Vor Werder gegen Hoffenheim
Gemeinsam aus dem Tief: Werder-Coach Steffen setzt bei ersehnter Trendwende auch auf die Kraft der Fans
Werder Bremen will beim Bundesliga-Restart gegen die TSG Hoffenheim eine Trendwende einläuten - Trainer Horst Steffen setzt dabei auch auf die Fans.
Bremen – Schritt für Schritt ging es voran, ziemlich zügig sogar. Kurzfristig lag ein schmerzhafter Ausrutscher in der Luft, doch Samuel Mbangula und Isaac Schmidt meisterten den beherzten Sprint über den vereisten Gehweg ohne Zwischenfälle. Als am Donnerstagnachmittag beim SV Werder Bremen trainiert wurde, hinkte das Duo zeitlich etwas den Kollegen hinterher, weshalb trotz der Stollenschuhe an den Füßen hastig über die gefrorenen Schneeflächen gewieselt wurde. Dabei scherzten sie, lachten laut und verströmten generell eine gute Stimmung. So wie auch viele andere Profis des Teams. Und damit hatten sie den bildlichen Beweis für das geliefert, was ihr Coach ein paar Stunden vorher mit Worten versucht hatte zu beschreiben: Bei Werder wird kein Trübsal geblasen.
Werder Bremens Horst Steffen: „Die Jungs lechzen danach, einen Sieg einzufahren“
„Wenn du nicht erfolgreich spielst, ist es nicht schön und das nimmt dich auch ein Stück weit mit. Daraus kann aber auch immer etwas entstehen“, hatte Horst Steffen während der offiziellen Pressekonferenz vor dem nahenden Heimspiel des SV Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) gesagt. „Die Jungs lechzen danach, einen Sieg einzufahren und haben das Bedürfnis nach einem Spielverlauf, in dem unsere Ideen gut umgesetzt wurden. Ich erlebe sie sehr motiviert und fokussiert, sie holen sich aus dem Training ein gutes Gefühl.“
Es sollte nicht das einzige mal an diesem Tag gewesen sein, dass Steffen diese Vokabel bemühte. Er überstrapazierte sie regelrecht. Der 1990er-Weltmeister Andreas Möller, der einst das legendäre Zitat „Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl“ produzierte, wäre vermutlich stolz gewesen. Nach Wochen, in denen bei Werder Bremen reichlich fußballerische Schonkost geboten wurde, stand das richtige Wohlbefinden aller Beteiligten ganz hoch im Kurs. Weitere Kostprobe gefällig? „Für die Mannschaft ist es sicherlich ein gutes Gefühl, wenn wir viele Pässe spielen und viele Ballbesitzphasen haben. Aber am Ende ist immer wichtig, was kommt Richtung Tor dabei hinaus“, sagte Horst Steffen, als er darauf angesprochen wurde, dass es genau in diesen Disziplinen zuletzt allerlei Versäumnisse gegeben habe. „Wenn wir nach Umschaltsituationen zu Abschlüssen und Toren kommen, gibt das ein gutes Gefühl. Wenn beides nicht gelingt, dann fühlt es sich auch nicht so gut an. Deswegen arbeiten wir daran, dass wir immer wieder unsere Abschlüsse kriegen – und dadurch auch ein gutes Gefühl.“
Werder Bremens Horst Steffen: „Die Unterstützung der Fans ist immer notwendig – gerade in Phasen, in denen es nicht so super läuft“
Bei derart vielen – und jetzt sei es noch ein letztes Mal geschrieben – Gefühlen, kann einem schnell duselig werden. Doch genau das können die Bremer nicht gebrauchen. Spieler wie Fans. Sie alle sehnen sich nach Besserung. Doch gerade im Umfeld gab es zuletzt einige atmosphärische Störungen, viele Anhänger verlieren allmählich die Geduld beim Wunsch nach einem besseren Auftreten ihrer Mannschaft. Oder haben sie bereits verloren. Horst Steffen hofft dennoch, dass im Spiel des SV Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim am Samstag (live im TV) im Weserstadion vom Publikum auch mal Fehler verziehen werden und nicht schnell die Stimmung kippt. „Die Unterstützung der Fans ist immer notwendig – gerade in Phasen, in denen es nicht so super läuft. Da ist das ein Signal, das sich auf die Mannschaft übertragen kann“, erklärte der Coach. „Umgekehrt wollen wir auf dem Platz aber auch zeigen, dass alles, was vorher war, abgehakt ist und jetzt wieder Vollgas gegeben wird. Wir wollen zeigen, dass wir mutig sind, unsere Chancen haben wollen und auch in Defensivzweikämpfen aufmerksam sind. Die Fans wollen sehen, dass wir uns gegenseitig unterstützen und als Team arbeiten. Es ist wichtig, dass das rüberkommt, denn dann kommt wieder eine große Gemeinschaft zustande.“ Pfiffe oder sonstige ablehnende Gesten seien da eher kontraproduktiv. „Dementsprechend ist auf der Tribüne vielleicht auch mal Geduld gefordert, wenn es nicht so gut läuft. Gerade in schwierigen Phasen zeigt sich der Zusammenhalt. Das ist innerhalb unserer Gruppe so, aber auch im gesamten Umfeld. Wenn uns das gelingt, dann kommen wir gemeinsam auch wieder in gute Fahrwasser.“
Damit das gelingt, müssen amtliche Prüfungen gemeistert werden. Mit den bevorstehenden Partien gegen die TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund (Dienstag, 20.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) endet die Hinrunde, danach beginnt wieder das stramme Programm, das schon im Sommer mancherorts für Schnappatmung sorgte. Und zuletzt erweckte Werder Bremen eben nicht den Eindruck, dass schnell alles oder zumindest vieles besser wird. „Das Testspiel gegen St. Pauli war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagte auch Horst Steffen noch einmal. „Nichtsdestotrotz besitzen wir jetzt die Chance, zu zeigen, was wir können. Wir wollen einen Haken an alte Dinge machen. Ich bin da zuversichtlich und sehe, wie motiviert die Jungs sind und dass sie Lust haben, richtig Gas zu geben. Sie wollen zeigen, dass sie den negativen Trend umkehren und ein gutes Spiel mit einem guten Ergebnis zeigen können.“ (mbü)
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