Werder-Neuzugang machte Klassenerhalt in der Hauptstadt perfekt
Gondorf und die spezielle Berlin-Erinnerung
Bremen - Werders nächste Auswärtsreise führt die Mannschaft am Sonntag ins Olympiastadion nach Berlin - an einen Ort, an den vor allem Neuzugang Jerome Gondorf beste Erinnerungen hat.
Am 7. Mai 2016 machte der Mittelfeldspieler mit Darmstadt 98 in der Hauptstadt den Klassenerhalt in der Bundesliga perfekt. Beim 2:1-Erfolg schoss Gondorf ein Tor selbst und bereite ein weiteres vor. "Natürlich rufe ich mir das vor dem Spiel wieder in Erinnerung", sagte der 29-Jährige am Dienstag. "Ich habe schon viele Nachrichten von Freunden bekommen, die sagen: ,Berlin liegt dir doch. Das ist ein gutes Omen."
Tabelle anschauen "lohnt noch nicht"
Ganz entspannt, bestens gelaunt - wer Jerome Gondorf fünf Tage vor dem Hertha-Spiel so sprechen hörte, der bekam nicht unbedingt den Eindruck, dass da einer steht, der die ersten beiden Bundesliga-Spiele mit seiner Mannschaft verloren hat. Hat Gondorf aber. 0:1 gegen Hoffenheim, 0:2 gegen Bayern - Werder steht ohne Punkt und Tor auf dem letzten Tabellenplatz. "Ich habe mir die Tabelle noch kein einziges Mal angeschaut", beteuerte Gondorf, "das lohnt sich doch jetzt noch nicht". Der holprige Start, der im Vorfeld zu befürchten war, macht dem Ex-Darmstädter nichts aus. "Ich bin überhaupt nicht geknickt. Wenn wir gegen Hoffenheim einen Punkt geholt hätten, und das war möglich, dann wären doch jetzt alle zufrieden."
"Zufriedenheit ist Stillstand"
Werder hatte in der Vorbereitung auf die neue Saison den Fokus auf die Defensive gelegt, worunter die "Abteilung Attacke" der Mannschaft offenbar gelitten hat. "Unser Ziel ist es nicht, in jedem Spiel hinten Beton anzurühren. Wir haben ja genug Spieler, die das Potenzial haben, ein Tor zu schießen", sagte der Rechtsfuß. In Zugang Ishak Belfodil ("Er ist ein sehr höflicher Mensch") habe die Mannschaft zudem eine gefährliche Option mehr. Und wer weiß: Vielleicht trifft ja auch Gondorf ein weiteres Mal in Berlin. "Das wäre eine schöne Geschichte." Selbst wenn es nicht klappen sollte - bei Werder wissen sie nach kurzer Zeit schon, was sie am neuen Mann haben. "Er bringt ein, was wir uns von ihm erwartet hatten", lobt Sportchef Frank Baumann, kommt dann aber auch aufs Thema Berlin zu sprechen: "Wir hätten nichts dagegen, wenn er es wieder so macht wie mit Darmstadt."
In den drei bisherigen Pflichtspielen der Saison stand Gondorf zweimal in der Startelf - für einen neuen Spieler keine schlechte Quote, aber eben auch keine, auf der sich der gebürtige Karlsruher ausruhen will. "Zufriedenheit ist Stillstand. Deswegen sage ich nur, dass mein Start bei Werder okay war", betonte Gondorf. Dann lächelte er.
Zum Training war der Werder-Profi am Dienstag übrigens mit dem Fahrrad gekommen. Umgedrehtes Cap, offener Parker, Zeige- und Mittelfinger lässig zum Gruß gen Kamera gestreckt. "Ich bin doch ein normaler Mensch. Warum sollte ich das schöne Wetter nicht nutzen?", fragte Gondorf - ganz entspannt, bestens gelaunt.
Jerome Gondorf: Seine Karriere in Bildern




