ein Moment der Bundesliga-Geschichte. Und ich gucke nicht hin. Ich Idiot“, ärgerte sich Kohfeldt später.
Nur weil er im Augenwinkel Sportchef Frank Baumann und den Rest der Bremer Bank aufspringen sah, wusste er: Hoppla, da ist doch was passiert. Oder wie Kohfeldt es formulierte: „Ich habe gedacht: Hä? Und dann war Tor...“
Dumm gelaufen ist da noch untertrieben
Zieler hatte es ganz ähnlich gemacht wie 1982 Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff beim Einwurf von Werders Uwe Reinders. Hingegangen, Ball berührt, Tor kassiert – dumm gelaufen ist da noch untertrieben. Und natürlich wird Zieler diese Aktion noch eine ganze Weile nachhängen. Am Samstag sah er aber keinen Grund, sich über die Slapstick-Einlage großartig Gedanken zu machen. Er redete lieber gut gelaunt über den ersten Stuttgarter Saisonsieg. „Den geholt zu haben, ist das Wichtigste. Auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist“, sagte er.
Der eigene krasse Fehler aus der 68. Minute blieb dank der Tore von Anastasios Donis (19.) und Gonzalo Castro (74.) ohne Folgen für den VfB. Darüber war – neben Zieler – vor allem Trainer Tayfun Korkut glücklich. Ein Remis oder gar eine Niederlage gegen zehn Bremer hätte die Krise in Stuttgart natürlich verschärft, hätte den 44-Jährigen vielleicht sogar den Job gekostet. Doch so kann er aufatmen und Zielers Fauxpas ganz schnell vergessen. „Ich konnte es nicht glauben, als es passiert ist. Ich habe gedacht: Muss ich denn alles erleben in meiner Karriere?“
„Zieler braucht keinen Trost, der hat ja gewonnen“
Kollege Kohfeldt hat zuletzt auch einiges aus dem Kuriositäten-Kabinett geboten bekommen. Am Wochenende zuvor war es der spielentscheidende Fehlgriff von Augsburgs Fabian Giefer zum Bremer 3:2, nun folgte Zielers Klops. Bei Giefer war Kohfeldt noch als großer Torwart-Tröster aufgetreten, bei dem Stuttgarter nicht: „Zieler braucht keinen Trost, der hat ja gewonnen.“