Werder-Stürmer im DeichStube-interview

„Mbangula und ich? Das wäre eine spannende Flügelzange“: Werder-Stürmer Njinmah im Interview über Wechselgedanken und eine alte Liebe zum HSV

Justin Njinmah spricht im DeichStube-Interview über den HSV, ein verlockendes Angebot aus Rom und die Gründe, warum er trotzdem noch bei Werder ist!

Zell am Ziller – Neue Saison, neues Glück? Justin Njinmah hat sich eine Menge vorgenommen, der 24-Jährige will beim SV Werder Bremen endlich wieder mehr durch Tore als durch Verletzungen auffallen. Beim Interview-Termin mit der DeichStube während des Bremer Zillertal-Trainingslagers präsentiert sich der Stürmer bestens gelaunt und gewohnt angriffslustig. Der gebürtige Hamburger spricht dabei über seine Beziehung zum HSV, ein verlockendes Angebot aus Rom und die Gründe, warum er trotzdem noch bei Werder ist.

Haben Sie sich das Nikolaus-Wochenende schon fett im Kalender markiert?

Noch nicht. Wieso?

Als gebürtiger Hamburger werden Sie in Ihrer Heimatstadt Ihr erstes echtes Nordderby erleben – mit Werder. Ist das schon jetzt das Spiel des Jahres?

Ja, ist es. Die Vorfreude ist riesig. Ich war früher oft als Zuschauer im Volkspark, habe dort meine ersten Partien von Profimannschaften gesehen.

Waren Sie richtiger HSV-Fan?

Ja, war ich. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Dort dann hoffentlich zu spielen, und dann auch noch im Nordderby – was Schöneres kann es gar nicht geben.

Justin Njinmah (rechts) spricht im Interview mit DeichStube-Reporter Malte Bürger über den HSV, ein verlockendes Angebot aus Rom und die Gründe, warum er trotzdem noch bei Werder ist!

Werder Bremens Justin Njinmah über einen Wechsel zum HSV: „Wir haben nie über einen Transfer gesprochen“

Achtung, Glatteis: Was müsste passieren, damit Sie irgendwann mal für den HSV auflaufen?

(lacht) Das ist im Moment absolut keine Option.

Gab es denn jemals Kontakt zum Verein?

Ja, den gab es – und zwar deshalb, weil die Co-Trainer beim HSV 13 Jahre lang meine früheren Jugendtrainer waren. Aber wir haben nie über einen Transfer gesprochen.

Blicken wir drei Monate zurück: Es ist Mitte April, Ole Werner ist Trainer des SV Werder und Sie kommen zumeist nur von der Bank. Wie wahrscheinlich war es zu diesem Zeitpunkt, dass Sie im Sommer etwas anderes machen wollen?

Es war nicht unwahrscheinlich. Ich würde es aber nicht an Ole Werner festmachen, sondern eher an der allgemeinen Situation.

Jetzt ist Horst Steffen da. Hat sich dadurch alles für Sie verändert?

Das nicht. Aber es ist natürlich ein neuer Spielansatz, bei dem es grundsätzlich mehr Positionen gibt, auf denen ich spielen kann. Das vergrößert die Möglichkeiten und macht es interessanter für mich.

Werder Bremens Justin Njinmah über Verletzungssorgen: „Angst habe ich grundsätzlich keine“

Spüren Sie, dass es diese viel zitierte Chance für jeden Spieler gibt?

Es ist in jeder Vorbereitung so, dass man sich wieder in den Vordergrund spielen kann. Aber klar: Es gibt einen neuen Trainer, neue Eindrücke. Ich habe enorm Bock auf die neue Saison, bin topfit und will einfach spielen.

Topfit ist ein gutes Stichwort: Wie blicken Sie auf die Vorsaison?

Mein erstes Jahr bei Werder lief sehr gut, und dann habe ich mir natürlich ein anderes zweites Jahr vorgestellt. Eigentlich habe ich fast die ganze Saison über mit Schmerzen gespielt, worunter auch die Leistung gelitten hat. Das Schlimmste war, als ich gemerkt habe, dass ich einfach nicht an mein Maximum herankam, obwohl ich es immer wieder versucht habe. Ich bin froh, dass ich mit meiner Familie und meinen Freunden Menschen habe, die mich unabhängig vom Fußball glücklich machen. Sonst wäre die Zeit wirklich schwierig geworden.

Haben Sie damals das Vertrauen in Ihren Körper verloren?

Nein, das kann man so auf keinen Fall sagen. Natürlich hadert man in der Zeit und fragt sich, wie lange es dauert, bis man wieder bei 100 Prozent ist. Aber das geht dann auch schnell vorbei, wenn man wieder auf dem Platz steht. Jetzt fühle ich mich wieder richtig gut und habe wie auch zuvor in meiner Karriere volles Vertrauen in meinen Körper. 

Gibt es eine Form von Angst im Kopf, wenn es Kontakt mit dem Gegner am Fuß oder Sprunggelenk gibt, eben weil Sie in dieser Hinsicht vorbelastet sind?

Angst habe ich grundsätzlich keine. Ich gehe ganz normal in die Zweikämpfe. Wenn ich aber wie kürzlich im Training einen Schlag aufs Sprunggelenk bekomme, bin ich vielleicht aktuell noch etwas sensibler und reagiere anders, weil ich weiß, dass ich da vor kurzem Probleme hatte.

Justin Njinmah im Interview über einen Wechsel zur AS Rom: „Werder Bremen hat klar gesagt, dass es nicht umsetzbar ist“

Hat Julian Malatini, der Sie im Training getroffen hat, in der Kabine nochmal eine Ansage bekommen, dass er nicht so in den Zweikampf gehen soll?

Ich habe ihm schon gesagt, dass er mal ein bisschen chillen soll. (lacht) Zwischen uns ist aber alles entspannt. Er ist Verteidiger und macht nur seinen Job. Er wird dafür bezahlt zu verteidigen – und das macht er gut.

Im Winter gab es Berichte über ein millionenschweres Angebot von AS Rom. Warum sind Sie geblieben?

Das Angebot ist für mich tatsächlich sehr interessant gewesen. Aber wir haben uns zusammengesetzt, und mir wurde von Werder klar gesagt, dass es nicht umsetzbar sei, man weiter auf mich baue und man viel mehr in mir sehe als das, was dort im Raum stand. Damit war das Thema für mich geklärt. 

Gibt es Offerten, mit denen Sie sich aktuell beschäftigen können?

Ich bin Spieler von Werder Bremen und heiß auf die neue Saison. Und wenn was im Raum steht, dann werde ich wahrscheinlich erst mit den Verantwortlichen hier reden, bevor ich es über die Medien verbreite. (schmunzelt)

Hand aufs Herz: Verdrehen die großen Namen einem nicht auch etwas den Kopf?

Die Sache im Winter war wirklich sehr interessant. Aufgrund des Namens, aufgrund der Stadt. Aber es ist nun einmal nicht so gekommen. Ich bin 24 Jahre alt, habe riesige Lust auf die neue Saison und bin mir sicher, dass es nicht das letzte Angebot bleiben wird, wenn ich auf mein Top-Level komme.

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Werder Bremens Justin Njinmah im DeichStube-Interview: „Ich will einfach eine Saison lang fit sein und spielen“

Müssen Sie sich manchmal kneifen, um zu glauben, was Sie bisher erreicht haben?

Im ersten Jahr war alles sicherlich etwas viel, aber mittlerweile bin ich angekommen in der Mannschaft, fühle mich pudelwohl. Es fühlt sich komisch an, das zu sagen, aber inzwischen ist es zur Normalität geworden, ein Bundesliga-Profi zu sein. Das genieße ich sehr, habe enormen Spaß daran, im Weserstadion zu spielen und will bei Werder noch viel mehr zeigen, als ich es letzte Saison habe tun können. Je älter ich werde, desto mehr will ich an Konstanz in mein Spiel bekommen – denn ich weiß auch: Es wird einem weniger verziehen, je älter man wird. 

Sie haben im Vorjahr medienwirksam gesagt, dass man noch nicht alles von Ihnen gesehen habe. Was haben Sie noch zu bieten?

Ich will einfach eine Saison lang fit sein und spielen. Dann bin ich davon überzeugt, dass ich der Mannschaft einen Mehrwert geben kann. Ich will auch gar nicht mehr groß reden, sondern viel lieber zeigen, was ich kann.

Haben Sie sich mit Ihrem Teamkollegen Dikeni Salifou schon über Neuzugang Samuel Mbangula ausgetauscht – er kennt ihn ja noch aus gemeinsamen Zeiten beim Nachwuchs von Juventus Turin?

Auf jeden Fall. Er hat von ihm nur Gutes erzählt. Samuel sei nicht nur ein guter Spieler, sondern auch ein sehr guter Mensch, der gut in unsere Gruppe passen wird. Ich glaube, dass könnte mit ihm und mir eine sehr spannende Flügelzange sein. Das würde auf jeden Fall passen.

Googlen Sie sich manchmal selbst?

Nein. Das habe ich im ersten Jahr gemacht und im letzten manchmal auch noch. Doch dann habe ich gemerkt, dass ich es besser nicht mehr tun sollte.

Warum?

Man hält sich dann viel zu sehr an den negativen Dingen fest, die dort überall geschrieben werden. Ab und zu wird man in Insta-Storys verlinkt und dann sieht man es natürlich trotzdem, aber ich suche nicht mehr selbst nach mir.

Justin Njinmah gilt als äußerst selbstbewusst - der Stürmer des SV Werder Bremen versucht jedoch, den schmalen Grat zwischen selbstbewusstem Auftreten und einer großen Klappe zu bewältigen.

Verfolgt das Testspiel des SV Werder Bremen gegen Parma Calcio live im DeichStube-Liveticker!

Werder Bremens Justin Njinmah im DeichStube-Interview: „Auf dem Platz schadet ein gewisses Selbstvertrauen sicherlich nicht“

Wenn man Ihren Namen eingibt, zählen zu den ersten Vorschlägen zur Vervollständigung die Wörter „Gehalt“, was bei einem Fußballer normal ist, „Auto“ und „verletzt“. Was halten Sie von diesem Dreierpack?

Ich habe mir immer gewünscht, dass dieses Verletzungsding nie solch ein großes Thema wird. Aber ich bin auch überzeugt davon, dass es das nach der nächsten Saison nicht mehr sein wird. Bei den anderen beiden Themen landet man als Profifußballer oft in bestimmten Schubladen. Wer mich kennenlernt, merkt schnell, dass ich meine Werte ganz woanders habe und dass mir andere Dinge viel wichtiger sind. Ich bin aber auch ein Junge, der diesen Traum, ein Fußballprofi zu sein, leben darf. Dann gönne ich mir auch ab und zu gewisse Dinge. Mir ist aber am wichtigsten, dass meine Freunde und meine Familie, die mich wirklich kennen, ein gutes Bild von mir haben. Und das reicht mir dann auch.

Felix Agu und Sie sind bekanntlich sehr gut befreundet. Wie sehr haben Sie ihn über seine erstmalige Einladung zur nigerianischen Nationalmannschaft ausgequetscht?

Erst einmal hat es mich für ihn unfassbar gefreut. Wir haben vorher in der Kabine immer darüber geredet – und als er dann den Anruf tatsächlich bekommen hat, haben wir getanzt. Er hat mir ganz viel erzählt, auch wie groß der Unterschied zu deutschem Fußball ist. Das ist eine komplett andere Welt. 

Inwiefern?

Das Miteinander ist anders, die Wahrnehmung auch. Und auch die Plätze haben einen anderen Standard. Es ist halt afrikanisch, da gibt es mehr Freestyle. Aber es hat ihm enorm Spaß gemacht und er hat jede Sekunde genossen.

Tun diese Geschichten auch ein bisschen weh, weil er genau Ihren Traum lebt?

Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich riesig für ihn. Und außerdem: Was nicht ist, kann ja ganz schnell noch werden.

Was muss eigentlich passieren, damit Sie jemals Ihr Selbstbewusstsein verlieren?

Eine ganze Menge. (lacht)

Wie schmal ist der Grat zwischen selbstbewusstem Auftreten und einer großen Klappe?

Sehr schmal. Das muss ich mir oft anhören. Ich versuche immer, einen guten Umgang mit den Leuten zu haben, im Verein, in der Mannschaft, aber auch so im normalen Leben. Höflich, respektvoll. Und auf dem Platz schadet ein gewisses Selbstvertrauen sicherlich nicht.

Werder Bremens Justin Njinmah im DeichStube-Interview: „Ich will mir beweisen, dass ich noch mehr in der Bundesliga kann“

Wir starten in ein WM-Jahr. Spielt das für Sie eine Rolle?

Nein. Okay, irgendwo im Hinterkopf ist es schon. Wenn du bereits mit Nationalmannschaften in Verbindung gebracht wurdest, weißt du, dass es schnell gehen kann. Ich weiß, dass wenn ich performe und meine Tore mache, mein Spielstil und ich schneller gesehen werden als andere Spieler. Es liegt also alles nur an mir.

Ganz unabhängig von der Weltmeisterschaft: Ist das jetzt das wichtigste Jahr Ihrer Karriere?

Es ist definitiv ein Jahr, in dem ich etwas zeigen muss. Ich will mir beweisen, dass ich noch mehr in der Bundesliga kann. Das wollte ich schon letztes Jahr, aber das hat nicht geklappt. Ich hatte nicht viele Spiele, nach denen ich sagen konnte, dass es gut war. Natürlich ist es auch nicht einfach gewesen, immer seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, wenn du manchmal als Rechtsverteidiger eingewechselt wirst oder erst in der 88. Minute.

Waren Sie sauer auf den Coach?

Natürlich. Aber eigentlich ist man nicht sauer auf den Trainer selbst, sondern auf die gesamte Situation. Man hatte sich einfach etwas anderes erhofft, vor allem nach den Gesprächen im Winter. Danach ist dann aber eigentlich genau das Gegenteilige eingetreten, ich habe kaum noch gespielt.

Klingt, als sei da noch eine Rechnung offen.

Da gibt es keine offenen Rechnungen. Clemens Fritz und Peter Niemeyer haben einen konkreten Plan mit mir, und ich spüre das Vertrauen im Verein. Aber am Ende liegt es an mir, den Plan auch umzusetzen.

In Ihrer Karriere haben sich die Wege von Ihnen und Ole Werner schon einmal getrennt, damals noch in Kiel. Anschließend sind Sie so richtig durchgestartet – ein Gedanke, der Sie auch jetzt antreibt?

(schmunzelt) Ich will es nicht an Ole festmachen, aber wenn es wieder so läuft, würde ich mich natürlich freuen. (mbü)

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