Werder-Transfer-News

„Müssen die Qualität erhöhen“: Werder hat zwei Wochen vorm Pflichtspielstart viele Baustellen – wann fällt der Dominostein Coulibaly?

Verletzte, unbesetzte Kaderstellen und Abgangskandidaten: Werder Bremen hat zwei Wochen vorm Pflichtspielstart viele Baustellen. Ein Überblick.

Der Plan war klar: Wenn es für den SV Werder Bremen am Montag ins fünftägige Trainingslager nach Harsewinkel geht, sollte im besten Fall bereits der Großteil des Kaders stehen. So lautete der Wunsch aller Beteiligten. Hinter teilweise verschlossenen Türen hätte sich die Mannschaft dann an die Feinarbeit bei den taktischen Abläufen machen können. So viel zur Theorie. Die Praxis sieht keine zwei Wochen vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal und nur noch drei Wochen vor dem Bundesliga-Start am Osterdeich nämlich erneut etwas anders aus – und erinnert in Ansätzen an das Vorjahr.

Angestrengte Blicke: Bei Werder Bremen reiht sich zwei Wochen vor dem Pflichtspielstart Baustelle an Baustelle.

Werder Bremen hat zwei Wochen vorm Pflichtspielstart viele Baustellen: „Wir müssen die Qualität erhöhen“

Denn auch dieses Mal ist der Kader, wenn auch nicht von langfristigen, so doch von zahlreichen Ausfällen arg gebeutelt. Zudem sind drei Wochen vor dem Ende der Transferperiode weiterhin einige Positionen im Bremer Aufgebot unbesetzt oder zumindest verbesserungswürdig. „Wir müssen die Qualität erhöhen. Wir haben Qualität abgegeben. Wir haben Potenzial eingekauft, wir haben Qualität eingekauft, die in der Entwicklung ist. Trotzdem brauchen wir noch Zuwachs in der Defensive, im Mittelfeld und in der Offensive“, machte Cheftrainer Daniel Thioune nach dem sehr durchwachsenen 2:2-Test am Samstag gegen den SC Paderborn klar.

Doch damit noch nicht genug. Thioune wurde in seinen Aussagen sogar noch deutlicher: „Ich würde mir wünschen, dass zeitnah Zuwachs kommt – mit dem Wissen, dass etwas kommen wird, aber auch mit dem Anspruch, dass etwas kommen muss.“ Der Auftrag ist dabei klar: Seit Wochen fahnden die Verantwortlichen um Sportchef Clemens Fritz nach einem neuen Außenverteidiger, einem Mann für das defensive Mittelfeld und einem weiteren Angreifer. Das bisherige Problem: Weil der Abgang von Mio Backhaus (rund 15 Millionen Euro) hauptsächlich die finanziellen Löcher aus der vergangenen Saison stopfte, muss auch jetzt zunächst Geld eingenommen werden, um es anschließend wieder ausgeben zu können.

Zwar deuten alle Anzeichen darauf hin, dass der Transfer von Romano Schmid zum italienischen Serie-A-Aufsteiger Frosinone Calcio für kolportierte acht Millionen Euro plus Bonuszahlungen, die auf einen zweistelligen Millionenbetrag anwachsen können, zeitnah finalisiert werden dürfte. Dennoch stellte Clemens Fritz, ohne die Summe öffentlich zu bestätigen oder zu kommentieren, bereits klar: „Große Sprünge könnten wir nicht machen.“

Werder Bremens Coach Daniel Thioune fordert Neuzugänge - wann wechselt Karim Coulibaly?

Zu sehr werden die Schmid-Millionen auch jetzt dafür gebraucht, damit in Werder Bremens Kasse nach diesem Sommer nicht erneut ein Loch klafft. Deutlich mehr Spielraum soll der bereits in der Vergangenheit hinter den Kulissen als Dominostein bezeichnete mögliche Transfer von Karim Coulibaly bringen. Beim 19-jährigen Innenverteidiger liegt nach DeichStube-Informationen zwar weiterhin kein konkretes Angebot auf dem Tisch. Dennoch deuten die Zeichen nach seinem erfolgreich durchgezogenen Beraterwechsel vermehrt darauf hin, dass der von allen Seiten anvisierte Wechsel für eine deutlich höhere Millionensumme in diesem Sommer noch über die Bühne gehen könnte.

Wie zu hören ist, ist nicht ausgeschlossen, dass bereits zeitnah Bewegung in die Sache kommt – auch wenn Coulibaly selbst am Sonntag noch am Osterdeich weilte. Die Bremer hoffen dem Vernehmen nach auf einen zahlungskräftigen Abnehmer aus England. Die erhofften Einnahmen aus einem Coulibaly-Verkauf sollen sich im Bereich von rund 30 Millionen Euro bewegen. Viel Geld. das im Anschluss auch den Spielraum bei dringend benötigten Neuverstärkungen vergrößern würde.

Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz über Neuzugänge: „Hoffe auch, dass wir so schnell wie möglich etwas umgesetzt bekommen“

„Ab und zu brauchen wir noch ein bisschen mehr Geduld, aber ich hoffe natürlich auch, dass wir so schnell wie möglich etwas umgesetzt bekommen“, sagte Fritz zum zeitlichen Ablauf bei möglichen Neuverstärkungen. Mögliche Coulibaly-Millionen würden anvisierte Transfers wie den von Stürmer Tomas Bobcek wieder wahrscheinlicher werden lassen. Dennoch deutet aktuell einiges darauf hin, dass es anders als ursprünglich gewünscht erneut auf eine späte Umsetzung und Integration von Sofortverstärkungen hinausläuft – ein Szenario, das es in Bremen in den vergangenen Jahren häufiger gab.

Zwar wurden in diesem Sommer bereits frühzeitig sieben Neuzugänge verpflichtet. Doch immer mehr deutet sich an, dass einige Spieler wie Chuki oder Oskar Wojcik zwar mit viel Potenzial ausgestattet sind, die Frage nach der Sofortverstärkung aber erst noch geklärt werden muss. „Wir haben heute vielleicht auch gesehen, dass der eine oder andere noch nicht so weit oder vielleicht auch gar nicht in der Lage ist, direkt in so einem Spiel den Stempel aufzudrücken oder das zu prägen, was wir prägen wollen“, sagte Thioune vielsagend auf die Frage, ob bei einem möglichen Schmid-Abgang auch im offensiven Mittelfeld noch einmal adäquat nachgebessert werden müsste.

Neuzugänge bei Werder Bremen? Clemens Fritz: „Haben aktuell auf der rechten Verteidigerposition große Probleme“

„Aktuell ist es so, dass wir auf der rechten Verteidigerposition große Probleme haben, dass wir auch im zentralen Mittelfeld aufgrund der Ausfälle große Probleme haben. Wir schauen uns um“, betonte Fritz. Gleichzeitig erwähnte der Sportchef: „Wir haben natürlich jetzt auch einige Ausfälle, einige Jungs, die uns gerade fehlen. Wenn wir von denen fünf, sechs, sieben Spielern mehr gehabt hätten, hätte man vielleicht auch jetzt bereits eine andere spielerische Rolle gesehen.“ Es ist ein Teil der Wahrheit, dass derzeit beispielsweise mit Senne Lynen, Niklas Stark, Felix Agu und auch Mitchell Weiser nicht nur Erfahrung, sondern ausgewiesene Bundesliga-Qualität fehlt.

Da sich bis auf Lynen bei allen anderen drei Spielern eine zeitnahe Rückkehr allerdings nicht abzeichnet beziehungsweise erneut verzögert, werden erste Erinnerungen an den Sommer vor einem Jahr wach. Auch wenn erwähnt werden muss, dass die Testspiel-Ergebnisse des SV Werder Bremen in dieser Vorbereitung deutlich vielversprechender sind als noch in der Vorsaison. „Wir haben intensiv und gut gearbeitet in den vergangenen Wochen. Aber trotzdem hat man heute auch gesehen, dass noch Luft nach oben ist und dass wir uns natürlich auch steigern müssen, sowohl mit Ball als auch gegen den Ball“, sagte Fritz. „Wir wissen schon, dass wir eine Schippe drauflegen müssen, sowohl auf dem Platz, aber wir wissen auch, dass wir auf dem Transfermarkt noch was machen müssen.“

Sportchef Clemens Fritz über den Status Quo bei Werder Bremen: „Wissen, dass wir eine Schippe drauflegen müssen“

Es werden also arbeitsintensive und anspruchsvolle drei Wochen für alle Beteiligten bei Werder Bremen. Am 30. August steht in Freiburg der Bundesliga-Auftakt bevor, zwei Tage später, am 1. September um 20 Uhr, schließt das Transferfenster. Zwar bescheinigen alle Verantwortlichen der Vorbereitung bislang anhand der erzielten Resultate, dass sie „okay“ war. Bewusst dürfte dennoch jedem sein, dass die Ergebnisse erst ab dem Pflichtspielauftakt im Pokal gegen Lüneburg (22. August) zählen. Trotz der personell angespannten Lage vor dem Trip nach Harsewinkel, bei dem der nächste Schritt gelingen und im besten Fall auch Zuwachs für den Kader dazukommen soll, waren sowohl Thioune als auch Fritz am Samstag bemüht, keinerlei Alarmstimmung am Osterdeich aufkommen zu lassen.

„Ich bin nicht unruhig. Ich bin relativ austariert und ausbalanciert, weil ich diese Situation einfach kenne“, betonte Thioune. Und auch der Sportchef des SV Werder Bremen machte mehr als deutlich: „Ich bin weit davon entfernt, dass die Alarmglocken angehen sollten. Ich bin auch ein ungeduldiger Mensch, da bin ich ehrlich, es fällt mir auch nicht immer leicht. Trotzdem bin ich recht optimistisch, dass wir jetzt in den nächsten Wochen noch was umgesetzt bekommen.“ Worte, an denen sich die Verantwortlichen werden messen lassen müssen. Denn erst dann wird sich rückblickend zeigen, ob die jetzige Phase tatsächlich nur geringfügige Parallelen zum vergangenen Sommer aufweist – oder ob sich daraus erneut weitreichende Muster entwickeln. (bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/DeFodi/nordphoto

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